Pfleg­etagegeld­versicherung im Vergleich

So haben wir getestet (Finanztest 2/2020)

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Pfleg­etagegeld­versicherung im Vergleich

  • Testergebnisse für 48 Pfleg­eta­gegeld­ver­sicherungen - 45-jäh­rige 02/2020
  • Testergebnisse für 48 Pfleg­eta­gegeld­ver­sicherungen - 55-jäh­rige 02/2020
Inhalt

Im Test. Pfleg­etagegeld- und Pflege­monats­geld­tarife von 27 Kranken­versicherern. 23 Tarife mit fest­gelegter Leistung in jedem der fünf Pfle­gegrade und in jeder Pflegesituation, 10 Tarife mit flexibel gestalt­barer Leistungs­verteilung.

Tarife mit fest­gelegter Leistung.

Bei diesen 23 Tarifen ist die prozentuale Verteilung der vereinbarten Tage- oder Monats­geldhöhe auf die Pfle­gegrade vom Kunden nicht beein­fluss­bar. Das vereinbarte Tage- oder Monats­geld gilt in der Regel für die voll­stationäre Pflege in Pfle­gegrad 5. Die Tarife folgen im Wesentlichen drei Modellen:

Modell 1 („Treppe-Treppe“). Mit jedem Pfle­gegrad bei ambulanter wie stationärer Pflege gibt es mehr Geld.

Modell 2 („Treppe-Konstant“). Ambulant steigt die Leistung mit den Pfle­gegraden, stationär sind mindestens die Pfle­gegrade 2 bis 5 gleich hoch abge­sichert.

Modell 3 („Konstant-Konstant“). Sowohl ambulant als auch stationär sind mindestens die Pfle­gegrade 2 bis 5 gleich hoch abge­sichert.

Tarife mit flexibler Leistungs­gestaltung

Bei den zehn flexiblen Tarifen kann der Kunde die Leistungs­verteilung auf die fünf Pfle­gegrade mit gewissen Einschränkungen selbst fest­legen. Meist darf ein höherer Pfle­gegrad nicht geringer versichert werden als der darunter liegende, häufig kann die ambulante Absicherung nicht höher sein als die stationäre. Wir haben bis zu drei Modell­varianten je Tarif berück­sichtigt. Diese sollten die folgenden Leistungs­verteilungen möglichst gut nach­bilden, wobei sich die prozentualen Angaben auf die für die voll­stationäre Pflege in Pfle­gegrad 5 vereinbarte Leistung beziehen:

Modell 1. Bei ambulanter und stationärer Pflege gibt es 10 Prozent in Pfle­gegrad 1, 35 Prozent in Pfle­gegrad 2, 65 Prozent in Pfle­gegrad 3 und 100 Prozent in Pfle­gegrad 4 und 5.

Modell 2. Bei ambulanter Pflege gibt es 10 Prozent in Pfle­gegrad 1, in Pfle­gegrad 2 ein Drittel, 75 Prozent in Pfle­gegrad 3 und 100 Prozent in Pfle­gegrad 4 und 5. Bei stationärer Pflege gibt es mindestens in den Pfle­gegraden 2 bis 4 100 Prozent.

Modell 3. Bei ambulanter und stationärer Pflege gibt es mindestens in den Pfle­gegraden 2 bis 5 rund 1 000 Euro.

Leistungs­niveau (80 Prozent)

Wir haben das Leistungs­niveau der Tarife für zwei Fälle bewertet, für einen 55-jährigen Modell­kunden, der eine Pfleg­etagegeld- oder Pflege­monats­geld­versicherung mit einem monatlichen Beitrag von etwa 89 Euro abschließt, und für einen 45-jährigen Modell­kunden mit einem Monats­beitrag von etwa 57 Euro.

Die Höhe der im Pflegefall jeweils gezahlten monatlichen Leistungen haben wir der von uns angenom­menen Versorgungs­lücke gegen­überge­stellt. Falls im Pflegefall die Beiträge weiter gezahlt werden müssen, haben wir diese von der Leistung abge­zogen.

Zur Bewertung haben wir die Leistungen nach Pfle­gegrad und Pflegesituation in Abhängig­keit von der Häufig­keit des Auftretens gewichtet. Dabei haben wir uns auf aktuelle Daten des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung bezogen.

In der Tabelle haben wir beispielhaft die Tarif­leistungen für einen Monat mit 30 Tagen aufgeführt. Bei der

Bewertung wurde berück­sichtigt, ob der Tarif die Leistung pro Tag oder pro Monat leistet.

Weitere Vertrags­bedingungen (20 Prozent)

Wir haben weitere vertragliche Rege­lungen bewertet und dabei folgende Punkte berück­sichtigt. Sind einige dieser Bedingungen nicht im Vertrag enthalten, können sie oft gegen Mehr­beitrag zusätzlich vereinbart werden.

Dynamik. Bietet der Versicherer eine regel­mäßige Erhöhung des Tagegeldes an und ist das bis zu einer Alters­grenze, bis zum Eintritt von Pflegebedürftig­keit oder auch darüber hinaus möglich? Je weniger Einschränkungen es bei den regel­mäßigen Leistungs­anpassungen gibt, desto besser haben wir dies bewertet.

Sonderzahlung. Gewährt der Versicherer eine Sonderzahlung bei Erreichen eines Pfle­gegrades? Je nied­riger der Pfle­gegrad, ab dem die Sonderzahlung fällig wird, desto besser haben wir dies bewertet. Auch die Höhe der Extra­leistung haben wir dabei berück­sichtigt.

Warte­zeit. Laut Gesetz dürfen Versicherer regeln, dass die Kunden bis zu drei Jahre nach Abschluss des Vertrags noch keinen Anspruch auf Leistungen haben. Verzichten Versicherer auf diese Warte­zeit oder verkürzen sie, haben wir dies bei der Bewertung berück­sichtigt.

Nach­weis. Wie einfach machen es die Versicherer ihren Kunden die Pflegebedürftig­keit nach­zuweisen? Hält die Versicherung sich an die regel­mäßigen Fest­stel­lungen der Pflegekasse ohne zusätzliche Nach­weise zu verlangen, ist das am besten.

Klinik­aufenthalt. Muss jemand ins Kranken­haus, wird positiv bewertet, wenn der Versicherer für mindestens vier Wochen das Tagegeld weiter zahlt.

Sucht­krankheit. Gut in die Bewertung einge­flossen ist, wenn der Versicherer auch dann ein Pfleg­etagegeld zahlt, wenn die Pflegebedürftig­keit durch die Folgen einer Sucht­erkrankung ausgelöst wurde.

Ausland. Unkompliziert und positiv haben wir aufgeführt, wenn der Versicherungs­nehmer aus Deutsch­land wegzieht und die Versicherung ohne zusätzliche Vereinbarung welt­weit leistet.

Hilfe. Hier haben wir getestet, ob der Tarif eine Unterstüt­zung, zum Beispiel die Vermitt­lung eines Pfle­geheim­platzes, oder einen Zuschuss für die Einrichtung eines Haus­notrufsystems beinhaltet. Einige Angebote zahlen bis zu einem bestimmten Betrag sogar für Dienst­leistungen, etwa für einen fahr­baren Mittags­tisch.

Pfleg­etagegeld­versicherung im Vergleich

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axs am 06.01.2022 um 10:17 Uhr
Bald nicht mehr bezahlbar

Die Noten berücksichtigen u.a. die Höhe der Beiträge. Diese scheinen aber bei Weitem nicht mehr zu stimmen.
Beispiel Tarif "PflegePrivat Premium Plus": Dieser soll für 55-Jährige bei 45 Euro Tagegeld 89 Euro pro Monat kosten. Der Rechner weist aktuell (Januar 2022) stolze 116 Euro aus. Damit sollten die entsprechenden Bewertungen nicht mehr gültig sein.
Wie man anderen Kommentaren entnehmen kann, gab es in den letzten Jahren heftige Beitragsanpassungen bei den Pfleg­etagegeld­versicherungen, u.a. wegen der niedrigen Zinsen, aber sicherlich auch wegen der gestiegenen Ausgaben. Der Eigenanteil bei stationärer Pflege liegt im Durchschnitt bei über 2.000 Euro, Tendenz stark steigend. Für den anfangs genannten Tarif würde eine Absicherung als 55-Jähriger mit 70 Euro pro Tag 180 Euro pro Monat kosten.
Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet zuwenig. Die private Absicherung ist sehr teuer und in der Zukunft kaum noch bezahlbar. Das wäre ein Punkt, der näher betrachtet werden sollte.

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.09.2021 um 09:08 Uhr
Careflex Chemie

@kurzzeitadresse: Wir haben die Bedingungen der "Careflex Chemie" noch nicht unter die Lupe genommen. Als wir das letzte Mal die Pflegetagegeldtarife unter die Lupe genommen haben, gab es diese noch nicht. Liegen Ihnen bereits die konkreten Bedingungen vor? Dann können Sie uns diese gern zusenden: finanztest@stiftung-warentest.de

kurzzeitadresse am 21.09.2021 um 15:16 Uhr
Private Pflegezusatzversicherung durch Konsortien

Wie werden von Stiftung Warentest arbeitgeberfinanzierte private Pflegezusatzversicherungen gesehen?
Zurzeit ist mir nur die "Careflex Chemie" bekannt (Konsortium aus R+V und Barmenia / die DFV ist kurz vor dem Start ausgeschieden und bleibt als Rückversicherer erhalten.), in denen die tariflich angestellten Mitarbeiter der Chemie-Branche automatisch seit m.W. Juli 2021 versichert sind. Die Beiträge übernimmt der Arbeitgeber bis zum Ausscheiden des Mitarbeiters in die Rente oder bei Branchenwechsel, danach muss der Mitarbeiter die Beiträge selbst finanzieren. Zurzeit liegt der "Start"-Beitrag altersunabhängig bei moderaten 33,65€/Monat, allerdings greift irgendwann eine Dynamik zur Beitragsanpassung. Zudem gibt es die Möglichkeit, Familienmitglieder durch einen Versicherungsbeitrag privat mitzuversichern.
Sind diese Modelle der Stiftung Warentest bekannt und was ist von diesen Modellen zu halten?

mani7203 am 26.05.2021 um 23:13 Uhr
Pflegeversicherung DKV

Ich habe bei der DKV für mich und meine Frau eine Pflegeversicherung.
Die neuesten Beitragsänderungen von meiner Pflegeversicherung,für 2021 für mich und meine Frau erhalten.
Die Beitragserhöhungen sind für mich nicht nachvollziehbar und irgendwann auch nicht mehr bezahlbar.
Ich frage mich wirklich wer soll das auf Dauer bezahlen?
Wer kann das bezahlen?
Abgeschlossen habe ich die Pflegeversicherung 2009. Beitrag 86,58 €/Monat.
Die erste große Beitragserhöhung war 2017.
Beitragserhöhung von 2017 auf 2018 waren 56%
Beitragserhöhung von 2018 auf 2019 waren 17%
Beitragserhöhung von 2019 auf 2020 waren 28%
Beitragserhöhung von 2020 auf 2021 waren 20%
Beitragserhöhung von 2017 auf 2021 waren 180%
Das bedeutet dass der Beitrag von 2017 bis 2021 auf das 2,8 Fache gestiegen ist.
In 2021 soll ich jetzt einen Gesamtbetrag von 247,50 €/Monat zahlen. Das macht eine Jahressumme von 2970,00 €.
Wer soll und kann das weiter bezahltgen. In 2025 wären das dann 8316 €/Jahr.

hjwilhelmy am 26.05.2021 um 21:55 Uhr
Beitrgserhöhungen der DKV in der PET

Meine Erfahrungen mit der DKV-PET
Nachdem die DKV mit dem Pflegeversicherungstarif PET mehrfach in FinanzTest überdurchschnittlich abgeschlossen hatte, habe ich für mich vor einigen Jahren für eine Pflegezusatzversicherung entschieden.
Hier meine Erfahrungen zu dem Thema Beitragserhöhungen:
2017 + 18,35 %
2020 + 29,90 %
2021 + 29,88 %
Insgesamt eine Beitragserhöhung in 4 Jahren von ca.100 %.
Die Leistungsausgaben in gesetzlichen Pflegeversicherung sind in dem Zeitraum von 12/2016 bis 12/2019, laut dem Bericht in der Finanaztestausgabe 03/2021, aber nur von 29,95 auf 42,27 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen d.h. um ca. 42 %.