Altkunden der privaten Krankenversicherung müssen heute sehr viel höhere Beiträgezahlen als bei ihrem Eintritt. Im Schnitt verdoppelten sich die Kosten alle zwölf Jah­re, ergab eine Umfrage unter unseren Lesern.

Beim Wechsel in die private Krankenversicherung im Jahr 1985 zahlte der Ingenieur Teja Gegusch für Ambulant-, Stationär- und Zahntarif etwas über 170 Mark im Monat. Heute kostet ihn der gleiche private Versicherungsschutz rund 430 Euro, also 841 Mark im Monat. Der Beitrag hat sich in 20 Jahren fast verfünffacht.

Das ist kein Einzelfall: Wir haben unsere älteren Leser gebeten, uns die Beitragsunterlagen ihrer Krankenversicherung aus den vergangenen Jahren zur Verfügung zu stellen. Rund 130 Leser sind dem Aufruf gefolgt, viele lieferten uns Dokumente über die vergangenen 20 Jahre.

Darin zeigte sich: Die Selbstständigen und Angestellten, die an unserer Befragung teilnahmen, mussten in dieser Zeit im Schnitt eine jährliche Beitragssteigerung um 6 Prozent hinnehmen. Ihr Beitrag verdoppelte sich ungefähr alle zwölf Jahre.

Gesetzlicher Beitrag steigt weniger

Die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen sind in den vergangenen 20 Jahren ebenfalls gestiegen. Doch im Vergleich fallen die Erhöhungen moderat aus: Um 3,34 Prozent pro Jahr stieg der Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung seit 1986 durchschnittlich an. Er beträgt heute knapp das Doppelte des damaligen Höchstbeitrags.

Dennoch waren in dieser Zeit viele Privatpatienten günstiger versichert, als sie es in der gesetzlichen Krankenkasse gewesen wären. Denn in der gesetzlichen Krankenversicherung lag der Höchstbeitrag 1985 schon bei fast 480 Mark.

Auch viele der Leser, die uns geschrieben haben, waren über Jahre für deutlich weniger Geld krankenversichert als in der gesetzlichen Kasse. Und das, obwohl ihre ­Policen ihnen in vielen Fällen teurere ­medizinische Leistungen sichern.

Doch die Rechnung verkehrt sich ins Gegenteil, wenn jemand eine Familie gründet oder wenn er aus dem Erwerbsleben ausscheidet und als Rentner ein geringeres Einkommen hat.

Kinderlose fahren privat besser

In den Grafiken haben wir auf Grund­lage echter Versichertendaten modellhaft errechnet, wie sich solche Veränderungen auswirken. Die Grafiken zeigen die Versicherungskosten für ein Paar mit und ohne Kinder. Mal ist nur der Mann berufstätig, mal auch die Frau. Alter und Versicherungsverlauf sind in beiden Grafiken identisch. Die Zuschüsse vom Arbeitgeber und vom gesetzlichen Rentenversicherungsträger sind eingerechnet. Wir zeigen das, was beide zusammen tatsächlich zahlen müssen.

Ein kinderloses, gut verdienendes Paar kommt in der privaten Versicherung während des ganzen Erwerbslebens günstiger weg als in der gesetzlichen Kasse. Erst mit Renteneintritt dreht sich das um. Doch bis dahin haben beide genug Gelegenheit gehabt, Rücklagen zu bilden.

Hohe Kosten für Familien

Ganz anders sieht es aus, wenn der Mann als gutverdienender Angestellter für Frau und Kinder sorgt. Für eine solche ­Familie ist die gesetzliche Krankenversicherung weit günstiger, weil dort Ehepartner ohne eigenes Einkommen und Kinder beitragsfrei mitversichert sind.

Auch beim Renteneintritt, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind, hat es dieses Paar in der privaten Krankenversicherung schwerer. Das liegt daran, dass die Frau nur eine kleine gesetzliche Rente aus einer früheren Berufstätigkeit erhält. Der Zuschuss, den der Rentenversicherungsträger ihr zu den Versicherungsbeiträgen zahlt, fällt deshalb klein aus: Bei 300 Euro Rente sind es nur 21,30 Euro.

In der gesetzlichen Krankenversicherung wäre das kein Problem, da die Beiträge sich nach dem Einkommen bemessen. In der privaten Krankenversicherung laufen die Beiträge nach Rentenbeginn unverändert weiter, sie können sogar steigen.

Neben den Beiträgen können auch die Selbstbehalte steigen – also die Beträge, bis zu denen der Versicherte Arzt- und Medikamentenkosten jedes Jahr aus eigener ­Tasche zahlen muss. Den Selbstbehalt ­können Versicherte selbst erhöhen, um die Beiträge zu reduzieren, die Versicherungsgesellschaften haben aber auch das Recht, Selbstbehalte von sich aus anzuheben.

Finanztest-Leserin Hanna Laferi hat durch einen extremen Selbstbehalt von 2 300 Euro im Jahr ihren Monatsbeitrag für ambulante, stationäre und Zahn-Leistungen auf rund 330 Euro senken können. Jetzt ist die Belastungsgrenze der 58-­Jährigen erreicht: „Ich habe im Laufe der Jahre versucht, durch Streichung diverser Leistungen und einen sehr hohen Selbstbehalt meine monatlichen Kosten zu reduzieren. Doch mehr geht nicht. Zu den Reichen gehörte ich nie und nun erst recht nicht. Daher macht mir die Entwicklung der Beiträge wirklich Angst.“

Wenn die Firma schlecht läuft

Selbstständige sparen in der privaten Krankenversicherung noch mehr als Angestellte, weil sie Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einem sind. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn die Geschäfte gut laufen.

Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Die Grafik basiert auf Daten eines 75-jährigen Handwerksmeisters, der seit 1961 einen kleinen Betrieb führt. Wenn das Unternehmen wenig abwirft, kann sich die private Krankenversicherung zu einer schweren Belastung entwickeln.

Beamte haben es besser

Bei Beamten steigt die Belastung weniger stark. Das liegt aber nicht an den Versicherungsbeiträgen, sondern daran, dass sich bei ihnen mit höherer Kinderzahl und mit Eintritt in den Ruhestand die Beihilfe vom Dienstherrn erhöht und sie dadurch ihren privaten Schutz reduzieren können.

Die Grafiken zeigen, wie sich das auf die Kosten auswirkt: Bei gleicher Familienkonstellation (Mann Alleinverdiener, Frau Hausfrau, zwei Kinder), zahlt der Angestellte im Jahr 1996 umgerechnet 725 Euro im Monat. Die Beamtenfamilie hat mit monatlichen Beiträgen 345 Euro weniger als die Hälfte zu zahlen.

Im Ruhestand verstärkt sich der Unterschied noch: Der Angestellte und seine Frau zahlen im Jahr 2006 rund 817 Euro im Monat, der pensionierte Beamte und seine Frau sind mit 373 Euro dabei.

Dennoch können die Versicherungsbeiträge Beamte im Alter erheblich belasten. Insbesondere Beamte der niedrigeren Vergütungsgruppen mit geringer Pension leiden unter den steigenden Beiträgen. Für einige ist die Belastung sogar so stark, dass sie in den Standardtarif für Rentner wechseln, der etwa die Leistungen der gesetz­lichen Krankenversicherung bietet.

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