Finanzielle Notlage: Was tun, wenns brennt?

Sie sind privat kranken­versichert und haben Probleme, die Beiträge zu zahlen? Finanztest zeigt Schritt für Schritt, was Sie tun können.

Rück­kehr. Zurück in eine gesetzliche Kasse können Sie in der Regel nur, wenn Sie versicherungs­pflichtig werden und noch nicht 55 Jahre alt sind. Für Arbeitnehmer heißt das, dass sie nicht mehr als derzeit 4 462,50 Euro im Monat verdienen dürfen. Ab 55 ist die Rück­kehr nahezu ausgeschlossen. Mehr dazu im Special Krankenversicherung: Zurück in die gesetzliche Kasse.

Tarifwechsel. Versuchen Sie, bei Ihrem privaten Versicherer in einen güns­tigeren Tarif zu kommen. Das kann eine deutliche Beitrags­entlastung bringen, möglicher­weise sogar bei ähnlich guten Leistungen. Das Recht zum Wechsel haben Sie unabhängig von Ihrem Alter und Gesund­heits­zustand. Weitere Informationen erhalten Sie im Special Private Krankenversicherung: Den Tarif wechseln und sparen.

Leistungen reduzieren. Können Sie auf diese Weise nicht genug sparen, verzichten Sie auf Leistungen, die Ihnen nicht so wichtig sind. Vielleicht können Sie statt des Einbett­zimmers im Kranken­haus eine Unterbringung im Zweibett­zimmer akzeptieren oder in einen Tarif mit geringerer Erstattung für Zahn­ersatz wechseln.

Stan­dard­tarif. Wachsen Ihnen als Rentner die Beiträge dauer­haft über den Kopf und sind Sie schon mehr als zehn Jahre privat versichert? Dann fragen Sie Ihren Versicherer, ob der Stan­dard­tarif für Sie infrage kommt und wie viel Sie dort bezahlen müssten. Dieser branchen­einheitliche Tarif bietet Leistungen, die in etwa denen der gesetzlichen Kassen entsprechen. Durch einen Wechsel in den Stan­dard­tarif können viele Versicherte erheblich sparen. Im Durch­schnitt lag der Beitrag dafür im Jahr 2013 bei 283 Euro im Monat, lang­jährig Versicherte zahlen nach Angaben des Verbands der privaten Kranken­versicherung kaum mehr als 100 Euro. Der Tarif darf maximal so viel kosten wie der Höchst­beitrag in der gesetzlichen Kranken­versicherung, aktuell 627,75 Euro im Monat. So viel zahlten im Jahr 2013 aber nur 445 der 45 500 Versicherten im Stan­dard­tarif.

Basis­tarif. Der Basis­tarif ist die sehr viel teurere Auffang­lösung für alle, die ab 1. Januar 2009 in die private Kranken­versicherung einge­treten sind, denn sie dürfen später nicht mehr in den Stan­dard­tarif für Rentner. Der Basis­tarif ist auch für bislang Unver­sicherte und für Hilfebedürftige im Sinne des Sozial­rechts gedacht (ALG II, Grund­sicherung, Sozial­hilfe). Da die Versicherer Kunden mit Vorerkrankungen nicht ablehnen dürfen, sind die Krank­heits­kosten und damit die Beiträge relativ hoch. Allerdings dürfen die Versicherer auch im Basis­tarif nicht mehr als derzeit 627,75 Euro im Monat verlangen. Ist jemand auf Sozial­leistungen angewiesen, müssen die Versicherer den Beitrag halbieren. Das war 2013 bei fast 14 000 der rund 26 700 Versicherten der Fall.

Stundung. Sind Sie mit der Zahlung schon im Rück­stand, setzen Sie sich mit Ihrem Versicherer in Verbindung. Bei vorüber­gehenden Engpässen können Sie um Stundung bitten oder eine Ratenzahlung vereinbaren.

Mahnung. Spätestens, wenn Sie eine Mahnung erhalten, sollten Sie aktiv werden. Ab dann fallen Säum­niszuschläge sowie Mahn­kosten an. Wenn Sie zwei Monate nach der ersten Mahnung immer noch Beitrags­schulden haben, mahnt der Versicherer erneut und kündigt an, dass der Vertrag ruhend gestellt wird, wenn Sie nicht binnen eines Monats zahlen.

Notlagen­tarif. Ein Ruhen Ihres Vertrags bedeutet, dass Sie keinen Anspruch auf Leistungen haben. In dieser Zeit sind Sie im Notlagen­tarif versichert, der eine medizi­nische Versorgung zumindest für Notfälle und akute Krankheiten vorsieht. Sind Sie nur vorüber­gehend zahlungs­unfähig, können Sie später wieder in Ihren alten Vertrag zurück – sofern Sie restlos alle Altschulden beglichen haben.

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