Die Gesellschaften müssen ihreKalkulationsgrundlagen jetzt transparent machen.

Das Bundesverfassungsgericht hat ein für die privaten Krankenversicherer folgenreiches Urteil gefällt (Az: 1 BvR 2203/98): Erhöhen die Gesellschaften die Versicherungsprämie eines Kunden, müssen sie ihn über die Kalkulationsgrundlage informieren, die zu dieser Erhöhung geführt hat. Dann kann der Versicherte prüfen, ob der Anstieg seiner Monatsprämie berechtigt ist, und andernfalls der Erhöhung widersprechen.

Bisher hatte das von verschiedenen Gerichten bestätigte Interesse der Unternehmen an der Geheimhaltung ihrer Geschäftsgeheimnisse verhindert, dass Kunden im Einzelnen Auskunft über deren Kalkulationsgrundlagen bekamen. Es genügte, dass ein vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) in Berlin zugelassener privater Treuhänder die Erhöhung abgesegnet hatte.

Vor allem die älteren der insgesamt rund sieben Millionen privat Krankenversicherten dürfte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen lassen. Denn im Alter steigen die Prämien häufig Jahr für Jahr deutlich. Viele ältere Versicherte können ihre Prämien manchmal nur noch bezahlen, wenn sie auf Leistungen verzichten, beispielsweise auf ein Einzelzimmer im Krankenhaus oder eine Chefarztbehandlung.

Künftig können privat Krankenversicherte Erhöhungen ihrer Prämien möglicherweise häufiger abwenden oder beschränken, wenn sich bei der Offenlegung der Kalkulationsgrundlagen herausstellt, dass dem Unternehmen ein Fehler unterlaufen ist.

TiPP:

Erscheint Ihnen der Anstieg Ihrer Krankenversicherungsprämie zu hoch, legen Sie Widerspruch ein und fordern Sie die Berechnungsgrundlagen an. Prüfen Sie die Unterlagen gegebenenfalls mit Hilfe von Beratern Ihrer örtlichen Verbraucherzentrale. Wenn Sie dann feststellen, dass die Erhöhung unangemessen ist, verlangen Sie eine Senkung.

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