Neu Versicherte in der privaten Krankenversicherung zahlen seit Jahresbeginn einen zehnprozentigen Zuschlag auf ihre Prämie.

Zwei Jahre lang debattierte die vom Bundestag eingesetzte unabhängige Expertenkommission das Problem der im Alter steigenden Beiträge in der privaten Krankenversicherung, bis sie 1996 ihre Ergebnisse vorlegte. Die von den Sachverständigen geschätzten Beitragssteigerungen im Alter waren schockierend. Die Ergebnisse der Kommission blieben dennoch zunächst ohne Wirkung.

Zum Jahresbeginn 2000 hat die Bundesregierung aus den Erkenntnissen der Fachleute Konsequenzen gezogen und Maßnahmen für die Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung (PKV) ins Gesetz geschrieben: Versicherer müssen ihren Kunden jetzt 10 Prozent mehr Geld abnehmen. Der Aufschlag fließt in eine zusätzliche Alterungsrückstellung und soll vermeiden, dass die Prämien für privat Versicherte im Alter unbezahlbar werden.

Ein Teil des Beitrags in der privaten Krankenversicherung wurde auch bisher schon für das Alter gespart. Die Höhe dieser so genannten Alterungsrückstellung hängt vom Alter und Geschlecht des Versicherten und vom Tarif ab. Nach Ansicht der jetzigen Bundesregierung reichen die bisherigen Rücklagen aber nicht aus.

Der jetzt zusätzlich erhobene Zuschlag von 10 Prozent erforderte eine Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG). Das Bundesfinanzministerium hatte sie Ende 1999 auf den Weg gebracht. Die Novelle wurde gleichzeitig mit der Gesundheitsreform 2000 verabschiedet.

Im Vorfeld wehrten sich die Versicherer heftig, inzwischen sind aber auch andere Töne zu hören: "Der Beitragszuschlag wäre nicht unbedingt notwendig gewesen. Aber jetzt, wo er da ist, ist das Thema steigende Beiträge im Alter endgültig vom Tisch", sagt Isabella Osterbrink vom Verband der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) in Köln.

Zunächst nur Neuverträge

Der Zuschlag gilt nur für die private Vollversicherung, die die gesetzliche Krankenversicherung ersetzen kann, nicht jedoch für Krankenzusatzversicherungen. Außerdem wird er zunächst nur bei Neukunden erhoben, die älter als 20 Jahre sind.

Die Versicherten zahlen den Zuschlag bis zum 60. Lebensjahr. Dann ruht das bis dahin angesparte Kapital fünf Jahre lang und wird weiter verzinst, bis es ab 65 Jahren stetig zur Prämienminderung ausgegeben wird.

Für bestehende Verträge verzögert sich die Zuschlagsregelung. Die Einführung wird über fünf Jahre in Zwei-Prozent-Schritten, beginnend 2001, gestreckt. Altkunden können der Erhöhung widersprechen.

Das Widerspruchsrecht berücksichtigt nach Angaben von Wolfgang Sommer, Regierungsdirektor im Grundsatzreferat Krankenversicherung beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) in Berlin, dass Kunden bereits Geld für ihren steigenden Beitrag im Alter zurückgelegt haben könnten. "Aber natürlich ist es zu empfehlen, den Zuschlag zu bezahlen", sagt Sommer. Bei älteren Versicherten wirke er sich allerdings kaum beitragsmindernd aus. Sommer: "Wer Ende 50 ist, zahlt den Zuschlag eben nur noch zwei Jahre lang. Das reicht nicht weit."

Eine zusätzliche Maßnahme zur Beitragsstabilität im Alter ist die gesetzlich jetzt auf 90 Prozent festgelegte Überzinszuweisung. Dabei fließt ein bestimmter Anteil des aus den Beiträgen erzielten Kapitalertrags in die Alterungsrückstellung. Dies gilt für Erträge aus einer Verzinsung bis zu 3,5 Prozent vollständig. Was über diesem Sockel liegt, geht nun zu 90 Prozent statt wie bisher zu 80 Prozent in die Rücklage. Und die bisherige Obergrenze von insgesamt 6 Prozent wurde aufgehoben.

Das heißt, erwirtschaftet ein privater Krankenversicherer hohe Kapitalerträge, sind diese Mittel jetzt stärker als zuvor für die Alterungsrückstellung gebunden. Isabella Osterbrink vom PKV-Verband: "Wir hielten unsere alten Rechnungen für ausreichend. Die Neuregelung gibt uns weniger Handlungsspielraum, weil wir einfach mehr Geld in den Sparstrumpf stecken müssen."

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