Eine private Rentenversicherung bietet dem Sparer ein lebenslanges Einkommen. Von 55 Angeboten für Frauen und Männer waren jeweils fünf „sehr gut“.

Eine private Rentenversicherung ist für viele Menschen eine Überlegung wert. Sie sichert im Alter ein lebenslanges Zusatzeinkommen, das weitgehend steuerfrei ist. Anders als bei der gesetzlichen Rente ist eine bestimmte Rentenhöhe garantiert. Dazu können noch Überschüsse kommen.

Wie viel Rente aus einer privaten Rentenversicherung einmal fließt, hängt davon ab, wie viel eingezahlt wurde und bei wem. Wir haben 55 Tarife für eine klassische, ansparende, private Rentenversicherung jeweils für Männer und Frauen bewertet.

Klassisch heißt, das Kundengeld wird überwiegend konservativ angelegt. Ansparend meint, dass der Kunde viele Jahre lang Beiträge einzahlt.

In unserem Modell sind die Kunden bei Vertragsschluss 35 Jahre alt und wollen 30 Jahre lang jährlich 1 200 Euro Beitrag zahlen, bis sie 65 Jahre alt sind. Bei der Interrisk bekäme unsere Modellkundin ab dann monatlich eine garantierte Rente von 212 Euro, bei der LVM nur 182 Euro. Hat sie das schlechtere Angebot gewählt, kostet sie das bis zum 85. Geburtstag schon allein 7 200 Euro Garantierente.

Wir haben die Garantierente bewertet. An ihr lässt sich ablesen, ob ein Versicherer kostengünstig kalkuliert. Prüfpunkt zwei war der Anlageerfolg des Versicherers, sofern die Kunden davon profitieren. Überschüsse entstehen größtenteils hier.

Außerdem haben wir die Transparenz der Angebote überprüft. Es ging uns besonders darum, wie gut Kunden anhand der vor Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen erkennen können, welche Leistung ihnen in welcher Situation zusteht.

Die drei besten Angebote für Männer wie Frauen kamen von der CosmosDirekt, der Interrisk und der WGV. Auch die Tarife von Europa und Debeka schnitten mit einem „Sehr gut“ ab. Der überwiegende Teil der Angebote kam auf ein „Befriedigend“. Nur „Ausreichend“ waren acht Angebote für Frauen und sechs für Männer.

Private Rente nur gering besteuert

Eine private Rentenversicherung bietet Sparern durch die lebenslang garantierte Rentenzahlung eine hohe Sicherheit. Sie sollte aber erst nach einem Riester-Vertrag kommen, weil dieser sich aufgrund der staatlichen Förderung beim Sparen noch mehr lohnt (siehe Altersvorsorge). Ein Riester-Vertrag reicht allerdings nicht, um zusammen mit der gesetzlichen Rente im ­Alter die Grundversorgung zu sichern.

Staatlich gefördert wird auch das Sparen für eine Betriebsrente. Zu dieser kann eine private Rentenversicherung eine Alternative sein, wenn Arbeitnehmer keine Betriebsrente bekommen, keine wollen oder damit nicht ausreichend versorgt sind.

Riester- und Betriebsrenten sind im Alter voll steuerpflichtig. Anders die private Rentenversicherung: Fließt hier die erste Rente mit 65 Jahren, muss der Ruheständler nur 18 Prozent von ihr versteuern.

Jüngere Frauen und Männer von heute werden auch ihre gesetzliche Rente weit­gehend versteuern müssen, bei Rentenbeginn ab 2040 ist sogar die gesamte Rente steuerpflichtig. Das macht den großen steuerfreien Anteil einer privaten Rente für sie besonders interessant.

Auf eine private Rente fallen im Alter zudem keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. Eine Riester-Rente ist davon zwar auch frei. Betriebsrenten sind mit diesen Abgaben aber belastet.

Trotzdem ist eine private Rentenversicherung nicht für jeden geeignet. Denn sie bindet ihre Kunden für viele Jahre. Das Geld für den Beitrag sollte dauerhaft verfügbar sein.

Flexibel ist eine private Rentenversicherung nämlich nicht. Wer unterschreibt, muss immer zahlen. Vorübergehend nicht zu überweisen, geht zwar schon einmal. Beitragslücken müssen aber rasch wieder geschlossen werden. Das schafft nicht jeder. Und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag bringt Sparern kräftige Verluste.

Garantie und mehr

Die Höhe der garantierten Rente war für uns das wichtigste Bewertungskriterium. Es floss mit 50 Prozent in das Gesamturteil ein. Nur die garantierte Rente ist dem Sparer, der den Vertrag bis zum Rentenbeginn durchhält, lebenslang sicher.

Die Garantierente wirkt allerdings eher mager: Eine Frau bekommt gerade einmal im Durchschnitt 192 Euro und ein Mann 207 Euro, nachdem beide 30 Jahre lang jährlich 1 200 Euro gespart haben.

Im Schnitt haben wir für Frauen wie Männer eine garantierte Rendite von nur 2 Prozent auf den eingezahlten Beitrag ­errechnet. So viel wäre Kunden sicher, wenn sie statt einer Rente am Ende der Spar­phase eine Einmalzahlung wählen.

Was die garantierte Leistung angeht, ist die private Rentenversicherung also alles andere als ein Renditeknüller. Der Vertrag lohnt sich erst, wenn der Kunde sehr alt wird, also 85 Jahre und älter. Dafür hat er eine lebenslange Einkommensgarantie. Außerdem fällt die tatsächliche Rente durch Überschüsse hoffentlich höher aus.

Die Überschüsse hängen stark vom Erfolg des Versicherers am Kapitalmarkt ab. Wir haben für die vergangenen drei Jahre untersucht, wie gut die Versicherer für ihre Kunden Geld angelegt haben. Das jüngste Jahr haben wir am stärksten gewichtet.

Bewertet haben wir, wie viel ein Versicherer mit dem Guthaben, das den Kunden zuzurechnen ist, erwirtschaftet und wie viel er darauf gut geschrieben hat. Das Guthaben basiert vor allem auf dem im Beitrag enthaltenen Sparanteil.

Wie wichtig Unterschiede beim Anlageerfolg sind, zeigt unser Blick in die Zukunft: Je nach Anbieter kann sich ein Sparer am Ende über einen Aufschlag von rund 80 Prozent auf seine garantierte Rente freuen, wenn die Anlagestrategie weiter aufgeht, oder er muss sich mit weniger als 20 Prozent Zuschlag begnügen.

Er bekommt dann statt einer Garantierente von 200 Euro von einem Anbieter mit gutem Anlageerfolg 360 Euro, von einem mit schlechtem nur 240 Euro Rente.

In dieser Bandbreite liegen die mög­lichen Renten einschließlich der Überschüsse, sofern der Kunde eine „volldynamische Rentenauszahlung“ gewählt hat. Diese Auszahlungsform empfehlen wir. Nur hier ist der Kunde vor Kürzungen sicher, wenn die Überschüsse einbrechen oder die Unternehmen sie wegen weiter steigender Lebenserwartung senken.

Läuft aber alles gut und die Anlagetaktik des Versicherers geht auch in der Auszahlungsphase auf, steigt die Rente im Laufe der Jahre hier sogar kontinuierlich an. Das kann den Lebensstandard sichern.

Versicherer informieren schlecht

Kunden müssen vor Abschluss des Vertrags begreifen, worauf sie sich einlassen. Wir haben deshalb die Transparenz der Unterlagen geprüft und zum Beispiel bewertet, ob der Kunde Informationen über die Rückkaufswerte bekommt. Daraus kann er erkennen, wie viel Geld ihm bei einem vorzeitigen Vertragsausstieg fest zusteht.

Die meisten Versicherer liefern diese Werte. Sie zeigen, dass ein Ausstieg in den ersten Jahren einen schmerzhaften finanziellen Verlust bringt. Das liegt an den Abschlusskosten, die den Versicherten zum Großteil bei Vertragsbeginn in Rechnung gestellt werden. Sie werden bei einer Kündigung nicht erstattet.

Solche Kosten machen sich auch stark bemerkbar, wenn ein Kunde seinen Vertrag beitragsfrei stellt, weil er nicht mehr zahlen kann oder will. Über diese Folgen informieren die meisten Versicherer vor Vertragsschluss nicht. Auch bei den drei besten Angeboten bleiben sie unklar.

Selbst eine ganz einfache Information geben viele Unternehmen ihren Kunden vor der Unterschrift nicht: Diese müssen Nachteile in Kauf nehmen, wenn sie ihren Beitrag nicht jährlich überweisen, sondern monatlich. Doch nur 26 Versicherer klären darüber auf, dass ihre Kunden für dieselbe Leistung dann beispielsweise 5 Prozent mehr Beitrag überweisen müssen.

Vertrag formen

Die Auswahl eines kostengünstigen, renditestarken Anbieters ist beim Abschluss einer privaten Rentenversicherung sehr wichtig. Der Vertrag sollte aber auch sinnvoll gestaltet werden. Mehr dazu in „Den weiten Weg gut planen“ sowie „Checkliste“.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2771 Nutzer finden das hilfreich.