Den weiten Weg gut planen

Die private Rentenversicherung ist wenig flexibel. Was an ­Gestaltungsraum da ist, sollte der Kunde nutzen.

Dreißig Jahre lang zahlen unsere Modellkunden in ihre private Rentenversicherung ein. Und zwanzig, dreißig oder noch mehr Jahre hoffen sie, daraus eine Rente zu beziehen.

Was so lange halten soll, muss genau zum Kunden passen. Er muss seinen Jahresbeitrag so bestimmen, dass später eine genügend hohe Rente herausspringt. Doch gleichzeitig sollte er nicht alles, was er für die Altersvorsorge aufbringen kann, in dem Vertrag binden.

Eine Rentenversicherung ist nicht fle­xibel. Aus dieser Zahlungsverpflichtung kommen Kunden sehr häufig nur noch mit Verlust heraus, wenn sie ihnen über den Kopf wächst.

Dynamik oder nicht?

Niedrig einsteigen, den Beitrag dafür langsam steigern. Ein dynamischer Rentenversicherungsvertrag bietet das. Das hilft, Verluste durch Inflation auszugleichen, argumentieren Versicherungsvermittler gern. Und der Vertrag passe sich den mit dem Alter und Einkommen steigenden Bedürfnissen des Versicherten an.

Doch ein dynamisch jährlich steigender Beitrag kostet den Kunden unnötig Geld. Bei jeder Dynamikstufe wird er zur Kasse gebeten. Der Versicherer macht neue Abschlusskosten geltend.

Gleichzeitig erschwert ein steigender Beitrag den Überblick über die zu erwartende Leistung. Ob sich der Sparaufwand am Ende gelohnt hat, wie viel Beitragsrendite dem Kunden bleibt, ist bei einer Rentenversicherung mit steigendem Beitrag kaum noch einschätzbar.

Unser Tipp: Finger weg von solchen Verträgen! Mehr sparen lässt sich später auch mit zusätzlichen Anlageprodukten.

Abruf- und Aufschuboption

Die Bedingungen der meisten Rentenversicherungsverträge im Test enthalten eine Abruf- sowie eine Aufschuboption. Beides ist sinnvoll.

Mit einer Abrufoption kann der Rentenbeginn vorgezogen werden, meist bis zu fünf Jahre. Die Rente fällt dann niedriger aus. Abrufbar ist sie oft ab 60 Jahren.

Mit einer Aufschuboption kann der Kunde die erste Auszahlung meist zwei bis fünf Jahre hinausschieben. Die Rente fällt dann höher aus, als sie beim ursprünglichen Start gewesen wäre.

Kapitalwahlrecht

Wichtig ist das Kapitalwahlrecht. Alle Angebote in unserer Untersuchung enthalten es. Durch das Kapitalwahlrecht kann der Kunde am Ende der Einzahlung eine einmalige Summe statt einer Rente wählen. Vielleicht benötigt er eine größere Summe.

Die Erträge sind dann jedoch zur Hälfte steuerpflichtig, sofern der Versicherte bei Auszahlung 60 Jahre oder älter ist. Ist er jünger, gilt sogar die volle Steuerpflicht.

Der Kunde sollte darauf achten, bis wann das Kapitalwahlrecht ausgeübt werden kann. In manchen Angeboten muss er bis zu drei Jahre vor Rentenbeginn entscheiden, wie er sein Geld bekommen will.

Berufsunfähigkeitsschutz

Fast alle Versicherungsunternehmen bieten die Möglichkeit im Vertrag über eine private Rentenversicherung einen kleinen Berufsunfähigkeitsschutz zu vereinbaren. Muss der Kunde seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen, übernimmt der Versicherer an seiner Stelle die Beitragszahlung für die Rentenversicherung. Dadurch hat der Kunde keine Einbußen bei der späteren Auszahlung, auch wenn er selbst seine Beiträge vielleicht nicht mehr zahlen kann.

Interessenten sollten sich vorrechnen lassen, um wie viel geringer ihre garantierte Rente durch den Einschluss dieser Option ausfallen würde. Verzichten sollten sie darauf, wenn der Verlust ihnen zu hoch erscheint oder sie anderweitig ausreichend für Berufsunfähigkeit vorgesorgt haben.

Wann der Lebensversicherer eine Berufsunfähigkeit anerkennt, kann sich stark unterscheiden. Maßstab sollte der zuletzt ausgeübte Beruf sein.

Außerdem sollte der Versicherer die Beitragsfreistellung nicht mit der Begründung verweigern können, der Kunde könne trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen theoretisch noch in einem anderen Beruf arbeiten.

Angehörige absichern

Eine Rentenversicherung eignet sich überhaupt nicht, um Angehörige abzusichern. Hier ist eine Risikolebensversicherung in ausreichender Höhe das Richtige. Damit das in die Rentenversicherung eingezahlte Geld für die Hinterbliebenen aber nicht vollständig verloren ist, wenn der Versicherte in der Ansparzeit oder kurz nach Rentenbeginn stirbt, bieten die Unternehmen mehrere Möglichkeiten an.

Für die Einzahlzeit kann eine Beitragsrückgewähr vereinbart werden. Stirbt der Versicherte vor Rentenbeginn, zahlt der Anbieter die eingezahlten Beiträge zurück.

Die Vereinbarung kostet nicht sehr viel. In unserem Modell verliert der Kunde je nach Versicherer dadurch zwischen 5 und 6 Euro an garantierter Rente im Monat. Mehr Verlust hat er, wenn er eine Beitragsrückgewähr auch noch für die Rentenphase vereinbart. Davon raten wir deshalb ab.

Kaum ins Gewicht fällt eine kurze Rentengarantiezeit von bis zu zehn Jahren. Die Rente wird dann mindestens so lange ausgezahlt, auch wenn der Versicherte schon vorher stirbt. In unserer Untersuchung haben wir zehn Jahre Garantiezeit unterstellt.

Eine noch längere Rentengarantie kostet den Kunden spürbar mehr Rente.

Überschussbeteiligung

Bei der ansparenden Rentenversicherung entstehen vor und nach Rentenbeginn Überschüsse. Sie kommen größtenteils den Kunden zugute.

Vermehrt der Versicherer das Geld am Kapitalmarkt besser als der derzeit gültige Garantiezins von 2,75 Prozent vorsieht, macht er Überschüsse. Das ist der größte Teil. Für Neuverträge ab 2007 soll der ­Garantiezins übrigens auf 2,25 Prozent ­gesenkt werden.

Sind die Verwaltungskosten geringer als vom Versicherer kalkuliert, gibt es ebenfalls Überschüsse. Das gilt auch, wenn die Versicherten nicht so alt werden, wie nach der zugrunde gelegten Sterbestatistik erwartet.

Der Kunde kann entscheiden, wie er von den Überschüssen profitiert. Für die Ansparzeit sind zwei Methoden üblich: die verzinsliche Ansammlung und das Bonussystem. Viele Versicherer haben nur eine von beiden Varianten im Programm.

Erlebt der Versicherte den Rentenbe­ginn, laufen beide Systeme auf das Gleiche hinaus: Überschüsse steigern die Rente. Stirbt er vorher, würden im Normalfall auch bei beiden Methoden Überschüsse die Todesfallleistung erhöhen.

Als Todesfallleistung ist üblicherweise die Beitragsrückgewähr vereinbart. Der Versicherer zahlt den Angehörigen bei Tod des Versicherten mindestens das zurück, was bis dahin eingezahlt wurde. Sind bis dahin Überschüsse entstanden, kann die Auszahlung etwas höher sein.

Eine zusätzliche Todesfallleistung aus Überschüssen kann der Kunde bei der Bonusrentenmethode aber in einigen Angeboten ausschließen. Dann bekämen seine Angehörigen weniger Geld, wenn er vor Rentenbeginn sterben würde. Dafür blieben mehr Überschüsse zur Rentenerhöhung, wenn die Rente gezahlt wird.

Ein Unterschied ist auch, dass der Kunde beim Bonusrentensystem jedes Jahr aus den zugeteilten Überschüssen eine Erhöhung der zukünftigen Rente erhält.

Bei der verzinslichen Ansammlung werden die Überschüsse dagegen in der Ansparzeit einem Überschusskonto gutgeschrieben und verzinst. Erst zu Rentenbeginn werden die zugeteilten Überschüsse in eine Rente umgerechnet. Und erst dann erhöhen sie die garantierte Rente.

Rentenzahlung dynamisieren

Auch in der Auszahlphase werden unterschiedliche Methoden zur Überschussbeteiligung verwendet. Die Grafiken links zeigen, wie die Rentenauszahlung für denselben Vertrag bei der konstanten Überschussbeteiligung im Vergleich zur volldynamischen Form verlaufen kann.

Bei der volldynamischen Auszahlung zahlt der Versicherer anfangs eine geringere Rente, die im Laufe der Jahre meist steigt. Großer Vorteil dieser Variante ist, dass die Rente nie fällt.

Bei allen anderen Formen ist eine Rentenkürzung möglich, wenn die Erträge des Versicherers einbrechen.

Vor einigen Jahren war das fast branchenweit der Fall. Viele Ruheständler mussten massive Kürzungen ihrer Privatrente verkraften. Kunden wählen deshalb besser die volldynamische Form.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2771 Nutzer finden das hilfreich.