Private Kranken­versicherung

Private Kranken­versicherung: Mit einem Tarifwechsel viel Geld sparen

01.01.2021
Private Kranken­versicherung - Mit einem Tarifwechsel viel Geld sparen
„Selt­sam, im Nebel zu wandern“, beginnt ein Gedicht von Hermann Hesse. So geht es Privatversicherten, die zu wenig Auskünfte vom Versicherer erhalten. © Getty Images / EyeEm

Vor allem ältere Versicherte klagen über steigende Beiträge. Helfen kann ein Tarifwechsel. Wir zeigen, wie das geht.

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Lars Eulitz hat im Jahr 2016 rund 2 200 Euro gespart, indem er in einen anderen Tarif seines privaten Kranken­versicherers gewechselt ist und nun weniger Beitrag zahlt. Das ist oft möglich, ohne dass sich der Versicherungs­schutz verschlechtert, Eulitz hat nun sogar etwas höhere Leistungen.

Anderer Tarif, derselbe Anbieter

Einen Wechsel in einen güns­tigeren Tarif mit mindestens ebenso guten Leistungen wünschen sich viele Finanztest-Leser. „Ich soll ab Januar 720 Euro monatlich bezahlen, im Dezember 2014 waren es noch 607 Euro. Bei meinem Gehalt kann ich mir das nicht erlauben und habe Angst, was noch alles kommt“, schreibt uns der 53-jährige Ralf Winter*. Bei dem heute 65-jährigen Reiner Gabler* stieg der Beitrag seit dem Abschluss im Jahr 1976 auf mehr als das Neunfache des ursprüng­lichen Werts an. Eulitz, Gabler und Winter sind einige der rund 50 Finanztest-Leser, die sich auf unseren Leseraufruf im Herbst 2016 zum Thema Tarifwechsel gemeldet haben.

Ihr Problem: In der privaten Kranken­versicherung steigen vor allem bei älteren Kunden die Beiträge und eine Rück­kehr in die gesetzliche Kranken­versicherung ist kaum möglich. Da ein Kranken­versicherer aber im Laufe der Jahre für die Kunden Rück­stel­lungen für höhere Krank­heits­kosten im Alter bildet, ist es gerade für Ältere sinn­voll, bei ihrem Versicherer zu bleiben. Sie können dort in einen güns­tigeren „gleich­artigen“ Tarif wechseln und behalten dabei alle im bisherigen Vertrag erworbenen Rechte – auch die Alterungs­rück­stel­lungen. Für Leistungen, die bereits im jetzigen Vertrag enthalten sind, darf es im neuen Vertrag keine neuen Warte­zeiten, Risiko­zuschläge oder Ausschlüsse geben.

Kunden stochern im Nebel

Recht­lich ist der Wechsel laut Paragraf 204 des Versicherungs­vertrags­gesetzes kein Problem. Jedes Mal, wenn sie die Beiträge erhöhen, müssen Versicherer ihre Kunden auf ihr Tarifwechselrecht hinweisen. Ist der Kunde älter als 60 Jahre, müssen sie sogar konkrete Tarife mit nied­rigeren Beiträgen vorschlagen.

Kunden stochern trotzdem im Nebel, weil die Versicherer nicht alle Tarife offenlegen müssen, die sie haben – vor allem nicht die geschlossenen Tarife, die sie neuen Kunden nicht mehr anbieten. Was Altkunden zahlen, ist ebenfalls Geschäfts­geheimnis. Erhält jemand also ein Wechse­langebot, kann er nie sicher sein, was sein Versicherer ihm alles nicht sagt.

Leistungen in Ruhe vergleichen

Ganz wichtig: Dem ersten Vorschlag ihres Versicherers sollten Wechsler nicht einfach folgen. Immer wieder berichten uns Leser, dass sie durch beharr­liches Nach­fassen am Ende ein viel besseres Angebot erhielten.

Damit ein Tarifwechsel sich auch lang­fristig lohnt, kommt es nicht nur auf die Höhe des Beitrags, sondern auch auf die Leistungen an. Das Wechselrecht in „gleich­artige“ Tarife bedeutet nämlich nicht, dass die Verträge identisch sind. Es heißt lediglich, dass jemand zum Beispiel von einem Tarif, der ambulante, stationäre und Zahn­leistungen umfasst, in einen anderen wechseln darf, der ebenfalls diese Leistungs­bereiche abdeckt.

Weitere Schwierig­keit: Der Kunde muss sich um den Leistungs­umfang selber kümmern. Dazu muss er seinen eigenen Vertrag gut kennen und Alternativen Punkt für Punkt vergleichen: Bis zu welcher Höhe zahlt der Versicherer etwa Zahn­ersatz­kosten oder Arzt­honorare? Wäre es akzeptabel, statt des Einbett­zimmers im Kranken­haus ein Zweibett­zimmer zu nehmen? In welchem Umfang sieht der Vertrag Leistungen für Heilpraktikerbe­hand­lung oder teure Hörgeräte vor? Wie hoch ist der jähr­liche Selbst­behalt – also der Betrag, bis zu dem ein Kunde Kosten aus eigener Tasche tragen muss?

Dienst­leister helfen gegen Geld

Verschiedene Dienst­leister bieten Versicherten Hilfe beim Tarifwechsel an. Sie nehmen Maklersoftware oder eigene Daten­samm­lungen zu Hilfe, um Licht ins Dunkel zu bringen. Bei einer Internetrecherche stießen wir auf mehr als 80 Anbieter, die Unterstüt­zung versprechen – teils gegen Stunden-, teils gegen Erfolgs­honorar (Wechseldienstleister).

Einer von ihnen ist Nicola Ferrarese, der früher in leitender Funk­tion in einem Kranken­versicherungs­konzern arbeitete und seit 2012 mit seiner Firma Minerva Kundenrechte hilft. Er sagt: „Der für den Kunden beste Tarif ist im ersten Anlauf in der Regel nicht dabei.“ Seiner Erfahrung nach nennen Unternehmen Wechselwil­ligen zunächst höhere Selbst­behalts­stufen ihres bestehenden Tarifs oder Varianten mit geringeren Leistungen sowie Stan­dard- und Basis­tarif, die für Kunden oft der letzte Ausweg sind (Infodokument zum Standardtarif, Infodokument zum Basistarif).

Versicherer versprechen Trans­parenz

Auch der Verband der Privaten Kranken­versicherung (PKV) sieht Hand­lungs­bedarf und hat „Leitlinien für einen transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel“ heraus­gegeben. Die Mehr­zahl der Unternehmen hat sich freiwil­lig dazu verpflichtet, diese seit dem 1. Januar 2016 einzuhalten. Darin versprechen die Versicherer unter anderem,

  • Anfragen des Kunden inner­halb von 15 Arbeits­tagen zu beant­worten,
  • seinen Bedarf und die Wünsche detailliert aufzunehmen und auf dieser Basis Alternativen zu empfehlen,
  • verständlich darzustellen, in welchen Punkten Alternativ­tarife höhere oder geringere Leistungen vorsehen als der aktuelle Vertrag.

Die Liste der teilnehmenden Versicherungsgesellschaften stellt der PKV-Verband zusammen mit den leit­linien zur Verfügung. Einige Unternehmen wie die Central, die Continentale und die LKH sind nicht dabei.

Wechselberater, die ihre Vergütung an der Ersparnis fest­machen, sieht der PKV-Verband kritisch. Sprecherin Nina Schultes: „Solche Dienst­leister sind mit Vorsicht zu genießen. Der Berater hat ein Eigen­interesse, eine möglichst hohe Einsparung zu erzielen. Das kann zu deutlich schlechteren Leistungen führen.“

Gemischtes Fazit unserer Leser

Private Kranken­versicherung - Mit einem Tarifwechsel viel Geld sparen
Auf dem Weg zum neuen Tarif sind einige Hinder­nisse zu über­winden. © plainpicture

Ein gutes Jahr nach Inkraft­treten der Leit­linien ziehen unsere Leser ein gemischtes Fazit: „Vor der Umstellung erhielt ich eine Tarif­gegen­über­stellung, woraus die sich ändernden Leistungen klar ersicht­lich sind“, schrieb uns DKV-Kunde Hans Rauch. Dagegen meint Otto G. Bartelt: „Meine Hoff­nung auf kundenfreundliche Beratung, zu der sich die Allianz durch Anerkennung der Leit­linien verpflichtet, finde ich leider nicht bestätigt.“

Barbara Weber ging gleich zu einem Versicherungs­berater: „Frühere Nach­fragen bei der Gothaer bezüglich Tarifwechsel wurden mit nichts­sagenden Schein­informationen abge­wimmelt – mir war klar, dass ich dort nicht fragen muss, wenn ich eine für mich vernünftige Lösung haben möchte. Es ist logisch, dass die Versicherung in erster Linie an einer güns­tigen Lösung für sie selbst interes­siert ist.“

Beim Ombuds­mann der Privaten Kranken­versicherung gab es 2016 insgesamt 4 577 zulässige Beschwerden, davon nur 131 zum Tarifwechsel. Sprecher Nikolai Sauer: „Die Schlichtungs­stelle geht jeder Anfrage nach. Wir unterstützen Versicherte bei ihren Tarifwechselwünschen und setzen uns dafür ein, dass die gesetzlichen Vorgaben einge­halten und die Leit­linien umge­setzt werden, wenn das Unternehmen diesen beigetreten ist.“

Probleme melden können Kunden auch dem Markt­wächter­team der Verbraucherzentralen. Lars Gatschke vom Bundes­verband der Verbraucherzentralen: „Das Ziel ist, die immer noch puddinghafte Selbst­verpflichtung der Leit­linien mit Leben zu füllen.“

Wechsel in die eigene Hand nehmen

Resümee von Versicherungs­berater Oliver Beyers­dorffer, der seit 2001 auf Tarifwechsel spezialisiert ist: „Der Kunde kann sehr weit kommen, wenn er weiß, was er fragen muss. Wenn er die Mühe nicht auf sich nehmen will, braucht er Hilfe.“

Genau fragen sollten Wechselwil­lige nach den Leistungs­unterschieden. Bietet der neue Tarif in einzelnen Punkten weniger, müssen sie das beim Wechsel hinnehmen. Eine spätere Rück­kehr ist nicht ohne Weiteres möglich. Auch hohe Selbst­behalte können sie nicht einfach rück­gängig machen. Im Krank­heits­fall müssen sie Kosten bis zu dieser Höhe selbst tragen. Deshalb kommt ein höherer Selbst­behalt nur in Betracht, wenn Kunden den durch 12 geteilten jähr­lichen Selbst­behalt zum Monats­beitrag addieren und sich dennoch eine deutliche Ersparnis ergibt.

Keine Angst vor Gesund­heits­fragen

Sieht der neue Tarif Mehr­leistungen vor, stellt der Versicherer hierfür erneut Gesund­heits­fragen und darf für Erkrankungen einen Risiko­zuschlag verlangen oder Leistungen ausschließen. Verlangt der Versicherer einen zu hohen Risiko­zuschlag, hat der Kunde das Recht, die Mehr­leistungen auszuschließen.

Aus Angst vor der Gesund­heits­prüfung von vorneherein pauschal auf alle Mehr­leistungen zu verzichten, ist falsch. Oliver Beyers­dorffer: „Es ist sogar wichtig, die Gesund­heits­prüfung zu machen. Sie bezieht sich nur auf die Mehr­leistungen, nicht auf den bestehenden Versicherungs­schutz. Kunden riskieren nichts, sie können sich nur verbessern.“

In vielen Fällen bekommen Kunden den Vertrag mit besseren Leistungen nämlich ohne Probleme. Verlangt der Versicherer einen Risiko­zuschlag, muss er mitteilen, welches medizi­nische Risiko dazu geführt hat. Auch das ist noch nicht das letzte Wort – bleibt ein Versicherter hartnä­ckig, wird er den Zuschlag unter Umständen noch los. Manchmal stellt sich nämlich heraus, dass ein Versicherer Arzt­rechnungen falsch zuge­ordnet oder eine Abklärung ohne Befund für eine gesicherte Diagnose gehalten hatte.

Beiträge steigen weiter

Einmal im neuen Tarif, ist hoffentlich erst einmal Ruhe. Nach einigen Jahren sollten Versicherte sich aber erneut auf den Weg machen. Denn die Beiträge steigen weiter, obwohl sie so berechnet sein sollen, dass sie konstant bleiben. Doch Gesund­heits­kosten und Lebens­erwartung steigen. Außerdem sinken die Zinsen, die Versicherer erwirt­schaften. Senkt ein Unternehmen seinen Rechnungs­zins von 3,5 auf 2,5 Prozent, steigt der Beitrag nach Angaben des PKV-Verbands allein dadurch um 10 bis 15 Prozent.

* Namen von der Redak­tion geändert.

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