Private Rentenversicherung Test

Die Architekten Silke Gehner-Haas, 44, und Friedhelm Haas, 51 müssen sich um die Altersvorsorge selbst kümmern.

Eine private Rentenversicherung ist eine Altersvorsorge für bequeme Sparer mit ordentlich Geld. „Sehr gute“ Angebote sind rar.

Silke Gehner-Haas ist als freie Architektin selbst für ihre Altersvorsorge zuständig. Für ihren Mann Friedhelm Haas, ebenfalls Architekt, gilt das gleichermaßen. Anspruch auf staatliche Riester-Förderung hat das selbstständige Ehepaar nicht. Die beiden überlegen, ob sie jeder eine private Rentenversicherung abschließen sollten.

„Sehr gute“ Tarife sind aber die Ausnahme. In unserer Untersuchung von 47 klassischen privaten Rentenversicherungen erreichten bei den Frauen und den Männern jeweils nur die Angebote von Asstel und Debeka das Finanztest-Qualitätsurteil „sehr gut“. „Gut“ waren acht Tarife. bei den Frauen und sieben bei den Männern.

Die übrigen Angebote erhielten ein „Befriedigend“ oder ein „Ausreichend“. Ein „Mangelhaft“ gab es nicht. Für sechs Angebote vergaben wir aus verschiedenen Gründen kein Gesamturteil. Alle Ergebnisse stehen in den „Testtabellen“.

Die Rente aus einer privaten Rentenversicherung fließt ein Leben lang, egal wie alt ein Kunde wird. Das gibt Sicherheit, ist aber teuer. Die Sache lohnt sich erst, wenn Leute 90 und älter werden. Andere legen sogar drauf. Doch keiner weiß, wie alt er wird.

In unserem Modell zahlen 37-jährige Frauen 30 Jahre lang 1 200 Euro jährlich ein. Dafür werden ihnen im besten Fall ab 67 Jahren 189 Euro (Interrisk) an garantierter Rente im Monat zugesagt. Im schlechtesten Fall sind es nur 164 Euro (Barmenia).

Gleichaltrige Männer erhalten wegen ihrer kürzeren Lebenserwartung mehr. Hier reicht die Spanne von 179 Euro (Barmenia) bis 206 Euro (Interrisk). Schon nach wenigen Jahren summieren sich solche Unterschiede im Alter auf über 1 000 Euro.

Das Architektenpaar will sich einige Angebote vorrechnen lassen, bevor es sich für oder gegen einen Abschluss entscheidet.

Private Rentenversicherung Test

Dayna Sadow, 46, stammt aus den USA. Altersvorsorge ist der Übersetzerin wichtig. Sie hat zwei private Rentenversicherungen und eine Betriebsrente.

Übersetzerin Dayna Sadow zahlt dagegen schon seit zehn Jahren in zwei private Rentenversicherungen ein. Die 46-jährige gebürtige Amerikanerin wollte selbst etwas für ihr Alter tun, sagt sie. Der staatlichen Versorgung traue sie nicht.

Erst ansparen

Wir haben klassische private Rentenversicherungen untersucht, bei denen Sparer lange einzahlen, bevor sie im Alter eine Rente daraus bekommen. Im Versicherungsdeutsch heißt das „aufgeschobene“ Rentenversicherung. Die Anbieter haben jüngere Leute im Auge, die sie für Jahrzehnte an ihr Unternehmen binden wollen.

„Klassisch“ heißt diese Anlage, weil das Kundengeld vorwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investiert wird, nicht in Fonds, wie bei der fondsgebundenen Rentenversicherung. Bei der klassischen Form gibt es auf den Beitrag nach Abzug der Kosten einen festen Mindestzins in Höhe von 2,25 Prozent. Umgerechnet auf den gesamten Beitrag, den der Kunde einzahlt, sind das oft nur 1, maximal 2 Prozent Zins.

Hinzu kann eine Überschussbeteiligung kommen. Die in der Ansparphase erwirtschafteten Überschüsse sollen schon die erste Rentenzahlung je nach Anbieter um 40 bis 70 Prozent erhöhen. Das rechnen die Versicherer in den untersuchten Angeboten aus. Diese Angaben machen sie auf Basis ihrer heutigen Werte .

Weitere Überschüsse können in der Rentenphase entstehen. Diese steigern die Rente im Laufe der Jahre immer wieder ein bisschen, sofern der Kunde sich für eine dynamische Auszahlung und nicht für eine konstante Gewinnrente entschieden hat (siehe Grafiken). Bei der konstanten Gewinnrente ist die Anfangsrente höher. Sie kann bei schlechteren Überschüssen in der Rentenphase aber auch wieder sinken.

Überschüsse entstehen zum einen, wenn ein Versicherer zu großzügig gerechnet hat. Kalkulierte er vorsichtshalber höhere Kosten ein als schließlich anfallen, muss er seinen Kunden von diesem Überschuss mindestens 50 Prozent abgeben. Überschüsse fallen ferner an, wenn weniger Kunden während der Vertragslaufzeit sterben als bei Vertragsbeginn kalkuliert. Diese sogenannten Risikoüberschüsse sind zu 75 Prozent an die Kundenkonten weiterzuleiten.

Durch gute Kapitalanlage kann außerdem ein „Überzins“ jenseits der festen Mindestzinszusage in Höhe von 2,25 Prozent entstehen. An diesem Erfolg sind Kunden mit mindestens 90 Prozent zu beteiligen.

Für den Erfolg mit einer Rentenversicherung sind Überschüsse sehr wichtig, aber ihre Höhe ist völlig unsicher.

Höhe der Rente

Wie viel Rente bei einem Anbieter einmal herausspringt, ist für die meisten Interessenten das wichtigste Kriterium. Deshalb haben wir einerseits den garantierten Teil der Rente, die Rentenzusage, beurteilt. Andererseits haben wir auch die Chance auf Überschüsse gemessen, und zwar am Anlageerfolg der vergangenen drei Jahre .

Die verbindliche Rentenzusage gibt an, wie viel Geld Kunden beim Vertragsschluss mindestens fest als lebenslange monatliche Leistung garantiert wird, wenn ihr Beitrag wie vereinbart eintrifft. Die Rentenzusage ging mit 40 Prozent in das Finanztest-Qualitätsurteil ein.

Alle Anbieter verwenden nahezu die gleichen Kalkulationsgrundlagen, die auf dem Mindestzins und Sterbetafeln beruhen. Sterbetafeln geben die durchschnittliche Lebenserwartung von Versicherungskunden an. Dadurch können die Unternehmen einplanen, wie lange sie im Schnitt an Kunden bestimmten Alters und Geschlechts Renten voraussichtlich zahlen werden und so die Höhe der von ihnen garantierten monatlichen Renten ausrechnen.

Trotz unserer gleichen Anfragen bei den Gesellschaften kommen aber keine gleichen Rentenzusagen heraus. Dahinter stecken die unterschiedlich hohen Kosten, die Versicherer für ihre Dienste ansetzen.

Rente aus Überschüssen

Wie hoch die Überschüsse bei einem Versicherungsunternehmen nach zum Beispiel 30 Jahren Vertragslaufzeit – wie im Modell – insgesamt sein werden, weiß heute keiner. Doch es gibt Hinweise.

Kosten- und Risikoüberschüsse stellen nur einen kleinen Teil der Überschussbeteiligung dar. Der weitaus größere Brocken geht auf den Erfolg des Versicherers am Kapitalmarkt zurück. Wir haben deshalb den bisherigen Anlageerfolg der Unternehmen, sofern er den Kunden zugute kam, mit 40 Prozent bewertet. Er ist ein wichtiger Indikator für die Höhe der künftigen Rente. Eingegangen sind die Werte der letzten drei Jahre. Am stärksten floss das Jahr 2008 ein.

Durch die Finanzkrise waren die Ergebnisse im vergangenen Jahr bei den meisten Unternehmen schlechter als in den beiden Jahren zuvor. Sie lagen zwar alle über dem Garantiezins von 2,25 Prozent, knapp drei Viertel erreichten aber nur noch einen Anlageerfolg bis zu 4 Prozent. Für 2009 ist noch keine Entlastung zu erwarten.

Halten konnte sich die Alte Leipziger mit 4,9 Prozent. Auch oeco capital, Familienvorsorge und Barmenia blieben nahe am Vorjahresergebnis. Die Basler schaffte sogar ein kleines Plus von 0,1 Prozent. Doch alle anderen Anbieter ließen mehr oder weniger kräftig Federn. Die CiV halbierte ihren Vorjahreserfolg auf 2,8 Prozent.

Wenn sich das Leben verändert

Der beste Vertrag nutzt nichts, wenn der Kunde ihn irgendwann storniert. Dann kippt die Rechnung, denn Abschluss- und Stornokosten schmälern das angesparte Guthaben vor allem in den ersten Jahren bei allen Anbietern deutlich. Sparer sollten aus einer privaten Rentenversicherung generell nicht vorzeitig aussteigen.

Besser ist es, in einer schwierigen Phase am Vertrag zu drehen und die Krise ohne Ausstieg zu überstehen. In Maßen ist es möglich, eine private Rentenversicherung den Irrungen und Wirrungen des Lebens anzupassen. Wir haben uns angeschaut, wie viel Veränderung die Anbieter ermöglichen. Die Flexibilität ging erstmals mit 10 Prozent ins Finanztest-Qualitätsurteil ein.

Stundet ein Versicherer den Beitrag zinslos? Kann der Kunde die Zahlung unterbrechen und später wieder einsetzen? Kann er Geld entnehmen? Sind Zuzahlungen möglich? Kann der Rentenbeginn vorverlegt oder hinausgeschoben werden?

Hier unterscheiden sich selbst die Anführer im Test stark: Recht flexibel ist das „sehr gute“ Angebot der Debeka, sehr starr der deshalb nur „gute“ Tarif der Europa.

Vertragsunterlagen

Ebenfalls mit 10 Prozent floss die Transparenz der bei Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen ein. Untersucht haben wir beispielsweise, ob der Kunde über Stornokosten oder die Folgen unterschiedlicher Zahlungsweisen aufgeklärt wird. Monatliche Zahlung kostet Ratenzuschläge, die bei jährlicher Zahlung entfallen.

Ganz wichtig: Gibt es eine Verlaufstabelle für die garantierten Rückkaufswerte und die beitragsfreie Leistung über die gesamte Laufzeit? Nur dann kann der Kunde wissen, wie viel von seinen eingezahlten Beiträgen er bei Kündigung in welchem Jahr mindestens zurückbekäme oder ihm bliebe, wenn er nicht weiter einzahlt.

Wann ein Vertrag sinnvoll ist

Als Ergänzung zur Altersvorsorge ist eine private Rentenversicherung eine Überlegung wert, sofern ein Sparer die Riester-Förderung nicht bekommt oder ihm das noch nicht reicht. Das gilt insbesondere, wenn der Grundbedarf im Alter für Miete, Nebenkosten und den täglichen Bedarf noch nicht aus anderen lebenslangen Einkommensquellen gedeckt ist.

Private Rentenversicherung Test

Bankkauffrau Evelyn Salat, 41, ist pragmatisch: „Erst Riester-Rente, dann private Rentenversicherung, damit es reicht.“ Ihrem Sohn Yannick, 7, will sie später nicht auf der Tasche liegen.

Bankkauffrau Evelyn Salat hat sich deshalb vor rund acht Jahren für eine private Rentenversicherung entschieden. Damit will die 41-jährige Arbeitnehmerin die Versorgungslücke schließen, die ihr trotz ihrer Riester-Rente ansonsten sicher wäre.

Die private Rentenversicherung ist bequem und etwas flexibler als eine Rürup- oder Riester-Rente. Der Kunde kann sein ganzes Geld bei Rentenbeginn zum Beispiel auf einen Schlag entnehmen, wenn ihm das plötzlich lieber ist. Bei einer Rürup-Rente geht das nicht, bei einer Riester-Rente sind nur 30 Prozent vorzeitig verfügbar.

Vorteile im Alter

Krankenversicherungsbeiträge zahlen nur die wenigen freiwillig versicherten Rentner auf die spätere Auszahlung, steuerlich ist sie für alle günstig. Bei Rentenbeginn mit 67 Jahren sind nur 17 Prozent der monatlichen Rente aus dieser Versicherung steuerpflichtig. Von 1 000 Euro Monatsrente bleiben 830 Euro komplett steuerfrei. Nur die restlichen 170 Euro erhöhen das steuerpflichtige Einkommen des Rentners.

Um 1 000 Euro Zusatzrente im Monat zusammenzubekommen, müssen Sparer aber viel einzahlen. Eine Frau, die wie im Modell mit 37 Jahren einsteigt, muss 30 Jahre lang monatlich rund 350 bis 440 Euro oder im Jahr 4 000 bis 5 000 Euro aufbringen, um sich damit diesem Wert zu nähern.

Beim Ansparen hat sie keine Steuervorteile. Sie überweist ihre Beiträge aus dem Nettoeinkommen und kann ihren Aufwand beim Finanzamt nicht absetzen.

Die Zinserträge, die der Versicherer für Kunden erwirtschaftet, müssen in dieser Phase aber nicht versteuert werden.

Auf diesen Vorteil verzichten Sparer, die ihr Vermögen selbst vermehren und sich später eine „Sofortrente gegen Einmalbeitrag“ kaufen. Dafür gehen Kunden mit einer „Ansparrente“ eine oft viele Jahre dauernde Zahlungsverpflichtung ein.

Langer Atem nötig

Die lange Laufzeit ist ein echtes Problem für Vorsorgende. Sparer, die sich mit 30 oder 37 Jahren (wie im Modell) für eine solche Rentenversicherung entscheiden, müssen über einen schier endlosen Zeitraum hinweg regelmäßige Beiträge aufbringen. Nicht weiter einzahlen oder vorzeitig aussteigen, bringt oft sogar hohe Verluste.

Ein 37-Jähriger, der seinen Vertrag nach fünf Jahren wieder kündigt, bekommt bei der WWK von seinen eingezahlten 6 000 Euro ohne Überschüsse nur 3 820 Euro zurück. Beim „sehr gut“ bewerteten Tarif der Debeka sind es mit 3 830 Euro kaum mehr.

Ohne Verlust kann der Mann nach fünf Jahren nur bei der Hannoverschen Leben aussteigen, die ihm einen Rückkaufswert von 6 009 Euro garantiert. Für Menschen mit unsicheren Einkünften ist eine private Rentenversicherung deshalb ungünstig.

Versorgt wird zudem nur der Sparende selbst. Wer sein Geld vererben will, liegt mit einer privaten Rentenversicherung falsch. Stirbt der Kunde, ist das Gesparte weg. Er kann das nur etwas abfedern, indem er eine Beitragsrückgewähr und eine Rentengarantiezeit vereinbart (siehe „Vertragsgestaltung“).

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