Private Kranken­versicherung Special

Vielen Versicherten machen die Beiträge zur privaten Kranken­versicherung zu schaffen. Etliche über­legen deswegen, in die gesetzliche Kranken­versicherung zurück­zukehren. Bei einer Online-Umfrage der Stiftung Warentest gaben von rund 2 300 Teilnehmern mehr als 1 000 an, dass ­ihnen die Beiträge zur privaten Krankenver­sicherung bereits jetzt zu hoch sind – 1 600 befürchten, die Beiträge in Zukunft nicht mehr aufbringen zu können.

Freiwil­lige Versicherung nicht für jeden

Wer zurück in die gesetzliche Kasse möchte, muss jedoch bestimmte Regeln beachten. Es gibt zwar in der gesetzlichen Kranken­versiche­rung nicht nur Pflicht­mitglieder, sondern auch freiwil­lig Versicherte. Der freiwil­lige Beitritt ist jedoch nur möglich, wenn jemand zuvor schon gesetzlich versichert war, zum Beispiel über eine Pflicht­versicherung als Arbeitnehmer oder über die Familien­versicherung beim Ehepartner. In den meisten Fällen müssen Privatversicherte daher erst einmal wieder versicherungs­pflichtig werden. Ihren freiwil­ligen Beitritt müssen sie dann inner­halb von drei Monaten nach Ende der Versicherungs­pflicht bei der Kasse beantragen.

Ab 55. Lebens­jahr ist Rückweg versperrt

Arbeitnehmer haben es relativ leicht, versicherungs­pflichtig zu werden, sofern sie das 55. Lebens­jahr noch nicht erreicht haben: Sie müssen nur ihr Einkommen für ein Jahr unter die Versicherungs­pflicht­grenze von 50 850 Euro brutto im Jahr senken, das sind 4 237,50 Euro im Monat. Für diejenigen, die bereits am 31. Dezember 2002 privat versichert waren, gilt eine nied­rigere Grenze von 45 900 Euro brutto im Jahr. Ab dem 55. Geburts­tag sind die Regeln strenger, dann kommen selbst Gering­verdiener oder Arbeits­lose nur noch in wenigen Ausnahme­fällen in die gesetzliche Kranken­versicherung zurück.

Arbeitnehmer müssen Einkommen senken

Ihr Einkommen können Angestellte auf verschiedene Weise senken. Sie können beispiels­weise für ein Jahr ihre Arbeits­zeit reduzieren. In dieser Zeit sinkt allerdings nicht nur das Einkommen, auch die späteren Renten­ansprüche sind betroffen. Wenn der Arbeit­geber ein Arbeits­zeit­konto anbietet und offen für flexible Lösungen ist, können Arbeitnehmer ihr Gehalt auch reduzieren, indem sie ein Wert­guthaben aufbauen, aus dem sie später zum Beispiel ein Sabbat­jahr finanzieren. Sie arbeiten also quasi vor, erhalten aber nur einen Teil ihres Lohns. Der andere Teil fließt in das Guthaben und zählt erst dann als Einkommen, wenn es ausgezahlt wird.

Selbst­ständige haben es schwerer

Noch schwerer als Arbeitnehmer haben es Selbst­ständige. Sie werden unter keinen Umständen versicherungs­pflichtig, so lange sie haupt­beruflich selbst­ständig sind. Auch eine Familien­versicherung beim gesetzlich versicherten Ehe- oder Lebens­partner ist ihnen nicht erlaubt. Der einzige Ausweg ist für sie, die haupt­berufliche Selbst­ständig­keit für mindestens zwölf Monate aufzugeben und sich ein versicherungs­pflichtiges Beschäftigungs­verhältnis zu suchen – und das vor dem 55. Geburts­tag.

Minijob reicht nicht

Selbst wenn jemand seine haupt­berufliche Selbst­ständig­keit aufgibt, wird er nicht in jedem Job versicherungs­pflichtig. Eine gering­fügige Beschäftigung (Minijob) reicht zum Beispiel nicht aus. Außerdem muss dieses Beschäftigungs­verhältnis dann für mindestens zwölf Monate am Stück bestehen. Scheidet jemand danach aus der Versicherungs­pflicht aus, zum Beispiel weil er wieder selbst­ständig arbeitet, hat er endlich das Recht, sich freiwil­lig gesetzlich weiterzuver­sichern. Er muss dies nur binnen drei Monaten seiner Krankenkasse mitteilen.

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