Private Krankenversicherung Meldung

Bis zu 30 Prozent mehr Beitrag müssen unsere Leser dieses Jahr zahlen. Wir zeigen, was sie tun können.

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung steigen immer wieder. Das ist für Simona und Alexander Werner aus Wiesbaden nichts Neues. „Aber gleich um so viel? Das hatten wir nicht erwartet“, sagt die Ärztin. Der Beitrag der 39-Jährigen für ihre Kranken- und Pflegeversicherung bei der Axa steigt um etwa 67 Euro im Monat.

Gleichzeitig werden für die Verträge von Ehemann Alexander und Sohn Lukas, die bei der LKH versichert sind, monatlich rund 50 Euro mehr Beitrag fällig als 2009. Selbst wenn man die Beitragsrückerstattungen des Versicherers für kostenbewusstes Verhalten einrechnet, zahlt die Familie nun etwa 850 Euro im Monat.

Mehr als 400 Leserzuschriften

Private Krankenversicherung Meldung

Jeder braucht seinen eigenen Schutz: Da Simona und Alexander Werner privat krankenversichert sind, benötigt auch Sohn Lukas einen eigenen Vertrag. Die Familie zahlt jetzt jeden Monat etwa 850 Euro und damit über 100 Euro mehr als noch 2009.

So wie Familie Werner geht es zum Jahreswechsel vielen privat Krankenversicherten: Als Reaktion auf einen Leseraufruf berichteten uns gleich mehrere Kunden etwa von Barmenia, Central, DKV, Gothaer und Universa, dass sie 2010 im Vergleich zum Vorjahr jeden Monat rund 70 bis 80 Euro oder sogar noch mehr zusätzlich zahlen.

Wir erhielten über 400 Zuschriften von Privatversicherten. Nicht alle zahlen mehr als vorher: Weniger als 10 Prozent schrieben uns, dass ihre Beiträge 2010 etwa konstant bleiben oder sogar sinken. Die meisten Versicherten schickten uns aber Beispiele für Beitragssteigerungen – von insgesamt 27 Versicherungsgesellschaften.

Häufig ermittelten wir Aufschläge zwischen 5 und 15 Prozent, in mehreren Fällen auch deutlich über 20 Prozent. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für alle Privatversicherten, doch sie zeigen den Trend.

Warum die Beiträge so stark steigen

Die Versicherer nennen für die Erhöhungen mehrere Gründe wie etwa die erhöhte Lebenserwartung. Eine große Rolle spielen aber vor allem die gestiegenen Ausgaben, besonders für die ambulante Versorgung.

Steigen die Ausgaben für die Leistungen, müssen die Versicherer aktiv werden. Sie sind verpflichtet, jedes Jahr für all ihre Tarife nachzurechnen, ob ihre Ausgaben höher sind als vorher kalkuliert. Liegen die Ausgaben mehr als 10 Prozent über den vorab errechneten Beträgen, muss das Unternehmen höhere Beiträge verlangen. Langjährige Kunden sind daher an Steigerungen von etwa 5 Prozent im Jahr gewöhnt.

„Kommt es aber zu Beitragssteigerungen von 20 Prozent oder mehr, müssen mehrere Ursachen zusammengekommen sein“, sagt der Versicherungsmathematiker Peter Schramm. Eine könnte sein, dass der Versicherer die Leistungsentwicklung in den Vorjahren zu niedrig eingeschätzt hat und den Beitrag deswegen in den Vorjahren zu wenig oder gar nicht erhöht hat. Dann muss der Versicherer dies bei der aktuellen Beitragsanpassung nachholen.

Steigen könne der Beitrag auch, weil zuletzt weniger Versicherte gekündigt haben und die Gesellschaft so weniger Stornogewinne erzielt hat. Oder ein Versicherungsnehmer steckt in einem Tarif, der lange angeboten wurde und nun für Neukunden nicht mehr offen ist. „In so einen Tarif kommen keine gesunden Neukunden mehr hinein, sodass der Anteil an kränkeren Kunden immer größer wird und die Ausgaben innerhalb des Tarifs steigen“, sagt Schramm.

Kündigung oft eine schlechte Wahl

„Müssen wir hier tatenlos zusehen?“, fragten uns verärgerte Leser, nachdem sie von den neuen Beiträgen erfahren hatten. Nein, das müssen sie nicht, aber die Versicherer machen es ihnen nicht leicht.

Es kann zwar sein, dass sich eine Gesellschaft verrechnet hat, doch einen solchen Fehler nachzuweisen, ist schwierig und in der Regel nur gerichtlich möglich.

Daher überlegen einige Kunden, nun zu kündigen. „Daran habe ich auch erst gedacht“, sagt Simona Werner. „Aber ob sich das lohnt, wenn auch die anderen Versicherer erhöhen?“

Tatsächlich ist die Kündigung für viele privat Krankenversicherte die schlechteste Lösung. In die gesetzliche Krankenkasse kommen die Aussteiger in der Regel nicht zurück. Und der Wechsel zu einem anderen privaten Versicherer kann sie eine Menge Geld kosten. Das liegt vor allem daran, dass sie in dem Fall ihre Altersrückstellungen komplett oder zum Teil verlieren.

Altersrückstellungen bildet der private Krankenversicherer von den Beiträgen der Versicherungsnehmer in jungen Jahren. Die Rückstellungen helfen, die mit dem Alter steigenden Ausgaben zu decken. Sonst würden die Beiträge mit den Jahren aufgrund des höheren Krankheitsrisikos noch mehr steigen, als sie es sowieso schon tun. Würde Simona Werner die Versicherungsgesellschaft nun wechseln, müsste sie beim neuen Anbieter bei null anfangen. Ein neuer Versicherer kalkuliert die Beiträge so, dass er neue Altersrückstellungen bilden kann. Entsprechend hoch wäre von Anfang an der Beitrag der Ärztin, eine nennenswerte Ersparnis unwahrscheinlich.

Bleiben und einen neuen Tarif suchen

Besser als ein Anbieterwechsel ist es deshalb, beim bisherigen Versicherer nach Einsparmöglichkeiten zu suchen und zum Beispiel in einen anderen Tarif zu wechseln. Bei so einem Wechsel innerhalb des Versicherungsunternehmens gehen die Altersrückstellungen nicht verloren.

Bis auf wenige Ausnahmen bieten die privaten Krankenversicherer mehrere „Tarifwerke“ an. Entweder sind das Kompakttarife, die Leistungen für ambulante und stationäre Behandlungen sowie für Zahnbehandlungen und Zahnersatz kombinieren. Oder der Kunde kann sich aus einer Art Baukasten mehrere Tarife mit den gewünschten Leistungen zusammenstellen. Je nachdem, welche Tarifbausteine der Kunde vorher hatte und was er nun wählt, kann ein Wechsel weit mehr als hundert Euro im Monat bringen. Die Ersparnis geht jedoch fast immer zulasten der Leistungen.

Einen gewissen Leistungsstandard sollten sich die privat Krankenversicherten beim Tarifwechsel unbedingt bewahren. Sie sollten nicht zu den Billigtarifen wechseln, deren Leistungen zum Teil sogar weit unter denen der gesetzlichen Krankenversicherung liegen. Wir legen deshalb auch in unseren Tests der privaten Krankenversicherung Mindestgrenzen für den Schutz fest: Die Gesellschaft sollte zum Beispiel Arzt- und Zahnarzthonorare bis zum Höchstsatz der jeweiligen Gebührenordnung übernehmen, das ist der 3,5-fache Satz. Auch die Kosten für psychotherapeutische Behandlungen sollten im Vertrag unbedingt eingeschlossen sein – mindestens 20 ambulante Sitzungen im Jahr. Ein Wechsel zurück in einen Tarif mit höheren Leistungen ist später kaum möglich. Will der Kunde das, darf der Versicherer eine erneute Gesundheitsprüfung verlangen.

Standard- und Basistarif

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Entscheidet sich Helmut Schindler für den Standardtarif für Rentner, müsste er monatlich noch rund 356 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Er könnte etwa 222 Euro sparen.

Helmut Schindler aus Berlin hat von seinem Krankenversicherer, der Allianz, mehrere Alternativen zu seinem bisherigen Krankenversicherungsschutz genannt bekommen. Der 70-jährige Rentner überlegt, etwas an seinem Schutz zu ändern, nachdem sein Beitrag für Kranken- und Pflegeversicherung um knapp 38 Euro auf 578 Euro gestiegen ist.

Schindler könnte sich viel günstiger versichern, wenn er aus der normalen privaten Krankenvollversicherung in den Standardtarif für Rentner wechselt. Der Rentner überlegt noch, ob er sich darauf einlassen soll: Mit dem Standardtarif könnte er zwar 222 Euro im Monat sparen, doch er hätte nur noch Anspruch auf Leistungen, die kaum über denen der gesetzlichen Krankenversicherung liegen.

„So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgesellt, als ich mich für die private Krankenversicherung entschieden habe“, sagt der 70-Jährige, der seit 1987 privat versichert ist. „Damals hat es sich natürlich gelohnt – geringere Beiträge und mehr Leistungen als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Aber da konnte ich noch nicht ahnen, dass die Beiträge heute einen so großen Teil meiner Rente verschlingen würden.“

Die Leistungsunterschiede, die Schindler beim Wechsel in den Standardtarif für Rentner hinnehmen müsste, zeigen sich zum Beispiel im Krankenhaus: Die meisten Tarife der Krankenvollversicherung schließen die Chefarztbehandlung ein, für Versicherte im Standardtarif ist dagegen wie für gesetzlich Versicherte der diensthabende Krankenhausarzt zuständig, zum Beispiel der Stationsarzt.

Die Voraussetzungen für den Wechsel in den Standardtarif für Rentner erfüllt Schindler. Er ist seit über zehn Jahren privat krankenversichert und er ist älter als 65 Jahre. Nur in Ausnahmefällen reicht das Alter von 55 Jahren, um in den besonderen Tarif für ältere Versicherte zu gelangen.

Der Anfang 2009 neu geschaffene Basistarif, der bei allen Privatversicherern gleich ist, kommt für Helmut Schindler hingegen überhaupt nicht infrage: Allein dafür müsste er etwa 570 Euro zahlen, dazu noch die Beiträge zur Pflegeversicherung. Außerdem bietet der Basistarif, dessen Leistungen etwa denen der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen, noch etwas weniger als der Standardtarif für Rentner.

Der Basistarif richtet sich vor allem an Neukunden, die keine andere Wahl haben und sich privat krankenversichern müssen. Können sie aufgrund früherer privater Versicherungszeiten nicht in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen werden, ist der Basistarif eine Alternative, wenn sie keinen bezahlbaren Vertrag für eine private Vollversicherung erhalten.

Leistungen gezielt verringern

Manchmal können die Kunden der privaten Krankenversicherungen auch im bestehenden Tarif ihre Leistungen verringern. Das hängt aber davon ab, welche Leistungen sie vorher vereinbart hatten und ob noch Spielräume nach unten da sind.

Verzichtet der Versicherungsnehmer zum Beispiel auf das Zweibettzimmer im Krankenhaus und erklärt sich bereit, ins Mehrbettzimmer zu gehen, kann er sparen. Wie viel, ist je nach Tarif ganz unterschiedlich: Es können 10 Euro im Monat sein, möglich sind aber auch über 50 Euro Ersparnis.

Es lohnt sich, den Versicherer nach Alternativen zu fragen. Doch auch innerhalb des Tarifs sind Leistungskürzungen nicht unbegrenzt zu empfehlen. Ein Mindestmaß an Schutz sollte erhalten bleiben.

Selbstbehalt erhöhen

Einige Leser schrieben uns, dass sie nun überlegen, ihren Selbstbehalt zu erhöhen. Besonders im ambulanten Bereich bringt das Ersparnisse: Erklärt sich der Versicherungsnehmer bereit, für Arztbesuche und Medikamente mehr aus eigener Tasche zu zahlen, wird der Versicherungsbeitrag deutlich günstiger. Oft sinkt er so stark, dass der Versicherte selbst dann günstiger dran ist, wenn er Behandlungs- und Arzneikosten bis zur vollen Höhe des vereinbarten Selbstbehalts zahlen muss.

Für Selbstständige ist diese Rechnung am einfachsten, da sie den Versicherungsbeitrag komplett selbst zahlen. Sie fragen den Versicherer, wie stark ihr Beitrag sinkt, wenn sie ihren Selbstbehalt zum Beispiel um 300 Euro im Jahr erhöhen. Dann rechnen sie aus, ob von der Ersparnis etwas bleibt, wenn sie den Selbstbehalt in einem Jahr tatsächlich voll zahlen müssen, weil sie oft zum Arzt müssen.

Zahlen sie im Jahr 300 Euro zusätzlich aus der eigenen Tasche, muss der Beitrag um mehr als 25 Euro im Monat sinken (300 Euro : 12 Monate), damit sich der höhere Selbstbehalt auszahlt.

Für Arbeitnehmer sieht die Rechnung aber etwas anders aus, weil sie zwar für den Versicherungsbeitrag einen Zuschuss vom Arbeitgeber erhalten, den Selbstbehalt aber allein zahlen. Für einen Angestellten lohnt sich ein höherer Selbstbehalt nur, wenn die Hälfte der monatlichen Beitragsersparnis höher ist als die mögliche Mehrbelastung durch den höheren Selbstbehalt.

Haben Versicherte den Selbstbehalt erhöht, können sie ihn meistens nicht wieder ohne Gesundheitsprüfung senken. Auch der Versicherer hat das Recht, den Selbstbehalt von sich aus zu erhöhen. Womöglich steigt die Belastung für den Versicherungsnehmer dadurch so weit, dass ihm die Ausgaben dann über den Kopf wachsen.

Steuervorteil von Beginn an nutzen

Neben den schlechten Nachrichten über steigende Beiträge gibt es zum neuen Jahr eine gute Nachricht: Auch privat Krankenversicherte können jetzt viel mehr Beitrag steuerlich absetzen. Je nach Einkommen und Steuerklasse kann die Steuerersparnis den gestiegenen Beitrag ausgleichen.

Seit Anfang 2010 erkennt das Finanzamt Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die auf die medizinische Grundversorgung entfallen, komplett als Sonderausgaben an. Die Grundversorgung entspricht etwa den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Da Privatversicherte häufig Anspruch auf mehr Leistungen haben, können sie nicht den kompletten Beitrag absetzen, aber den größten Teil. Vom Versicherer erfahren sie, was sie abrechnen können.

Anerkannt werden nur die Beiträge, nicht die aus eigener Tasche gezahlten Leistungen. Ein höherer Selbstbehalt bringt somit in der Steuererklärung keine Vorteile. Zahlen die privaten Versicherer Geld zurück, weil der Kunde zum Beispiel einige Rechnungen aus eigener Tasche übernommen hat, mindern diese Rückerstattungen den Beitrag, den das Finanzamt anerkennt.

Lohnen wird sich das neue Steuerrecht trotzdem. Und wenn Privatversicherte die Information ihrer Versicherung gleich beim Arbeitgeber einreichen, zieht er schon vom Januar-Gehalt weniger Lohnsteuer ab.

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