Ab 2009 müssen die Versicherer einen Basistarif anbieten. Es gilt endgültig die Versicherungspflicht für alle.

Ab Januar 2009 gilt die Versicherungspflicht für alle. Damit wird für jeden, der nicht unter den Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung fällt und auch keinen anderweitigen Versicherungsschutz hat, eine private Versicherung Pflicht.

In Zukunft soll es nicht mehr vorkommen, dass etwa ein Selbstständiger, der die Beiträge zur Krankenversicherung nicht mehr aufbringen konnte, ohne jegliche Absicherung dasteht. Der Versicherungsschutz muss zumindest die ambulante und stationäre Behandlung umfassen. Die Selbstbeteiligung des Versicherten darf nicht höher als 5 000 Euro im Jahr sein.

Um diesen Mindestschutz zu gewährleisten, bieten die privaten Versicherer neben ihren übrigen Tarifen ab Januar 2009 zusätzlich einen brancheneinheitlichen Basistarif an. Dieser enthält Leistungen, die denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sind (siehe „Der Basistarif“).

Wer bisher keinen ausreichenden Versicherungsschutz hat, muss bis Ende Januar einen Vertrag bei einem privaten Versicherer abschließen. Ansonsten fallen für jeden verspäteten Monat Beitragszuschläge an. Kunden, die ihren Vertrag vor April 2007 geschlossen haben, müssen sich allerdings keine Sorgen machen: Ihr Schutz gilt grundsätzlich als ausreichend.

Basistarif neu im Angebot

Der neue Basistarif richtet sich insbesondere an Personen, die im Moment ohne Krankenversicherungsschutz sind, die aber zuletzt privat versichert waren. Sie müssen sich nun versichern. Wer vor Verlust seines Schutzes gesetzlich abgesichert war, ist schon seit 2007 versicherungspflichtig in seiner früheren Krankenkasse.

Zusätzlicher Schutz wird ab 2009 auch für Beihilfeberechtigte wie Beamte und Pensionäre Pflicht, die sich bisher allein auf die Beihilfe ihres Dienstherrn verlassen haben. Sie müssen in Zukunft einen ergänzenden Versicherungsvertrag bei einer privaten Gesellschaft abschließen. Deshalb wird es den Basistarif auch in einer Variante für Beihilfeberechtigte geben.

Wer schon privat versichert ist

Unter Umständen kann der neue Basistarif auch für diejenigen interessant sein, die bereits privat krankenversichert sind. Versicherte wie zum Beispiel der Berliner Sportlehrer Dirk Schenker können bis zum 30. Juni 2009 entweder in den Basistarif ihres jetzigen Anbieters wechseln oder in einen Basistarif eines anderen Versicherers.

Der Wechsel könnte für diese Versicherten aus zwei Gründen infrage kommen: Einer davon ist der Wunsch, Beiträge zu sparen. Mit den Jahren steigt der Beitrag in der privaten Krankenvollversicherung an. Mit einem Wechsel in den Basistarif kann die monatliche Belastung sinken.

Oder der Kunde ist mit dem bisherigen Versicherer unzufrieden und hofft, auf Umwegen in den Normalvertrag einer anderen Gesellschaft zu gelangen und dabei wenigstens einen Teil seiner Alterungsrückstellungen mitzunehmen. Das ist bis zum 30. Juni 2009 möglich.

Will ein Versicherter hingegen direkt in den Normaltarif einer anderen Gesellschaft wechseln, gilt nach wie vor, dass er die für den bisherigen Tarif angesparte Rückstellung vollständig verliert. Daran hat die Gesundheitsreform nichts geändert. Das bedeutet, dass der Kunde beim neuen Versicherer einen höheren Beitrag zahlen muss als eigentlich nötig, weil die Rückstellung wieder ganz neu aufgebaut werden muss. Die Alterungsrückstellung dient dazu, den höheren Kostenbedarf im Alter auszugleichen. Ohne sie würde der Beitrag mit zunehmendem Alter immer höher.

Vorteile für Neukunden

Für diejenigen, die sich erst ab Januar 2009 erstmals für eine private Krankenversicherung entscheiden, sind die Möglichkeiten, den Versicherer zu wechseln, besser. Wenn sie später von Normaltarif zu Normaltarif wechseln, können sie immer die Altersrückstellungen mitnehmen, die für die Leistungen des Basistarifs hätten gebildet werden müssen. Wechseln sie von Basistarif zu Basistarif, verlieren sie also nichts.

Dieser Vorteil bei Neuverträgen wird aber auch durch einen höheren Krankenversicherungsbeitrag erkauft.

Ersatz für Standardtarif für Rentner

Privatversicherte, die älter als 55 Jahre sind, können ab 2009 statt in den bisherigen Standardtarif für Rentner in den Basistarif ihrer Gesellschaft wechseln. Ihre Altersrückstellungen werden dabei wie bisher voll auf den neuen Beitrag angerechnet.

Wer bereits im alten Standardtarif für Rentner ist, kann selbst entscheiden, ob sein Vertrag umgestellt werden soll. Vorteil des alten Standardtarifs: Der Beitrag für Ehepaare war auf 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt. Nachteil: Es gab keine Beitragsbegrenzung bei Hilfebedürftigkeit wie im Basistarif (siehe „Der Basistarif“).

Alternative für Kassenversicherte?

Letztlich könnte der Basistarif auch eine Alternative für alle sein, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind. Er kann infrage kommen, wenn sie in die private Krankenversicherung wechseln wollen, aber wegen ihrer Vorerkrankungen sonst keinen oder nur einen teuren Vertrag erhalten würden.

Bis zum 30. Juni 2009 müssen die privaten Versicherer auch alle freiwillig gesetzlich Versicherten in den Basistarif aufnehmen. Jemand, dessen gesetzliche Versicherungspflicht erst später erlischt, hat ein halbes Jahr Zeit für den Wechsel.

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