Private Krankenversicherung Meldung

Anders als bei Krankenkassen bemisst sich der Beitrag in der Privaten Versicherung nicht am Ein­kommen, sondern an Alter, Gesund­heits­­zu­stand und Geschlecht des Kunden.

Superleistungen und günstige Beiträge – damit locken private Krankenversicher­un­gen. Die Frage ist nur: Bleiben sie auch dauerhaft bezahlbar?

Raus aus der gesetzlichen Kasse, rein in die private Krankenversicherung? Diese Entscheidung trifft man nur einmal. Wer erst einmal drin ist, kommt so leicht nicht wieder heraus. Eine Rückkehr zur Kasse ist fast unmöglich: Da muss schon das Gehalt unter die Versiche­rungspflichtgrenze von 46 350 Euro sinken, der Versicherte darf nicht über 55 Jahre sein, und er durfte sich nie von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Ohnehin kann nur in die Private wechseln, wer nicht versicherungspflichtig ist:

  • Das sind Selbstständige, aber nicht Landwirte und Künstler,
  • Arbeitnehmer mit mehr als 46 350 Euro Jahresbruttoverdienst,
  • Beamte und Personen in beamtenähnlichen Beschäftigungen.

Nachteil der privaten Krankenversicherung (PKV) ist die fehlende Familienversicherung. Ehepartner mit geringem Verdienst und Kinder brauchen daher ihre eigenen Verträge.

Singles: Für Frauen ab 35 und Männer ab 45 Jahre ist die Beitragsersparnis meist zu gering. Für Jüngere kann sie aber erheblich sein – allerdings nur, solange sie keine Kinder haben oder planen.

Paare: Verdient nur einer, lohnt es nicht, da Partner und Kinder eigene Verträge brauchen. Verdienen beide, können junge Leute durch einen Wechsel sparen, aber auch nur, wenn sie keine Kinder haben.

Beamte: Für sie ist die PKV sinnvoll, falls Vorerkrankungen sie nicht verteuern.

Fragezeichen Beitragsentwicklung

Entscheidend ist die Wahl des Anbieters. Hat der Kunde erst unterschrieben, kann er kaum noch die Gesellschaft wechseln, da er seine Alterungsrückstellung nicht mitnehmen darf. Er würde beim neuen Versicherer wie jeder andere Neukunde höhere Beiträge zahlen. Die Rückstellung bleibt nur erhalten, wenn er in einen anderen Tarif desselben Anbieters geht.

Das größte Fragezeichen ist die Beitragsentwicklung. Bisher sind Anhebungen ein fast jährlich wiederkehrender Ritus. Das liegt vor allem an den steigenden Gesundheitskosten. Doch viele Unternehmen versuchen auch, Interessenten mit neuen, günstigen Tarifen zu ködern. In die bestehenden Tarife kommen dann kaum noch neue, gesunde Kunden, sodass sich dort kranke Ältere sammeln – starke Beitragserhöhungen sind die Folge, der Alttarif wird zur Kostenfalle.

Tipp: Einige Neutarife sind deshalb billig, weil sie in Teilbereichen nur wenig Schutz bieten, zum Beispiel Psychotherapie. Von solchen Ködern raten wir ab, zumal ein Umstieg auf bessere Tarife nur mit erneuter Gesundheitsprüfung und eventuellen Risikozuschlägen möglich ist.

Doppelt so viel wie am Anfang

Eigentlich soll die Alterungsrückstellung Beitragsanhebungen ausgleichen. Sie wird als Reserve gebildet, solange der Kunde noch jung ist und mehr einzahlt, als er kostet. Einen Teil des überschüssigen Geldes legen die Gesellschaften verzinslich an. Doch diese Rückstellungen reichen vielfach nicht. So zahlen 65-Jährige heute doppelt, teils dreimal so viel wie vor 30 Jahren, als sie in die PKV eintraten.

Während Kassenmitglieder im Rentenalter niedrigere Beiträge zahlen, weil ihr Einkommen sinkt, müssen privat Versicherte deutlich mehr hinblättern. Dann entfällt der hälftige Beitragszu­schuss des Arbeitgebers. Stattdessen zahlt die Rentenversicherung lediglich die Hälfte dessen, was ein pflichtversicherter Rentner durchschnittlich bekommt – und das ist deutlich weniger.

Beispiel: Herr Müller zahlte bisher an PKV-Beitrag 600 Euro, die Hälfte kam von seinem Arbeitgeber. Nun bezieht er 1 750 Euro Rente. Der Beitrag reduziert sich auf 550 Euro, da die Krankentagegeldversi­che­rung wegfällt. Deshalb bemisst sich der hälftige Beitragszuschuss, den die Rentenkasse zahlt, an neun Zehnteln des durchschnittlichen Kassenbeitrags von derzeit 14,3 Prozent, also 12,87 Prozent. Herr Müller bekommt daher 112,60 Euro als Beitragszuschuss. Er muss jetzt 437,40 Euro zahlen. Als Kassenversicherter wäre er mit 112,60 Euro davongekommen. (Bei Beamten verringern sich die Beiträge, denn mit der Pensionierung steigt die Beihilfe – oft auf 70 Prozent.) Das Beispiel zeigt: Wer sich wegen des günstigen Einstiegsbeitrags privat versichert, sollte die Ersparnis zur Seite legen, um damit spätere Erhöhungen aufzufangen.

Faustregel: Die Beitragsersparnis muss ausreichen, um ein Kapital zu bilden, mit dem im Alter das Doppelte des Eintrittsbeitrags bestritten werden kann.

Für alle, die die Beiträge nicht mehr zahlen können, gibt es ein Schlupfloch: Die Versicherer müssen einen Standardtarif für Rentner anbieten. Der darf nur so viel kosten wie der durchschnittliche Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings entsprechen dann auch die Leistungen dem Kassenstandard. Und eine Familienversicherung gibt es nicht.

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