Wie gut sie versichert sind, wählen Kunden selbst. Von 107 Tarifen haben fünf ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Viele hundert verschiedene Tarif­angebote für eine private Kranken­versicherung stehen Neukunden heut­zutage offen. Der Tarifwirr­warr hat sich zwar seit der Umstellung auf Unisex im Jahr 2013 verringert. Über­sicht­licher ist es für Laien dennoch nicht geworden. Bei vielen privaten Versicherern setzt sich der Vertrag nach dem Baukastenprinzip aus mehreren Bestand­teilen zusammen, die in unterschiedlichen Varianten erhältlich sind.

Wir haben im aktuellen Test nur die leistungs­stärksten Angebote verglichen, die unsere Mindestanforderungen erfüllen. Das waren für Beamte, Selbst­ständige und Angestellte zusammen immerhin 107 Tarife. Mit jedem dieser Angebote sichern sich Kunden deutlich höhere Leistungen als in der gesetzlichen Kranken­versicherung. Fünf Mal haben wir die Bestnote sehr gut für das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Tarifes vergeben, 29 Mal ein Gut.

Bei gleichem Leistungs­niveau gibt es gewaltige Beitrags­unterschiede: Unsere 35-jährigen Modell­kunden müssen zum Beispiel als Selbst­ständige für den güns­tigen Tarif VKSu der Provinzial Hannover 395 Euro im Monat bezahlen, bei einer Selbst­beteiligung von 900 Euro im Jahr. Das Schluss­licht in der Tabelle, ein Angebot der UKV, kostet 728 Euro im Monat. Hinzu kommt hier noch eine jähr­liche Selbst­beteiligung von 960 Euro. Beide Angebote haben in der Tabellenspalte „Leistungs­niveau“ den Buch­staben C erhalten. Die Buch­staben A bis C zeigen, wie umfang­reich die Tarif­leistungen sind.

Drei Bausteine braucht jeder

Die wichtigsten Tarif­bausteine für alle Versicherten sind der Ambulant-, der Stationär- und der Zahn­tarif. Selbst­ständige und Arbeitnehmer brauchen außerdem ein Kranken­tagegeld, das ihnen den Verdienst­ausfall bei Arbeits­unfähigkeit ersetzt.

Um einen umfassenden Versicherungs­schutz zu möglichst nied­rigen Beiträgen zu finden, können Beamte, Angestellte und Selbst­ständige sich an unsere Urteile in den Tabellen halten. Auch wenn jemand nicht wie unser Modell­kunde 35 Jahre alt ist, kann er sich an unserer Rang­folge orientieren.

Etwas aufwendiger ist die Suche für Kunden, die von ihrer Versicherung spezielle Leistungen wünschen, die in unseren Mindest­leistungen nicht enthalten sind. Trotz guter Note für das Preis-Leistungs-Verhältnis enthalten beispiels­weise der Tarif MediVita500 der Gothaer, der TarifA 75 der SDK und der Beamten­tarif der LKH keine Tarif­leistungen für Heilpraktikerbe­hand­lungen. Diese müssten gegebenenfalls noch gegen Aufpreis über einen Zusatz­baustein hinzuver­sichert werden.

Legt jemand Wert auf so ein Extra, kann er entweder eine größere Anzahl Angebote mit möglichst gutem Preis-Leistungs-Verhältnis einholen und die Bedingungen selbst prüfen. Oder er lässt sich diese Arbeit abnehmen und bestellt unsere individuelle Analyse.

Vorteile in der Arzt­praxis

Der Ambulant­tarif umfasst die Honorare für Behand­lungen und Unter­suchungen bei nieder­gelassenen Ärzten. Er ist aber auch für all das wichtig, was diese verschreiben, zum Beispiel Arznei­mittel.

Hier sind privat Versicherte generell im Vorteil. Die gesetzlichen Kassen bezahlen rezept­freie Medikamente wie zum Beispiel homöo­pathische Mittel, viele Salben und Erkältungs- und Schmerz­mittel bis auf wenige Ausnahmen nicht. Die privaten Versicherer erstatten die Kosten für solche Arzneien in der Regel, wenn ein Arzt sie dem Patienten verschreibt. Von den Tarifen mit gutem oder sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis erstatten nur die Beamten­tarife des Deutschen Rings und der LVM die Kosten für rezept­freie Medikamente in einigen Bundes­ländern nicht.

Psycho­therapie sehr wichtig

Millionen von Menschen erkranken jedes Jahr an Depressionen, Angst­störungen und anderen psychischen Leiden. Sie sind eine der Haupt­ursachen für lange Krank­heits­zeiten bis hin zur Berufs­unfähigkeit. Daher ist es wichtig, dass eine Behand­lung im erforderlichen Umfang erstattet wird.

Wir haben unsere Mindest­anforderungen gegen­über früheren Tests von 20 auf 50 Sitzungen im Jahr beim Psycho­therapeuten erhöht. Außerdem verlangen wir jetzt, dass die Versicherer nicht nur Behand­lungen bei Ärzten bezahlen, sondern auch bei psycho­logischen Psycho­therapeuten. Da es viel mehr Psycho­logen als Ärzte mit Ausbildung zum Psycho­therapeuten gibt, steigt so die Chance, schnell geeignete Hilfe zu finden.

Gut versorgt im Kranken­haus

Den größten Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient gibt es im Kranken­haus. Entscheidend ist dabei nicht die Unterbringung im Ein- oder Zweibett­zimmer, sondern der Anspruch, sich von Chef­ärzten behandeln zu lassen.

Die Chef­arzt­behand­lung bieten alle Tarife in unserem Test. Einige Versicherer über­nehmen zusätzlich besonders hohe Arzt­honorare im Kranken­haus. Für sehr schwierige Behand­lungen kann der Arzt mit dem Patienten nämlich eine spezielle Honorar­ver­einbarung schließen und dann mehr als den Höchst­satz verlangen, den die Gebühren­ordnung für Ärzte vorsieht.

Folgende Tarife mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis erstatten auch solch hohe Chef­arzt­honorare: Für Beamte sind dies die Angebote der Alten Oldenburger und der Universa; für Angestellte sind dies die Tarife Gothaer MediVita500, Inter QMP 600U, Signal Exklusiv1, Axa Vital 300-U und Deutscher Ring Esprit; für Selbst­ständige die Angebote Bayerische Beamten-Krankenkasse und UKV Tarif G 900S, HanseMerkur KVT1, Axa Vital 900-U, Deutscher Ring Esprit X, Inter QMP 600 U und SDK A75.

Das kann sinn­voll sein, falls jemand für den Fall einer seltenen oder komplizierten Erkrankung sicher­stellen will, dass er auch zu besonders teuren Spezialisten gehen kann, zum Beispiel zu einem Professor an einer Universitäts­klinik.

Schöne Zähne, teure Zähne

Private Kranken­versicherung im Test Test

Zahn­ersatz durch Kronen, Brücken oder Implantate kann etliche tausend Euro kosten. Neben den Honoraren der Zahn­ärzte fallen die Material- und Labor­kosten erheblich ins Gewicht. Sie machen oft die Hälfte bis zwei Drittel der Gesamt­rechnung aus.

Wer für Zahn­ersatz eine hohe Absicherung wünscht, sollte darauf achten, dass der Versicherer sich an diesen Kosten mit möglichst wenig Einschränkungen beteiligt. Implantate sind in allen sehr guten und guten Tarifen im Test enthalten.

Geld bei langer Krankheit

Beamte haben auch bei lang andauernder Krankheit keine Einkommens­einbußen. Arbeitnehmer hingegen erhalten nur für sechs Wochen weiter ihren Lohn. Für die Zeit danach benötigen sie Kranken­tagegeld.

Selbst­ständige sollten sich über­legen, wie viel Zeit sie ohne Einkünfte über­brücken können, da sie schon gleich vom ersten Krank­heits­tag an Einbußen haben. In dem Test gehen wir von einem Kranken­tagegeld ab dem 29. Tag aus.

Zusatz­schutz für Beamte

Für Beamte über­nimmt zwar der Dienst­herr einen Teil der Heil­kosten. Allerdings wurden die Leistungen der Beihilfe in den letzten Jahren stark einge­schränkt. So werden Bundes­beamten nur noch die Kosten für verschreibungs­pflichtige Medikamente erstattet und an Material- und Labor­kosten für Inlays und Zahn­ersatz beteiligt sich die Beihilfe nur in geringem Umfang.

Wer als Beamter solche und weitere sogenannte Beihilfelü­cken schließen möchte, kann bei seinem Kranken­versicherer zusätzlich einen Beihilfe­ergän­zungs­tarif abschließen.

Ehrlich sein bei Gesund­heits­fragen

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Ist die sorgfältige Auswahl der Tarife getroffen, geht es an den Versicherungs­antrag. Kunden müssen darin viele Fragen beant­worten. Die Unternehmen dürfen nämlich kranke Interes­senten ablehnen, Risiko­zuschläge von ihnen verlangen oder die Behand­lung bestimmter Krankheiten vom Versicherungs­schutz ausschließen.

Welche Krankheit zu einer Ablehnung führt oder wie viel Zuschlag Kunden bezahlen müssen, ist von Versicherer zu Versicherer sehr unterschiedlich. Die Unternehmen halten ihre Kriterien geheim.

Wer Vorerkrankungen hat, sollte deshalb bei mehreren Gesell­schaften gleich­zeitig Angebote einholen. Krankheiten zu verschweigen ist dagegen keine Lösung. Denn die Antrag­steller müssen dem Versicherer das Recht einräumen, bei behandelnden Ärzten nach­zuforschen.

Selbst wenn jemand nur versehentlich eine Krank­schreibung oder eine Behand­lung nicht angegeben hat, kann der Versicherer noch nach­träglich Risiko­zuschläge fest­setzen, Leistungen aus dem Vertrag ausschließen oder den Vertrag sogar rück­wirkend auflösen. Unter Umständen muss der Kunde dann bereits erhaltene Leistungen zurück­zahlen.

Viele Kunden lassen sich von einem Profi helfen, zum Beispiel einem Versicherungs­makler. Sie dürfen jedoch nicht darauf vertrauen, dass dieser alles richtig macht. Der Bundes­gerichts­hof hat geur­teilt, dass Kunden sich „arglistiges Verhalten des Maklers zurechnen lassen“ müssen (Az. IV ZR 306/13). Die Gesell­schaft war vom Vertrag zurück­getreten, weil der Versicherungs­makler Falsch­angaben gemacht hatte.

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