Pflege Test

Private Pflege­policen sind nicht für alle sinn­voll. Nur wer die Beiträge lebens­lang aufbringen kann, hat etwas davon. Unser Test von Pfleg­etagegeld- und Pflege­kosten-Tarifen zeigt, welche Policen für wen empfehlens­wert sind. Wir erklären die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Pflege­zusatz­versicherungen und sagen, für wen sich welche eignet – und ab wann man sie abschließen sollte. Im Test: 31 Pfleg­etagegeld­tarife und 4 Pflege­kosten­tarife.

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TestPflege17.10.2017
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Recht­zeitig fürs Alter vorsorgen

„Ich will für mein Alter vorsorgen, solange ich noch geistig und körperlich fit bin. Jetzt scheint mir ein guter Moment dafür zu sein“, meint die 54-jährige Uschi Saur aus Stutt­gart. Die Finanztest-Leserin hat die Umstellung von Pfle­gestufen auf Pfle­gegrade abge­wartet und will jetzt eine private Pflege­zusatz­versicherung abschließen. „Mein Vater war in einem Pfle­geheim“, erzählt sie. „Für uns Angehörige war es eine große Entlastung, dass er genügend Erspartes und eine gute Rente hatte, sodass es von der finanziellen Seite her kein Problem gab. Sich um jemanden zu kümmern, ist ja schon anstrengend genug.“ Obwohl sie selbst als Angestellte im öffent­lichen Dienst kein schlechtes Einkommen hat, wird sie im Alter nicht so gut dastehen wie ihr Vater.

Bei vielen Pflegebedürftigen reicht das Geld nicht

Schon im Jahr 2015 reichten gesetzliche Pflege­versicherung, Rente und Vermögen bei etwa jedem vierten Pflegebedürftigen nicht, um die Kosten zu decken. Rund 450 000 Menschen beantragten „Hilfe zur Pflege“ beim Sozial­amt. Diese Vorstellung ist vielen unangenehm. Wer nicht auf Angehörige oder den Staat angewiesen sein und sich seine selbst­bestimmte Lebens­weise auch im Pflegefall möglichst erhalten will, braucht Geld. Das kann aus einer privaten Pflege­zusatz­versicherung kommen. Private Kranken­versicherer bieten zweierlei Typen an.

Pflegetarife im Test

Pfleg­etagegeld­versicherung. Hier erhalten Versicherte je nach Pfle­gegrad Geld, über das sie frei verfügen können. Wir haben 31 Angebote untersucht und Qualitäts­urteile von sehr gut bis ausreichend vergeben.

Pflege­kosten­versicherung. Diese Angebote sind vor allem geeignet, wenn man vorhat, sich von professionellen Kräften pflegen zu lassen. Vier Tarife haben wir hier untersucht.

Noch mehr Tests und Tipps. Für 5 Euro erhalten Sie unser 73-seitiges Themenpaket Pflege und Versicherung. Es enthält viele Tests und Tipps zur Finanzierung im Pflegefall, darunter auch den aktuellen Test zur Pflege­zusatz­versicherung.

Für wen die Versicherung geeignet ist

Gut über­legen. Bevor Interes­sierte sich auf die Suche nach dem besten Angebot machen, sollten sie sich über­legen, ob diese Art der Absicherung über­haupt für sie infrage kommt. Denn Kunden müssen die Beiträge immer weiter zahlen – oft sogar, wenn sie pflegebedürftig sind. Sie können bei manchen Versicherern allenfalls vorüber­gehend aussetzen, zum Beispiel bei Arbeits­losig­keit oder einem Auslands­auf­enthalt. Wer aber die Beiträge gar nicht mehr aufbringen kann und kündigen muss, verliert den Versicherungs­schutz und bekommt vom einge­zahlten Geld nichts zurück.

Sicheres Einkommen. Für unsere Modell­kunden, die sich mit 55 Jahren versichern, haben wir Angebote untersucht, die aktuell ungefähr 87 Euro im Monat kosten. Die Beiträge werden im Lauf der Jahre weiter steigen (Beitragsentwicklung). Eine Pflege­police ist also nur dann sinn­voll, wenn jemand wie Uschi Saur ein lang­fristig sicheres und ausreichend hohes Einkommen hat. In solchen Fällen ist eine zusätzliche Absicherung für den Pflegefall zu empfehlen. Denn Pflege ist teuer. Selbst wenn sich jemand eine private Alters­vorsorge von etwa 100 000 Euro zusammen­gespart hat, kommt er damit nur gut drei Jahre lang aus, falls er beispiels­weise 2 500 Euro im Monat für eine 24-Stunden-Betreuungs­kraft braucht.

Wer die Versicherung nicht unbe­dingt braucht

Manche Leute sind aber auch „zu reich“ für eine Pflege­zusatz­versicherung: Wer zum Beispiel ein Mehr­familien­haus besitzt, kann die Miet­einnahmen für die Pflege verwenden, die eigene Wohnung barrierefrei umbauen und gleich die Unterkunft für eine 24-Stunden-Betreuungs­kraft einplanen. Selbst ein Umzug in ein teures Pfle­geheim wäre dann finanzier­bar. Eine Pflege­zusatz­versicherung würde nur dafür sorgen, dass mehr für die Erben bleibt.

Alle Pfle­gegrade absichern

Etwa vier Fünftel der seit Anfang 2017 neu einge­stuften Pflegebedürftigen werden derzeit zu Hause versorgt, rund 85 Prozent von ihnen in den Pfle­gegraden 1 bis 3. Wer gut versorgt wird, kann in dieser Situation etliche Jahre leben und kommt möglicher­weise nur für die letzten Lebens­monate in einen höheren Pfle­gegrad. Eine solche Statistik sagt zwar nicht die eigene Zukunft voraus, trotzdem ist es klug, für die häufigsten Fälle vorzusorgen. Das heißt: Eine private Pflege­zusatz­versicherung sollte ausreichende Leistungen für die unteren Pfle­gegrade vorsehen. Da die meisten Menschen zu Hause versorgt werden, sollte in allen Graden für ambulante Pflege genug Geld da sein.

„Hoch­risiko­policen“ sind güns­tiger, bieten aber erst spät Schutz

Manche Versicherer bieten „Hoch­risiko­policen“ an, die nur für die Pfle­gegrade 4 und 5 oder ausschließ­lich für die voll­stationäre Pflege Leistungen vorsehen. Sie kosten deutlich weniger. Dafür fehlt aber die Möglich­keit, sich eine bessere Versorgung zu erkaufen, genau in den Pfle­gegraden, in denen viele Pflegebedürftige die längste Zeit verbringen.

In welchem Alter abschließen?

Mit 45? Für unsere 45-jährigen Modell­kunden kostet sowohl die Pfleg­etagegeld- als auch die Pflege­kosten­versicherung etwa 30 Euro weniger im Monat als beim Abschluss mit 55 Jahren.

Mit 30? Wer sich bereits mit Mitte 30 versichert, zahlt entsprechend noch weniger. Trotzdem ist es nicht zu empfehlen, die Versicherung bereits so früh abzu­schließen. Zum einen brauchen Menschen in diesem Alter ihr Geld für andere Dinge wie die Absicherung gegen Berufs­unfähigkeit und den Aufbau einer privaten Alters­vorsorge. Außerdem lässt sich das Leben nicht auf 40 oder 50 Jahre voraus­planen – beruflich, familiär und gesell­schaftlich kann sich in einer so langen Zeit vieles ändern. In der Summe zahlt jemand, der mit Mitte 30 abschließt, möglicher­weise nicht weniger als jemand, der mit Mitte 50 abschließt und dann für kürzere Zeit höhere Beiträge zahlt.

Mit 55? Mitte 50, also etwa Uschi Saurs Alter, ist also günstig, um in die Pflege­vorsorge einzusteigen. Wer schon vorher eine solide und plan­bare Einkommens­situation hat, etwa als Beamter, braucht nicht so lange abzu­warten. Die Versicherer stellen im Antrag Gesund­heits­fragen und können Kunden mit Vorerkrankungen ablehnen. Finanztest-Leser Roland Meier* leidet beispiels­weise an Rheuma. Obwohl er medikamentös gut einge­stellt und nur ein Gelenk betroffen ist, lehnten sämtliche Versicherer, bei denen er es probierte, seine Anträge ab.

Mit 65? Für 65-Jährige und Ältere dürfte es selbst bei perfekter Gesundheit schwierig werden, einen Vertrag zu bekommen. Oft prüfen Versicherer ab einem bestimmten Höchst­alter besonders kritisch oder lehnen gleich ab. So wurde ein Finanztest-Leser mit Rheuma über­all abge­wiesen.

Wer kein Geld hat, sorgt besser anders vor

Günter Petzoldt (59), Kranken­pfleger aus der fränkischen Stadt Hof, hat keine Pflege­zusatz­versicherung abge­schlossen: „Mein Einkommen ist aber eher begrenzt, die Rente wird es erst recht sein.“ Es ist schon absehbar, dass die Beiträge für eine private Zusatz­versicherung für ihn im Alter zu hoch sind. Trotzdem möchte er im Pflegefall „halb­wegs anständig“ versorgt werden – so lange wie möglich zu Hause und „natürlich durch qualifiziertes Personal.“ Petzold könnte sich ein Mehr­generationen­haus vorstellen und hofft, dass auch in ländlichen Regionen mehr solcher Projekte entstehen.

Pflege-Bahr ist nicht empfehlens­wert

Die staatlich geförderte private Pflege­vorsorge, der „Pflege-Bahr“, ist weder für ihn noch für Uschi Saur attraktiv. Ende 2016 existierten rund 777 000 dieser mit 5 Euro im Monat geförderten Verträge, die privaten Kranken­versicherer erhielten im vergangenen Jahr also rund 47 Millionen Euro staatliche Zuschüsse. Für die Kunden macht der Zuschuss die Nachteile des Angebots jedoch nicht wett.

  • Die Versorgungs­lücke in den häufigsten Pfle­gegraden 1 bis 3 kann man mit einem solchen Tarif nicht decken.
  • Die Beiträge sind relativ hoch und auch im Fall von Pflegebedürftig­keit immer weiter zu zahlen. Das Risiko ist groß, dass Versicherte im Pflegefall „draufzahlen“, weil der Beitrag dann höher sein kann als die Leistungen.
  • Das Sozial­amt rechnet nach aktueller Regelung im Pflegefall die Leistungen an und zahlt entsprechend weniger Grund­sicherung oder Hilfe zur Pflege – wie bei anderen Pflege­zusatz­versicherungen auch.
  • Nach Vertrags­schluss ist oft keine Erhöhung der Leistung (Dynamik) möglich.
  • Einziger Vorteil: Die Versicherer dürfen hier niemanden wegen Krankheit ablehnen. Das bedeutet aber auch, dass die Beiträge in Pflege-Bahr-Tarifen stärker steigen könnten als in anderen Pfleg­etagegeld­tarifen, weil die Versicherten ein höheres Pflegefall­risiko haben.

Selbst für chro­nisch Kranke ist also zweifelhaft, ob ihnen dieses Produkt nützt.

* Name von der Redak­tion geändert.

Unser Rat

Einkommen. Schließen Sie eine private Pflege­zusatz­versicherung nur dann ab, wenn Sie ganz sicher sind, dass Sie die hohen und in Zukunft weiter steigenden Beiträge auch im Renten­alter immer zahlen können. Wenn Sie die Beiträge irgend­wann nicht mehr aufbringen, verlieren Sie den Versicherungs­schutz und das einge­zahlte Geld.

Zeit­punkt. Mit Anfang, Mitte 50 ist ein guter Moment, um eine Pflege­zusatz­versicherung abzu­schließen. Falls Ihre berufliche Situation jedoch bereits mit Mitte 40 lang­fristig gesichert ist, zögern Sie den Abschluss nicht hinaus. Sie zahlen dann nied­rigere Beiträge und riskieren nicht, später wegen Erkrankungen abge­lehnt zu werden.

Pfleg­etagegeld. Bei diesen Policen erhalten Sie frei verfügbare Geld­beträge. Die können Sie etwa Angehörigen oder Freunden geben, wenn diese Ihnen helfen – oder Sie engagieren einen ambulanten Pflege­dienst. So können Sie eventuell länger zu Hause wohnen bleiben.

Pflege­kosten­tarife. Pflege­kosten­versicherungen verdoppeln oft die Leistungen der gesetzlichen Versicherung. Das nützt Ihnen am meisten für professionelle Pflege, weniger für privat organisierte Hilfe. Bei manchen Anbietern müssen Sie jeden Monat die Rechnungen zur Erstattung einreichen.

Pflege-Bahr. Die staatlich geförderte private Pflege­zusatz­versicherung empfehlen wir nicht. Sie ist verhält­nismäßig teuer und schließt die Versorgungs­lücke nicht.

Alte Verträge. Hatten Sie schon vor 2017 einen Vertrag? Anhand der von uns definierten Versorgungs­lücke (siehe „So haben wir getestet“) können Sie einschätzen, ob Sie ausreichend abge­sichert sind. Fragen Sie beim Versicherer, ob Sie ohne neue Gesund­heits­prüfung aufstocken können.

Nutzer­kommentare, die vor dem 17. Oktober 2017 gepostet wurden, beziehen sich noch auf die Vorgänger-Unter­suchung aus Finanztest 5/2015.

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