Raus aus teuren Tarifen

Private Kranken­versicherung im Test Test

Wer erst seit 2009 privatversichert ist, kann leichter zu einem anderen Unternehmen wechseln. Alle anderen können zumindest ihren Vertrag beim alten Versicherer ändern.

Der Eintritt in die private Kranken­versicherung ist ein Bund fürs Leben. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kunden ihre Rechte kennen und sie nutzen, wenn sie unzufrieden sind.

In den vergangenen Jahren hat sich zumindest die Stellung neuer Kunden etwas verbessert: Alle, die ihren Vertrag ab dem 1. Januar 2009 geschlossen haben, dürfen einen Teil der für sie gebildeten Alterungs­rück­stellung mitnehmen, wenn sie zu einem anderen Versicherer wechseln.

Für die anderen hat es wenig Sinn, ihr Unternehmen zu verlassen. Sie müssten beim neuen Versicherer nicht nur die laufende Versorgung bezahlen, sondern auch die Rück­stel­lungen für die höheren Krank­heits­kosten im Alter komplett neu aufbauen. Das verteuert den Beitrag so sehr, dass sich ein Wechsel in den meisten Fällen gar nicht lohnt. Sie können aber möglicher­weise durch einen Tarifwechsel beim alten Versicherer Beiträge sparen.

Für wenige: Neuer Versicherer

Für Neukunden ab 2009 ist das höhere Eintritts­alter beim Wechsel kein so großes Hindernis mehr. Die Versicherer müssen ihnen nach einer Kündigung den Anteil der Alterungs­rück­stel­lungen mitgeben, die für Leistungen im Umfang des Basis­tarifs erforderlich sind. Finanzielle Notlagen: Was tun wenns brennt? Bei den Tarifen in unserem Test macht das etwa 40 bis 50 Prozent der bereits angesparten Rück­stellung aus. Dieses Geld reduziert den Beitrag beim neuen Versicherer und erleichtert es Versicherten so, die Notbremse zu ziehen, wenn sie sich schikaniert fühlen oder den Eindruck haben, dass ihr Unternehmen dramatisch steigende Beiträge nicht in den Griff bekommt.

Zu einem neuen Versicherer wechseln können aber nur Gesunde. Alle anderen werden kaum ein Unternehmen finden, das sie annimmt, oder der Beitrag wird durch einen Risiko­zuschlag so hoch, dass sich durch einen Wechsel nichts mehr sparen lässt. Schwierig­keiten haben selbst Menschen, die nicht akut krank sind, aber in der Vergangenheit zum Beispiel psycho­therapeutisch behandelt wurden.

Für alle: Tarifwechsel hilft sparen

Älteren Menschen, die oft bereits krank sind, nutzt die neue Freiheit also wenig. Sie müssen sich damit behelfen, bei ihrem eigenen Versicherer nach Alternativen zu suchen. Alle Versicherten haben das Recht, in einen anderen Tarif ihres Unter­nehmens zu wechseln, der die gleichen Leistungs­bereiche umfasst wie der bisherige Tarif, und zwar unabhängig davon, wie alt oder krank sie sind und wann sie den Vertrag abge­schlossen haben. Das ist oft eine gute Möglich­keit, Beiträge zu senken.

Die Kunden brauchen allerdings Ausdauer, denn die Unternehmen machen es ihnen nicht leicht, von ihrem Recht Gebrauch zu machen. Und sie liefern nicht immer voll­ständige Informationen. Es lohnt sich jedoch, hartnä­ckig zu bleiben.

Die meisten privat Versicherten haben noch einen Tarif, dessen Beiträge getrennt nach Männern und Frauen kalkuliert sind, einen sogenannten Bisex­tarif. Sie können in einen anderen Bisex­tarif ihres Versicherers wechseln oder in eines der neuen Unisex-Angebote mit gleichen Beiträgen für Frauen und Männer. Dann verlieren sie jedoch für immer das Recht, wieder in einen Bisex­tarif zurück­zukehren. Denn der Wechsel von einem Unisex- in einen Bisex­tarif ist nicht erlaubt.

Vorsicht beim Wechsel in Unisex

Damit wollte der Gesetz­geber verhindern, dass durch die Hintertür weiterhin Neukunden in Bisex­tarife hinein­kommen. Die Versicherer dürfen näm- lich seit dem 21. Dezember 2012 keine solchen Tarife mehr an Neukunden verkaufen. Doch Verbraucherschützer raten Wechs­lern zur Vorsicht mit Unisex.

Ihre Argumente: Zumindest in den nächsten Jahren werden noch sehr viel weniger Unisextarife als Bisex­tarife zur Auswahl stehen. Unisex bringt derzeit in der Regel auch nicht die von manchen erhoffte Beitrags­ersparnis für Frauen. Silke Möhring, die in der Verbraucherzentrale Hessen privat Versicherte berät, stellt fest: „Ich habe noch keinen Unisextarif gesehen, der preislich für eine Frau attraktiv wäre.“

Chance auf Stan­dard­tarif wahren

Auch Kunden, die nicht wegen des Beitrags, sondern wegen besserer Leistungen in einen der neuen Unisextarife umsteigen wollen, sollten wissen, dass sie damit ein Risiko eingehen. Sie versperren sich nämlich nicht nur den Rückweg in „normale“ Bisex­tarife, sondern auch in den Stan­dard­tarif. Sie können aber heute kaum wissen, ob sie diesen Notausgang nicht einmal brauchen.

Der Stan­dard­tarif ist ein branchen­einheitlicher Tarif für Rentner, denen die Beiträge zu hoch werden. Durch einen Wechsel in diesen Tarif reduzieren sich die Beiträge in der Regel erheblich. Der Stan­dard­tarif ist zur Zeit nur für Menschen zugäng­lich, die sich bereits vor dem 1. Januar 2009 privat versichert haben. Der Verband der Privaten Kranken­versicherung setzt sich dafür ein, dass der Gesetz­geber ihn wieder für alle Versicherten öffnet.

Dieser Artikel ist hilfreich. 196 Nutzer finden das hilfreich.