Wenn der Vermittler Fehler macht ...

... muss die Versicherungesellschaft dafür geradestehen.

„Rückenschmerzen hat doch jeder mal, das brauchen Sie nicht anzugeben“ – leider kommt es immer wieder vor, dass ein Versicherungsvermittler einen Kunden zu einer falschen Antwort auf eine Gesundheitsfrage verleitet. Kommt es deshalb später zum Rechtsstreit mit der Versicherungsgesellschaft, lohnt es sich, genau zu prüfen: Wer hat den Fehler begangen?

Dabei kommt es darauf an, ob ein Versicherungsagent, also ein Vertreter einer Versicherungsgesellschaft, den Kunden beraten hat oder ein unabhängiger Versicherungsmakler. Der Agent ist nach gängiger Rechtsprechung „Auge und Ohr“ der Versicherungsgesellschaft. Das heißt konkret: Wenn der Antragsteller dem Agenten erzählt hat, dass er regelmäßig wegen Kreuzschmerzen zum Arzt geht und dieser kreuzt bei „Beschwerden der Wirbelsäule“ trotzdem „nein“ an, dann hat der Kunde später trotzdem Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Versicherungsleistungen. Denn die Informationen, die der Kunde dem Agenten gibt, werden so bewertet, als hätte er sie der Versicherungsgesellschaft direkt mitgeteilt.

Geht der Vermittler mit dem Kunden die Fragen durch, ist also nicht das maßgeblich, was im Antrag steht, sondern das, was der Vermittler den Kunden tatsächlich gefragt hat und was dieser tatsächlich geantwortet hat. Unterschlägt der Vermittler bestimmte Punkte oder spielt er ihre Bedeutung herunter, und der Kunde beantwortet die Fragen dann so, wie sie ihm gestellt wurden, kann ihm keine Anzeigepflichtverletzung vorgeworfen werden.

Blanko unterschreiben und den Vermittler die Fragen alleine beantworten lassen, ist allerdings gefährlich. Wenn der Kunde sich den ausgefüllten Antrag nicht einmal ansieht, kann er die Verantwortung für Fehler später nicht von sich abwälzen.

So weit die Theorie. In der Praxis ist im Nachhinein oft schwer zu belegen, was beim Ausfüllen des Antrags passiert ist. Zwar muss der Versicherer beweisen, dass sein Vermittler dem Kunden die Antragsfragen korrekt gestellt hat, wenn der Kunde dies bestreitet. Doch die Gesellschaft kann dabei auf den Vermittler als Zeugen zurückgreifen. Deshalb ist auch für den Kunden ein Zeuge beim Beratungsgespräch sinnvoll. Es sollte sich dabei möglichst nicht um ein Familienmitglied handeln.

Auch wenn der Antrag von einem unabhängigen Versicherungsmakler ausgefüllt wird, kann ein Zeuge helfen. Mündliche Mitteilungen an den Makler muss sich zwar die Versicherungsgesellschaft nicht zurechnen lassen, da der Makler im Auftrag des Kunden handelt. Der Makler haftet aber selbst, wenn durch seine Schuld unzutreffende Angaben im Antrag stehen. Wenn also ein Versicherer einem Kunden nachträglich einen Risikozuschlag aufbrummt, weil durch den Fehler des Maklers eine Anzeigepflichtverletzung passiert ist, dann muss dieser dem Versicherten den Schaden ersetzen.

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