Wann darf die Versicherung teurer werden?

Eigentlich müsste der Beitrag eines korrekt kalkulierten Krankenversicherungstarifs über die gesamte Laufzeit konstant bleiben. Nach bestimmten Regeln darf er aber doch steigen.

Nur weil mit dem Alter das Krankheitsrisiko der Versicherten steigt, dürfen die Versicherungsprämien nicht erhöht werden. Ein Tarif muss von Anfang an so kalkuliert sein, dass die Summe der bis zum Lebensende eingezahlten Beiträge den Kosten aller im Lauf der Zeit in Anspruch genommenen Leistungen entspricht (Äquivalenzprinzip).

So weit die Theorie. In der Praxis bringen zwei Faktoren das Gleichgewicht zwischen Beiträgen und Heilkosten ins Wanken. Zum einen erhöht sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Bundesbürger immer weiter. Zum anderen führt der medizinische Fortschritt dazu, dass Versicherte immer mehr und immer teurere Leistungen in Anspruch nehmen.

Kassensturz einmal im Jahr

Übersteigen auf Dauer die Ausgaben für Behandlungen die ursprünglichen Annahmen, dann erlaubt das Versicherungsvertragsgesetz, die Prämien für bestehende Verträge zu erhöhen. Denn kündigen dürfen die Krankenversicherer ihren Kunden nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass ein unabhängiger Treuhänder der Erhöhung zugestimmt hat. Angehoben werden dürfen neben den Beiträgen auch Risikozuschläge und Selbstbehalte.

Das Versicherungsaufsichtsgesetz verlangt, dass die Krankenversicherer ihre Tarife regelmäßig überprüfen: Mindestens einmal im Jahr müssen die tatsächlichen Aufwendungen mit den kalkulierten verglichen werden. Diese Gegenüberstellung müssen die Versicherer sowohl dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) in Bonn als auch einem unabhängigen Treuhänder vorlegen.

Liegen die tatsächlichen Aufwendungen um mehr als 10 Prozent über den kalkulierten, dann sind die Unternehmen verpflichtet, die Beiträge für den betreffenden Tarif zu erhöhen. In manchen Versicherungsbedingungen ist eine niedrigere Schwelle vereinbart, zum Beispiel 5 Prozent. Kunden mit solchen Tarifen müssen häufiger Anpassungen hinnehmen, dafür sind die Beitragssprünge weniger groß.

Treuhänder muss prüfen

Ob das Versicherungsunternehmen alle aufsichtsrechtlichen Vorschriften beachtet hat, muss ein unabhängiger Treuhänder überprüfen. Der Treuhänder ist ein Krankenversicherungsspezialist, der von dem jeweiligen Versicherungsunternehmen gegenüber dem BAV benannt wird. Er darf jedoch nicht wirtschaftlich abhängig von dem zu prüfenden Unternehmen sein.

Ihm müssen die Versicherer die Grundlagen ihrer Prämienkalkulation einschließlich sämtlicher dafür verwendeten Daten und mathematischen Formeln zur Verfügung stellen. Erst wenn der Treuhänder grünes Licht gibt, darf die Prämie erhöht werden. Stellt er hingegen fest, dass ein Tarif wider besseres Wissen von vornherein unzureichend kalkuliert war, dann ist eine Beitragsanpassung nicht rechtens. Dem BAV ist allerdings nicht bekannt, dass ein Treuhänder bereits einmal mit diesem Argument eine Prämienerhöhung gekippt hätte.

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