Interview: Keine Garantie für stabile Beiträge

Finanztest sprach mit Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Der Verband vertritt die Interessen von rund 35.000 Mitgliedern gegenüber der Versicherungswirtschaft.


Privat Krankenversicherte sollen jetzt 10 Prozent höhere Beiträge an ihre Versicherung zahlen, um im Alter von drastischen Erhöhungen verschont zu bleiben. Für wen lohnt sich der Zuschlag? Wer sollte von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch machen?

Rudnik:

Für Selbstständige, Freiberufler und Beamte lohnt die Zahlung nicht, da sie den Zuschlag allein zahlen müssen und eine eigene Vorsorge viel flexibler und rentabler sein dürfte. Privat versicherte Arbeitnehmer können durch den Zuschlag profitieren, da sich der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt. Ist die Höchstgrenze des Arbeitgeberanteils jedoch schon ausgeschöpft, dann kann der Chef nicht weiter zur Kasse gebeten werden. Der maximale monatliche Anteil des Arbeitgebers richtet sich nach den Beiträgen der gesetzlichen Krankenkassen und beträgt derzeit rund 435 Mark in den alten und 370 Mark in den neuen Bundesländern.

Wer sich spontan entschieden hat, den Aufschlag zu zahlen, jetzt aber Zweifel bekommt ­ kann der seine Entscheidung rückgängig machen?

Rudnik:

Die Versicherungsunternehmen sind verpflichtet, die Verbraucher über die Erhebung des Zuschlags zu informieren. Der Gesetzgeber hat den Versicherten, die vor dem 1. Januar 2000 in die private Krankenversicherung eingetreten sind, ein Widerspruchsrecht von drei Monaten nach Erhalt der Mitteilung eingeräumt. Den Widerspruch muss der Versicherte schriftlich einlegen. Nur derjenige, der bereits eine schriftliche Zustimmung zur Zahlung des Zuschlags in Höhe von 10 Prozent gegeben hat, wird diese Entscheidung nicht mehr revidieren können.

Was hat der Kunde von den bei seiner Versicherung angesammelten Reserven? Erhält er dafür eine Garantie, dass seine Prämie nie über einen bestimmten Betrag steigen wird?

Rudnik:

Die privaten Krankenversicherer haben mit einigen Grundproblemen zu kämpfen, die sie bisher nicht in den Griff bekommen haben: Der medizinische Fortschritt, die zunehmende Lebenserwartung und ein wachsender Bedarf an medizinischer Versorgung haben zu Kostensteigerungen geführt, die von den Unternehmen noch nicht ausreichend in der Prämienkalkulation berücksichtigt wurden. Der jetzige Zuschlag, der auf die Empfehlung einer Expertenkommission aus dem Jahre 1996 zurückgeht, soll insbesondere ältere privat Versicherte entlasten, die über 65 Jahre sind. Niemand kann aber heute sagen, welche Ersparnis der Versicherte im Alter tatsächlich hat. Es gibt auch keine Garantie der Versicherer, dass ein bestimmter Beitrag nicht überschritten wird.

Neukunden sind gezwungen, den 10-prozentigen Aufschlag zu zahlen ­ geht dieses Geld verloren, wenn sie nach einiger Zeit zu einem anderen Versicherer wechseln?

Rudnik:

Die Zusatzprämien sind bei einer Kündigung der privaten Krankenversicherung vollständig verloren. Bei einem Wechsel zu einem anderen privaten Versicherer kann man sich die zusätzlichen Beiträge nicht übertragen oder auszahlen lassen. Auch bei einem frühen Tod des Versicherten wären sämtliche Beiträge "verfallen".

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