Soll ich oder soll ich nicht? Angesichts der Diskussion um die Anhebung der Pflichtgrenze stehen viele Kassenmitglieder jetzt vor dem Absprung in die private Krankenversicherung.

Während die Politiker diskutieren, machen die Wähler ernst: 360 700 Kassenpatienten gingen letztes Jahr in die private Krankenversicherung – so viele wie seit 25 Jahren nicht. Grund ist vor allem die geplante Anhebung der Versicherungspflichtgrenze. Bisher liegt sie bei 40 500 Euro Jahresbrutto. Nur wer mehr hat, kommt aus der Krankenkasse raus. Künftig sollen es 54 000 Euro sein. Das würde Hunderttausenden den Wechsel verbauen.

Deshalb gehen sie schon jetzt. Vor allem für junge, gesunde Versicherte stricken die Privaten attraktive Tarife. Doch leider: Schon nach wenigen Jahren kann die Sache sündhaft teuer werden. Fast jährlich steigen die Beiträge. Viele Tarife, die vor Jahren noch günstig waren, liegen heute jenseits der Schmerzgrenze.

Und mit solchen Lockangeboten nutzen die Versicherer auch jetzt die Gunst der Stunde. Allein im Juni zählten wir 15 neue Tarife, vor allem Billigangebote mit abgespeckten Leistungen. Noch schlimmer: Zahlreiche Tarife wurden geschlossen, da die Beiträge so hoch lagen, dass damit kein Neukunde mehr zu holen war. Nun sitzen die Versicherten in diesen Alttarifen in der Falle: Es kommen keine gesunden Kunden hinzu, deshalb klettern die Krankheitskosten im verbleibenden Tarifbestand. Weitere Beitragssteigerungen werden unausweichlich.

Ein Effekt, der sich noch verschärfen könnte. Wird die Pflichtgrenze erhöht, rückt der Wechsel für viele Gutverdiener in weite Ferne. Dann fehlen Neukunden, die wegen der Gesundheitsprüfung beim Einstieg überdurchschnittlich gesund sind. Ohne sie steigen die Krankheitskosten noch schneller. Außerdem trägt die Privatversicherung besonders schwer an der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, denn hier dürfen Ärzte höhere Rechnungen stellen als für Kassenmitglieder.

Allerdings würde auch die Krankenkasse für viele teurer. Derzeit sind Pflicht­­­grenze und Beitragsbemessungsgrenze identisch. Letztere besagt, dass der Beitrag ab 40 500 Euro Jahresverdienst nicht mehr steigt, auch wenn der Versicherte mehr verdient. Wird aber die Pflichtgrenze erhöht, ist das auch für die Beitragsgrenze nahe liegend. Für 3,2 Millionen freiwillig Kassenversicherte könnten die Kosten dann um ein Drittel steigen.

Ob der Wechsel wirklich lohnt, ist also eine Einzelfallentscheidung. Rein finanziell gesehen gilt: Für junge, gesunde Singles ist er sinnvoll. Ebenso für Ehepartner, wenn beide berufstätig sind und höchstens ein Kind haben. Aber: Männer sollten in der Regel nicht älter als 42 Jahre sein, Frauen nicht über 38 Jahre. Jenseits davon sind die Beiträge relativ hoch und überproportionale Steigerungen in den Folgejahren wahrscheinlich.

Tipp: Unser Computervergleich sucht günstige Angebote heraus, die zu Ihrem Bedarf passen. Falls der Wechsel Geld spart, sollten Sie die Ersparnis zur Seite legen, um so spätere Kostensteigerungen aufzufangen. Denn anders als in der gesetzlichen Kasse, wo der Beitrag sich am Einkommen bemisst, sinkt er bei den Privaten im Rentenalter nicht.

Wer dagegen einen nicht berufstätigen Ehepartner hat, Nachwuchs plant oder schon hat, bleibt besser in der Krankenkasse. Denn Partner und Kinder sind dort beitragsfrei mitversichert.

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