Private Krankenversicherung: Was tun gegen hohe Beiträge

Private Krankenversicherung Meldung

Günstiger liegen: Schon der Wechsel vom Ein- in den Zweibettzimmertarif fürs Krankenhaus kann 30 Euro Monatsbeitrag sparen.

Wenn einem privat Krankenversicherten die Kosten über den Kopf wachsen, kann er seinen Tarif ändern. Das ist zurzeit seine einzige Chance zu sparen. Erst die Gesundheitsreform soll es möglich machen, günstig zu einem anderen Versicherer zu wechseln.

Die meisten privat Krankenversicherten sind mittlerweile an jährliche Beitragserhöhungen zwischen 5 und 10 Prozent gewöhnt. Denn kein Versicherer kann seine Tarife so kalkulieren, dass die Beiträge konstant bleiben.

Jedes Jahr müssen die Unternehmen für jeden Tarif nachrechnen, ob ihre Ausgaben höher liegen als die kalkulierten Aufwendungen. Übersteigen die Ausgaben den kalkulierten Wert um mehr als 10 Prozent, muss der Versicherer die Beiträge anheben.

Da die Gesundheitsausgaben für Privatpatienten stärker steigen als die für gesetzlich Versicherte, muss allein deshalb schon häufig erhöht werden. Kunden sind den steigenden Beiträgen aber nicht völlig ausgeliefert. Anhand von Beispielen aus unserer Leserumfrage (siehe „So haben wir gerechnet“ und Grafiken) zeigen wir, mit welchen Strategien Versicherte ihre Beiträge reduzieren können.

Lösung 1: Tarif wechseln

Oft lohnt es sich, nach einem günstigeren Tarif des eigenen Versicherers zu suchen (siehe „Unser Rat“). Einige Unternehmen bringen regelmäßig neue Tarife auf den Markt, wenn ihre alten Angebote nach Beitragserhöhungen für Neukunden nicht mehr attraktiv sind.

Versicherte älterer Tarife haben das Recht umzusteigen. Ihre Alterungsrückstellung bleibt ihnen dabei erhalten.

Einige Leser berichten allerdings, dass Versicherer wenig hilfsbereit sind, wenn ein Kunde den Tarif wechseln will. Oft argumentieren sie, der neue Tarif enthalte bessere Leistungen. Das Wechselrecht bezieht sich aber nur auf gleichartige Tarife.

Gibt es tatsächlich Punkte, in denen der Leistungsumfang des neuen Tarifs über dem bisherigen liegt, kann der Kunde aber mit dem Versicherer vereinbaren, dass diese Mehrleistungen ausgeschlossen werden.

Lösung 2: Selbstbehalt erhöhen

Am stärksten steigen die Beiträge in den Ambulanttarifen. Um dem auszuweichen, erhöhen viele Kunden ihren Selbstbehalt. Damit sinkt der Beitrag oft so stark, dass der Versicherte selbst dann günstiger wegkommt, wenn er Behandlungs- und Arzneikosten bis zur vollen Höhe des Selbstbehalts bezahlen muss.

Insbesondere für Selbstständige lohnt sich ein höherer Selbstbehalt oft. Sie errechnen ihre Beitragsersparnis, indem sie zum Monatsbeitrag ein Zwölftel des jährlichen Selbstbehalts addieren.

Angestellte müssen anders rechnen: Sie teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber, nicht aber den Selbstbehalt.

Eine Arbeitnehmerin aus unserer Leserbefragung erhöhte im Jahr 2004 ihren Selbstbehalt im Ambulanttarif von 153 auf 800 Euro im Jahr. Ihr Beitrag sank dadurch von 373,46 auf 297,05 Euro im Monat. Für sie hat sich das aber nicht gelohnt: Der halbe Beitrag plus ein Zwölftel des jährlichen Selbstbehalts betrug für sie vorher 199,48 Euro im Monat, jetzt muss sie bis zu 215,19 Euro monatlich zahlen.

Lösung 3: Leistungen senken

Garantiert sparen können Versicherte, indem sie auf Leistungen verzichten. Schon die Umstellung vom Ein- aufs Zweibettzimmer im Krankenhaus kann bis zu 30 Euro im Monat bringen.

Noch stärker sinkt der Beitrag, wenn der Versicherte komplett auf eine bessere ­Unterbringung und auf die Behandlung durch Chefärzte verzichtet. Ein Finanztest-Leser senkte so seinen Beitrag für den Stationärtarif im Jahr 2005 von rund 205 auf 73 Euro im Monat.

Lösung 4: Standardtarif

Irgendwann sind alle Sparmöglichkeiten ausgereizt. Dann gibt es für die älteren Versicherten, zum Beispiel für Rentner und für Menschen ab 55 Jahren mit sehr geringem Einkommen, als letzten Ausweg den brancheneinheitlichen Standardtarif.

Jeder Versicherer muss ihn anbieten. Der Tarif darf maximal so viel kosten wie der Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung, derzeit 505,88 Euro im ­Monat. Er bietet ungefähr die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Knapp 20 000 Menschen waren Ende 2005 in diesem Tarif versichert. Doch nur 6 Prozent von ihnen zahlen wirklich den Höchstbeitrag. Meist ist es deutlich weniger, da die Alterungsrückstellungen aus den Jahren in der teuren Vollversicherung jetzt beitragsmindernd wirken. Eine 67-jährige Kundin der DKV reduzierte durch den Wechsel in den Standardtarif im Jahr 2006 ihren Beitrag zum Beispiel von über 300 auf rund 130 Euro im Monat. Der Wechsel kann jedoch Unannehmlichkeiten bringen. Ärzte und Zahnärzte bekommen für Patienten mit Standardtarif deutlich weniger Honorar vom Versicherer erstattet als für andere Privatpatienten.

Vor allem Zahnärzte weigern sich deshalb manchmal, zu dem niedrigeren Satz zu arbeiten. Patienten müssen dann entweder aus der eigenen Tasche draufzahlen oder sich einen anderen Arzt suchen.

Neue Chance nach der Reform

Die Gesundheitsreform soll es auch jüngeren Privatversicherten ermöglichen, die Beitrags-Notbremse zu ziehen. Die Versicherer sollen dann einen Basistarif anbieten, der ähnlich funktioniert wie der heutige Standardtarif, aber allen offensteht. Die Bundesregierung will es Ärzten verbieten, diese Versicherten abzuweisen oder nur gegen Aufpreis zu behandeln.

Auch den Wechsel zu einem anderen Versicherer soll die Reform erleichtern. Bisher ist es Privatversicherten faktisch verwehrt, ihr Unternehmen zu verlassen und zu einem anderen zu gehen, dessen Beiträge noch bezahlbar sind.

Die Unternehmen kalkulieren nämlich bei Vertragsschluss ein, dass mit dem Alter eines Kunden die Behandlungskosten steigen. Dafür bilden sie aus einem Teil der Beiträge die Alterungsrückstellung, die künftige Beitragserhöhungen begrenzen soll. Wenn Versicherte ihre Gesellschaft verlassen, verlieren sie ihre Rückstellung. Ein neuer Versicherer kalkuliert den Beitrag ohne diesen Puffer mit dem höheren Eintrittsalter. Das wird extrem teuer.

Finanztest-Leser Teja Gegusch beklagt: „Wir Älteren sitzen in einer Preiserhöhungsfalle, da wir ohne erhebliche Mehrkosten nicht wechseln können.“

Das soll sich mit der Gesundheitsreform ändern. Die Gesellschaften sollen künftig ihren Versicherten zumindest einen Teil der Alterungsrückstellung beim Wechsel mitgeben. Das neue Unternehmen kann den Beitrag dann so kalkulieren, als wäre der Neukunde schon seit seinem ursprünglichen Eintrittstermin im Unternehmen versichert gewesen. Damit wäre ein Wechsel zumindest für gesunde Altkunden attraktiv, die derzeit bei einem besonders teuren Versicherer festsitzen.

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