Der Ombudsmann der privaten Krankenversicherung, Arno Surminski, hatte im Jahr 2003 mehr zu tun, als er bewältigen konnte. Überraschend viele privat Krankenversicherte hätten sich mit Fragen und Beschwerden an ihn gewandt, berichtete er. Mehr als 7 000 Kunden suchten beim Ombudsmann um Hilfe nach. In allein 2 200 Fällen erreichten Surminski schriftliche Beschwerden über Entscheidungen der Versicherungsgesellschaften.

Fast 800 offene Fälle

Das war zu viel für Surminski und sein Team: 18 Wochen dauerte die Bearbeitung eines Falles im Durchschnitt. Fast 800 Kunden-Beschwerden blieben liegen und müssen jetzt nach und nach abgearbeitet werden. Um diesem Missstand abzuhelfen, bewilligte der Verband der Privaten Krankenversicherung dem Ombudsmann zwei zusätzliche Stellen, so dass Surminski jetzt vier Mitarbeiter zur Seite stehen.

Versicherer weniger kulant

Hauptgrund für viele Beschwerden: Die Versicherer kontrollieren Arzt- und Zahnarztrechnungen jetzt viel strenger als früher und bezahlen nur noch das, wozu sie nach den Buchstaben des Versicherungsvertrages verpflichtet sind. In früheren Jahren hatten sie sich häufiger kulant gezeigt. Streit um Behandlungskosten macht 14,1 Prozent der Beschwerden aus, Streit um die Erstattung von Medikamenten, Heil- und Hilfsmitteln weitere 6 Prozent.

Ärger um steigende Beiträge

Häufig gestritten wird außerdem um die medizinische Notwendigkeit von Behandlungen (13,4 Prozent der Beschwerden). 9,3 Prozent der Beschwerden bezogen sich auf die teilweise drastischen Beitragserhöhungen, die die Kunden im vergangenen Jahr hinnehmen mussten. Neu in der Hitliste der Beschwerden: Fast 5 Prozent der Problemfälle rührten daher, dass Versicherer sich zunehmend weigern, Rechnungsbeträge für physiotherapeutische Leistungen wie Krankengymnastik oder Massage in vollem Umfang zu erstatten.

Beschwerden meist ohne Erfolg

In etwa 60 Prozent der Fälle konnte Surminski nichts für die Versicherten ausrichten, für 40 Prozent erzielte er zumindest teilweise Erfolge. Verbindliche Entscheidungen kann der Ombudsmann der privaten Krankenversicherung nicht treffen, er spricht lediglich Empfehlungen aus, an die sich die Unternehmen aber nicht halten müssen. Das Ombudsmann-Verfahren ist für die Versicherten kostenlos. Beschwerden und Anfragen sind möglich bei: Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung, Leipziger Straße 104, 10117 Berlin, Telefon 0 180 2/55 04 44. Im Internet ist Surminski unter www.pkv-ombudsmann.de zu erreichen.

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