Zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse und den Pflegekosten klafft eine große Lücke. Da hilft eine Pflegezusatzversicherung.

Pflegebedürftig? Das passiert nicht nur im Alter: 42 Jahre war der PC-Spezialist Stefan Albers, als bei ihm ein Tumor diagnostiziert wurde. Nach mehreren Operationen wurde der Familienvater zum Pflegefall. Nun versorgt ihn seine Frau zu Hause. Doch Haushalt, Beruf, der fünfjährige Sohn und die Pflege sind zu viel – vor allem finan­ziell: Die Familie hatte sich nicht gegen Pflegebedürftigkeit versichert. Und was die gesetzliche Versicherung zahlt, reicht hinten und vorn nicht (siehe Tabelle „Große Lücke“).

Wie Familie Albers gehen die meisten Menschen das Thema Pflege erst an, wenn sie über 50 Jahre sind. Verständlich, denn die meisten Patienten werden erst im hohen Alter pflegebedürftig: Unter den 80- bis 84-Jährigen sind es 20 Prozent, unter den über 90-Jährigen mehr als die Hälfte. Wer sich dagegen finanziell absichern möchte, sollte das früh tun. Denn je älter der Kunde bei Vertragsschluss ist, desto höhere Beiträge muss er zahlen. Außerdem nehmen die Versicherer Zuschläge für Vorerkrankungen oder lehnen Risikofälle ab. Ein 43-Jähriger müsste für eine günstige Pflegetagegeldpolice, die die von uns geschätzten Restkosten im Pflegeheim deckt (je nach Pflegestufe, siehe Tabelle), etwa 20 Euro im Monat aufbringen, eine gleichaltrige Frau etwa 30 Euro. Dagegen müsste ein 53-jähriger Neukunde 36 bis 38 Euro zahlen, eine Frau um die 50 Euro. Für einen 63-Jährigen sind es bis zu 100 Euro, für Frauen bis 150 Euro – wobei einige Gesellschaften Interessenten im Alter ab 55 Jahren absagen.

Bisher haben etwa 760 000 Menschen eine Pflegepolice abgeschlossen. Private Pflegepolicen gibt es in zwei Varianten: Pflege­tagegeld- oder Pflegekostentarif.

Pflegetagegeld

Beim Tagegeld wird eine feste Summe ­vereinbart, die der Patient zur freien Verfü­gung hat – auch wenn die Kassenleistungen eigentlich reichen und gar keine Restkosten bleiben. Dies ist meistens die bessere Wahl. Denn so kann jeder selbst entscheiden, wofür er das Geld nutzt: ob für Pflege im Heim, zu Hause, in einer Wohngemeinschaft, ob durch Angehörige oder Pflegedienste. Der Versicherte kann das Geld auch dafür einsetzen, dass eine Nachbarin für ihn mitkocht, die Blumen pflegt oder den Hund ausführt. Einige wenige Tarife zahlen aber bei Heimpflege mehr als bei häuslicher Pflege. Viele Gesellschaften begrenzen das Tagegeld auf 60 oder 80 Euro pro Tag. Wer mehr will, muss dann doch einen Pflegekostentarif nehmen. Und: Das volle Tagegeld gibt es oft erst in Pflegestufe III. Für Stufe II werden in der Regel 60 bis 70 Prozent des vereinbarten Tagegelds gezahlt, in der Pflegestufe I gar nur 20 bis 50 Prozent.

Pflegekostenpolice

Eine Pflegekostenversicherung stockt die gesetzlichen Leistungen um einen Prozentsatz auf, der bei Vertragsschluss festgelegt wird. Diese feste Bindung an den Kassensatz kann sich nachteilig auswirken: Sind die Leistungen der gesetzlichen Kasse gering, zahlt auch die private Versicherung wenig. Und angesichts der Finanzprobleme der Kassen sind künftige Leistungsanhebungen fraglich. Die heutigen Sätze sind noch dieselben wie bei Einführung der Pflegeversicherung 1995.

Andere Tarife übernehmen die Restkosten bis zu einer Höchstgrenze. Bleibt dann immer noch eine Lücke, muss der Versi­cherte sie aus eigener Tasche füllen. Eine Besonderheit bietet die Mannheimer: Sie trägt 80 Prozent der Restkosten ohne Ober­grenze. Das ist vorteilhaft, wenn die spätere Pflege sehr teuer wird.

Generell kommen Kostentarife nur für nachgewiesene Kosten auf, zum Beispiel durch Rechnung eines Heimes oder eines Pflegedienstes nachgewiesen. Dazu zählen nur die Leistungen, die im Katalog der gesetzlichen Pfle­geversicherung stehen. Unterkunft und Verpflegung werden in der Regel nicht erstattet. Ausnahme: LKH und Axa zahlen unabhängig von den nachgewiesenen Kosten.

Lässt sich der Versicherte von seinen Angehörigen oder Freunden pflegen, gibt es weniger als bei professioneller Pflege. Wir halten diese Tarife dann für sinnvoll, wenn später eine professionelle Betreuung gewünscht wird, egal ob im Heim oder durch Pflegedienste zu Hause.

Darüber hinaus gibt es Restkostentarife, die 80 Prozent der Restkosten zahlen – also der Lücke, die nach dem Geld von der Pflegekasse bleibt. Die übrigen 20 Prozent muss der Versicherte selbst aufbringen. Diese Tarife machen Sinn, wenn sehr hohe Kosten entstehen, zum Beispiel wenn der Versicherte später einmal in ein eher teures Heim möchte.

Wie hoch versichern?

Die Höhe des notwendigen Versicherungsschutzes einzuschätzen, ist schwer. Wir haben anhand der heutigen Durchschnittskosten für stationäre und häusliche Pflege die künftigen Restkosten geschätzt, die nach Abzug der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bleiben (siehe Tabelle „Große Lücke“). Da mit Preissteigerungen zu rechnen ist, haben wir einen 30-prozentigen Aufschlag hinzuge­rechnet.

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Test Vergleich Pflegezusatzversicherungen.

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