Index­policen: Begrenzte Chancen

Renten­versicherungen mit Indexbe­teiligung sind undurch­sichtig. Die scheinbaren Chancen auf hohe Renditen sind stark begrenzt.

Kaufen Sie kein Finanz­produkt, das Sie nicht verstehen! Mit dieser Faust­regel fahren Sparer und Anleger gut. Mit sogenannten Index­policen verkaufen Versicherer aktuell verstärkt Verträge, die bei Beherzigung des Ratschlages wohl kaum jemand abschließen dürfte.

Index­policen sind private Renten­versicherungen, die garan­tierte Zusagen im Vergleich zur klassischen Renten­versicherung abge­senkt haben. Wie hoch die Rente einmal ausfallen wird, ist mit diesen Produkten sehr unsicher (Private Rentenversicherung). Denn wie die Rente berechnet wird, entscheiden die Anbieter erst, wenn es so weit ist. Im Gegen­zug stellen sie Kunden höhere Renditen in Aussicht, da Anbieter die Verzinsung vom Erfolg eines Index wie Dax oder Euro Stoxx 50 abhängig machen.

Der Versicherungs­konzern Axa beschreibt die Indexbe­teiligung bei seiner „Relax Rente (Classic)“ so: „Die monatlichen Gewinne und Verluste des Europa Aktien­index mit ISC werden zu einem Jahres­ergebnis summiert. Hierbei wird die monatliche Gewinn­ober­grenze, der Cap, berück­sichtigt. Die Höhe des Caps wird zu Beginn eines jeden Index­jahres neu fest­gelegt und gilt für ein Jahr. Ist das Ergebnis positiv, so wird diese Jahres­rendite dem Vertrags­vermögen gutgeschrieben. Ist das Ergebnis negativ, wird die Jahres­rendite auf null gesetzt und das Vertrags­vermögen bleibt erhalten.“

Alles klar? Wenn ja: Glück­wunsch! Wenn nein: nicht schlimm. Es ist selbst für Experten nicht leicht einzuschätzen, was bei so einem Konstrukt heraus­kommt.

Nur gewinnen, nicht verlieren?

Verluste ausschließen und Gewinne einsacken, das ist der Traum jedes Anlegers. Index­policen erwecken den Eindruck, diesen Traum zu erfüllen. Sparer haben jedes Jahr die Wahl, die Über­schüsse mitzunehmen, die durch die feste Verzinsung ihres Vertrags­guthabens entstehen. Sie können aber auch darauf verzichten und ihre Verzinsung von der Entwick­lung eines Index abhängig machen. Wenn es gut läuft, werden sie bis zu einer gewissen Grenze an der Index­entwick­lung beteiligt, wenn es schlecht läuft, bleibt die Verzinsung aus, die einge­zahlten Beiträge bleiben jedoch erhalten.

Verluste gibt es trotzdem: Der „Wett­einsatz“ der sicheren Über­schüsse ist weg. Gerade in den Jahren gegen Ende des Vertrages können die ziemlich groß werden. Sind 30 000 Euro im Vertrag und die laufende feste Verzinsung liegt bei 3 Prozent, beträgt der „Wett­einsatz“ 900 Euro. Die hätte der Kunde sicher einstreichen können, sie sind aber weg, falls der Index schlecht läuft.

Boden unten, Deckel oben

Doch wie sehen die Gewinn­chancen bei dieser Wette aus? Die Garantie, nichts zu verlieren, hat ihren Preis. Die jähr­liche Verzinsung wird in der Regel berechnet, indem die Rendite der einzelnen Monate zusammengezählt wird (Tabelle Indexbeteiligung). Dabei sind positive Monate durch einen „Cap“ gedeckelt. Aktuell liegt dieser Cap bei den meisten Anbietern bei rund 3 Prozent. Bei negativen Monaten gibt es diese Deckelung nicht. Folgt auf einen Januar mit minus 10 Prozent Rendite ein Februar mit plus 12 Prozent Rendite, liegt die Verzinsung der Index­police also nicht bei plus 2 Prozent, sondern bei minus 7 Prozent. Der positive Monat geht nur mit plus 3 Prozent ein. Um einen richtig negativen Monat auszugleichen, sind viele positive Monate notwendig.

Alternativ berechnen einige Anbieter die Beteiligung mit einer Quote. Dann wird die positive Rendite etwa nur zu 70 Prozent mitgenommen. Das Ergebnis ist ähnlich.

Das Auf und Ab der Aktienmärkte bringt einen weiteren Unsicher­heits­faktor in die Verträge. Je nach Stichtag kann der eine Kunde eine ganz andere jähr­liche Verzinsung bekommen als ein weiterer Kunde. Der Februar-Kunde aus unserem Beispiel startet mit einer positiven Rendite, der Januar-Kunde muss erst mal ein Minus von 10 Prozent aufholen.

Super Verzinsung selten

Private Renten­versicherung Test

Bei einem Cap von 3 Prozent ist also theoretisch eine Verzinsung von 36 Prozent drin, wenn der Index zwölf Monate am Stück mit 3 Prozent oder mehr zulegt.

Wir haben berechnet, was aus zwölf Verträgen geworden wäre, die im Abstand von einem Monat zwischen Dezember 1990 und November 1991 abge­schlossen wurden. Dafür haben wir den Index Euro Stoxx 50 benutzt, den auch die meisten Anbieter nutzen. Die höchst­mögliche Verzinsung von 36 Prozent wäre nie vorgekommen.

Bei 296 möglichen Vertrags­jahren zwischen 1990 und Juli 2016 gab es über­haupt nur drei Vertrags­jahre, in denen die Verzinsung über 20 Prozent lag. Dafür gab es 133 Vertrags­jahre, in denen die Verzinsung bei null lag.

Im Schnitt lag die Verzinsung bei 4,8 Prozent, doch die Hälfte der Verträge schaffte nicht einmal 1,8 Prozent. Es gab wenige Verträge, die sehr gut gelaufen wären, und viele deutlich schlechtere. Bei allen hätte es jahre­lange Null­runden gegeben. In den Jahren 2008 bis 2011 hätten zum Beispiel kaum Kunden Zinsen bekommen.

Chance sinkt mit Über­schüssen

Die Zinsen und damit die Über­schüsse der privaten Renten­versicherungen sinken seit Jahren. Die Höhe des Caps hängt aber von den Über­schüssen und vom Zins­niveau ab. Wenn Zinsen und Über­schüsse weiter sinken, werden die Caps nach unten angepasst und die Rendite­chancen der Indexbe­teiligungen fallen. Das können die Anbieter jeder­zeit tun, einen festen Cap über den gesamten Vertrags­verlauf gibt es nicht.

Wir haben die Berechnung ab Dezember 1991 auch für einen Cap von 2 Prozent gemacht. Das Ergebnis: In diesem Fall wäre in mehr als 50 Prozent der betrachteten Zeiträume eine Verzinsung von null heraus­gekommen.

Kunden mit Index­policen sollten also bei der jähr­lichen Wahl zwischen festen Über­schüssen und Indexbe­teiligung auf die Höhe des Caps achten. Sinkt der Cap unter 2 Prozent, sollten sie lieber den festen Über­schuss wählen. Die Gefahr einer Null­verzinsung ist zu groß.

Rente unsicher

Zu Vertrags­abschluss sicher ist bei den Index­policen nur die Rente, die aus dem garan­tierten Kapital errechnet wird. Wie das zusätzliche Guthaben aus der Indexbe­teiligung verrentet wird, das entscheiden die Anbieter erst, wenn der Kunde die Rente beziehen möchte. Es kann also sein, dass der Zugewinn aus der Indexbe­teiligung deutlich schlechter verrentet wird als das garan­tierte Kapital. Ein guter Vertrags­verlauf bedeutet also leider nicht immer auch eine gute Rente.

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