Kennzahlen im Überblick

RfB-Quote

 = Rückstellung für erfolgs­­abhän­gige ­Beitragsrückerstattung (RfB) : Bruttobeiträge

Aussage: Die RfB ist die Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung. Dieses Geld muss das Unternehmen innerhalb von drei Jahren an die Versicherten weitergeben. Die RfB-Quote drückt aus, wie viel Überschüsse bezogen auf die jährlichen Beitragseinnahmen ein Unternehmen in diesem Topf zurzeit bereit hält.

Eine hohe RfB-Quote signalisiert eine kundenfreundliche Überschussbeteili­gung.

Ausnahmen:

  • Beruht eine hohe RfB-Quote jedoch darauf, dass das Geld überdurchschnittlich lange in der RfB liegen bleibt, bevor es den Versicherten zugute kommt, dann ist eine hohe Kennzahl weder positiv noch negativ zu beurteilen.
  • Eine hohe RfB-Quote infolge eines hohen Anteils älterer Versicherter ist ebenfalls neutral zu beurteilen: Hat ein Unternehmen überproportional viele ältere Versicherte in seinem Bestand, so fallen wegen der höheren Alterungsrückstellungen automatisch auch höhere Zinsüberschüsse an, von denen maximal 10 Prozent unter anderem in die RfB fließen können.

Achtung: Aus einer hohen RfB-Quote kann der Kunde nicht unmittelbar schließen, dass notwendige Beitragsanhebungen in den Tarifen des Unternehmens niedriger ausfallen als bei anderen Unternehmen. Überschüsse aus der RfB können zwar zur Begrenzung von Beitragsanhebungen eingesetzt werden. Das Unternehmen kann die Mittel stattdessen aber auch zur Beitragsrückerstattung an Versicherte verwenden, die keine Leistungen in Anspruch genommen haben. In Ausnahmefällen werden aus RfB-Mitteln auch zusätzliche Tarifleistungen finanziert.

RfB-Zuführungsquote

= Zuführung zur RfB : Bruttobeiträge

Aussage: Die RfB-Zuführungsquote gibt an, wie viel Überschussmittel gemessen an den Beitragseinnahmen das Unternehmen im betreffenden Jahr bereitgestellt hat, damit sie in den kommenden drei Jahren den Versicherten für Beitragsrückerstattungen, zur Begrenzung von Beitragserhöhungen oder zur Erhöhung der Tarifleistungen zugute kommen können.

Die Versicherungsunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, mindestens 80 Prozent des Rohergebnisses nach Steuern an die Versicherten weiterzugeben. Der RfB muss daher jährlich mindestens so viel vom Überschuss zugeführt werden, dass zusammen mit den vorgeschriebenen Direktgutschriften aus der verzinslichen Anlage der Alterungsrückstellungen insgesamt 80 Prozent erreicht werden. Die Unternehmen dürfen aber auch höhere Überschussanteile weitergeben.

Wie die RfB-Quote ist die RfB-Zuführungsquote ein Maß für eine versicherungsnehmerfreundliche Überschussbeteiligung.

Ausnahme: Eine höhere RfB-Zuführungsquote infolge eines hohen Anteils älterer Versicherter im Bestand ist neutral zu beurteilen, das heißt weder positiv noch negativ (siehe RfB-Quote).

Achtung: Eine hohe RfB-Zuführungsquote bedeutet nicht automatisch, dass die regelmäßigen Beitragserhöhungen in den Tarifen des Unternehmens niedriger ausfallen als bei anderen Unternehmen.

RfB-Entnahmeanteile

1. =  RfB-Entnahme für Einmalbeiträge :  Gesamtentnahme aus der RfB

2. = RfB-Entnahme für Barausschüttungen : Gesamtentnahme aus der RfB

Aussage: Die RfB-Entnahmeanteile geben an, welchen Anteil der aus der RfB entnommenen Überschüsse das Unternehmen im betreffenden Jahr für Einmalbeiträge und welchen für Barausschüttungen verwendet hat.

Aus den Kennzahlen lässt sich entnehmen, welchen Versichertengruppen die vorhandenen Überschüsse zugute kamen: Barauszahlungen werden für Beitragsrückerstattungen an Versicherte eingesetzt, die keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Davon profitieren in der Regel jüngere Versicherte.

Einmalbeiträge dienen überwiegend der Erhöhung der Alterungsrückstellung zur Begrenzung von Beitragserhöhungen. Sie sind vor allem für ältere Versicherte von Interesse.

Achtung: Es lässt sich daher nicht generell festlegen, welcher der beiden RfB-Entnahmeanteile groß sein sollte. In Unternehmen mit überdurchschnittlich vielen älteren Versicherten sollte der Anteil für Einmalbeiträge größer sein, in jungen Unternehmen der für Barausschüttungen.

Eigenkapitalquote

=  Eigenkapital : Bruttobeiträge

Aussage: Die Eigenkapitalquote setzt die Mittel, die zum Ausgleich kurzfristiger Unternehmensverluste zur Verfügung stehen, ins Verhältnis zu dem vom Versicherungsunternehmen zu tragenden Risiko. Sie gilt als ein Maß dafür, wie sicher es ist, dass das Unternehmen seine Versicherungsverträge dauerhaft erfüllen kann.

Die Eigenkapitalquote sollte sich etwa im Bereich von 5,5 bis 8 Prozent bewegen.

Alle Versicherer müssen Eigenkapital mindestens in Höhe von etwa 5,5 Prozent der Bruttobeiträge bilden. Das schreibt das Versicherungsaufsichtsgesetz vor. Die zuständige Aufsichtsbehörde überprüft jährlich, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind. Darüber hinaus sollte ein Puffer von maximal 30 bis 50 Prozent vorhanden sein, je nachdem, wie viele neue Verträge das Unternehmen im Lauf eines Jahres abschließt.

Damit dürften die Mittel bei allen Unternehmen ausreichen, um vorübergehende Verluste, etwa durch unerwartet hohe Gesundheitsausgaben für die Versicherten innerhalb eines Jahres, auszugleichen. Bei einer noch höheren Eigenkapitalquote steht dem Gewinn an Sicherheit zunehmend der Nachteil gegenüber, dass durch die Besteuerung der Gewinnrücklagen jeder zusätzliche Euro Eigenkapital mehr als das Doppelte an Überschuss kostet. Dieses Geld könnte anderenfalls den Versicherten zugute kommen.

Eine Eigenkapitalquote von 9 Prozent und höher ist daher nicht mehr positiv zu bewerten.

Achtung: Das Eigenkapital wird – im Unterschied zu Überschüssen – nicht zur Begrenzung von notwendigen Beitragserhöhungen eingesetzt. Die Eigenkapitalquote sagt daher nichts über die Höhe künftiger Beitragsanhebungen in den Tarifen des Unternehmens aus.

Versicherungsgeschäftliche ­Ergebnisquote

= versicherungsgeschäftliches Ergebnis : Bruttobeiträge

Aussage: Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote gibt an, welcher Anteil der Bruttobeiträge eines Jahres nach Abzug aller Aufwendungen als versicherungsgeschäftlicher Überschuss entstanden ist. Zu den Aufwendungen zählen die Ausgaben für Versicherungsleistungen, der Nettozuwachs der Alterungsrückstellungen sowie die Abschluss- und Verwaltungskosten.

Diese Kennzahl sagt etwas darüber aus, inwieweit die tatsächlichen Aufwendungen eines Jahres den zu ihrer Deckung kalkulierten Beiträgen entsprechen.

Dies sollte in etwa der Fall sein. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote nimmt dann die Höhe des für außergewöhnliche Gesundheitsausgaben (zum Beispiel durch Epidemien) zusätzlich einkalkulierten Sicherheitszuschlags von 5 bis 10 Prozent an.

Eine deutlich unter dem Sicherheitszuschlag liegende oder sogar negative Ergebnisquote ist negativ zu bewerten. Da die Beiträge nicht ausreichend hoch kalkuliert waren, werden zum Ausgleich Überschüsse aus dem Kapitalanlageergebnis (max. 10 Prozent) herangezogen. Diese Überschüsse stehen dann für die Weitergabe an die Versicherten nicht mehr zur Verfügung.

Eine dauerhaft deutlich über dem Sicherheitszuschlag liegende Ergebnisquote besagt, dass die Beiträge insgesamt zu hoch angesetzt waren. Dies ist ebenfalls eher negativ zu werten, denn die nicht benötigten Beitragsanteile werden nur zum Teil und nur mit zeitlicher Verzögerung an die Versicherten zurückgegeben.

Achtung: Ein höherer Sicherheitszuschlag führt automatisch zu einem höheren versicherungsgeschäftlichen Ergebnis. Das ist für Versicherte weder ein Vorteil noch ein Nachteil. Vorgeschrieben ist ein Zuschlag von mindestens 5 Prozent des Bruttobeitrags. Üblich sind bis zu 10 Prozent.

Überschussverwendungsquote

= für die Versicherten verwendeter Überschuss : Rohergebnis nach Steuern

Aussage: Die Überschussverwendungsquote gibt an, welcher Anteil des insgesamt erwirtschafteten Überschusses eines Jahres an die Versicherten weitergegeben wurde.

Im Unterschied zur RfB-Quote und RfB-Zuführungsquote wird in der Überschussverwendungsquote der gesamte Überschuss einschließlich der Direktgutschriften aus den Zinserträgen der Alterungsrückstellungen erfasst.

Nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz müssen im Regelfall 80 Prozent des Rohergebnisses (Rohüberschusses) nach Steuern an die Versicherten weitergegeben werden. Die Überschussverwendungsquote muss daher mindestens 80 Prozent betragen. Das Unternehmen kann auch höhere Anteile weitergeben.

Eine höhere Überschussverwendungsquote ist positiv zu bewerten. Der Aussagewert dieser Kennzahl ist für den Kunden aber gering, denn die absolute Höhe des Überschusses bleibt unberücksichtigt. Der Rohüberschuss kann darüber hinaus durch die Bildung oder Auflösung von stillen Reserven beeinflusst werden.

Achtung: Ein Unternehmen, das einen hohen Überschussanteil weitergibt, aber nur sehr geringe absolute Rohüberschüsse erwirtschaftet hat, bringt den Versicherten unter Umständen weniger Entlastung als ein Unternehmen mit niedriger Überschussverwendungsquote, aber hohen Überschüssen.

Verwaltungskostenquote

= Verwaltungsaufwendungen : Bruttobeiträge

Aussage: Die Verwaltungskostenquote gibt an, welcher Anteil der Bruttobeiträge eines Jahres für Verwaltungsleistungen verbraucht wurde.

Diese Kennzahl gibt Hinweise darauf, wie kostengünstig ein Versicherungsunternehmen seine Dienstleistung erbringt. Deshalb ist eine niedrige Verwaltungskostenquote eher positiv, eine hohe eher negativ zu werten.

Ausnahmen:

  • Eine überdurchschnittlich hohe Verwaltungskostenquote kann auch durch zusätzliche Serviceleistungen des Unternehmens wie Beratung in Gesundheitsfragen oder Vermittlung von Spezialisten und geeigneten Krankenhäusern zustande kommen.
  • Eine hohe Verwaltungskostenquote kann auch dadurch entstehen, dass das Versicherungsunternehmen überdurchschnittlich viele Beamte in seinem Bestand hat. In deren Beihilfetarifen ist der Versicherungsbeitrag bei gleichen Verwaltungskosten je Vertrag grundsätzlich niedriger, da nur ein Teil des Risikos versichert werden muss.

Achtung: Die Verwaltungskostenquote ist automatisch niedriger, wenn die Bruttobeiträge wegen hoch kalkulierter Schadenaufwendungen, Abschlusskosten oder eines hohen Sicherheitszuschlags überdurchschnittlich hoch sind.

Schadenquote

= Schadenaufwand : Bruttobeiträge

Aussage: Die Schadenquote gibt an, welcher Anteil der Bruttobeiträge eines Jahres für die Versicherungsleistungen und den planmäßigen Nettozuwachs der Alterungsrückstellungen benötigt wurde.

Diese Kennzahl ist ohne zusätzliche Informationen über die Zusammensetzung des Schadenaufwands nicht eindeutig interpretierbar:

  • Beruht eine hohe Schadenquote auf überdurchschnittlichen Ausgaben für Versicherungsleistungen, etwa wegen zu knapp kalkulierter Beiträge oder unzureichender Gesundheitsprüfungen bei Vertragsschluss, so ist das eher negativ zu werten.
  • Ist die Schadenquote hingegen hoch, weil die planmäßige Zuführung zu den Alterungsrückstellungen hoch ist, so ist das eher positiv zu werten.

Achtung: Die Schadenquote ist automatisch niedriger, wenn die Bruttobeiträge wegen hoch kalkulierter Abschluss- oder Verwaltungskosten oder eines hohen Sicherheitszuschlags überdurchschnittlich hoch sind.

Abschlusskostenquote

= Abschlussaufwendungen : Bruttobeiträge

Aussage: Die Abschlusskostenquote gibt an, welcher Anteil der Bruttobeiträge eines Jahres für den Neuabschluss von Verträgen aufgewendet wurde. Ihre Höhe wird nicht nur von den Kosten je Neuabschluss vor allem für Vermittlerprovisionen, sondern auch vom Umfang des Neugeschäfts im betreffenden Jahr bestimmt.

Daher ist diese Kennzahl ohne zusätzliche Informationen über die Entwicklung des Kundenbestands nicht eindeutig interpretierbar:

  • Eine hohe Abschlusskostenquote, die auf hohen Provisionen je Vertrag beruht, ist eher negativ zu werten.
  • Entsteht eine hohe Abschlusskostenquote jedoch durch umfangreiches Neugeschäft, zum Beispiel bei jungen Unternehmen, ist das kein negatives Zeichen.

Achtung: Die Abschlusskostenquote ist automatisch niedriger, wenn die Bruttobeiträge wegen hoch kalkulierter Schadenaufwendungen oder Verwaltungskosten oder eines hohen Sicherheitszuschlags überdurchschnittlich hoch sind.

Nettoverzinsung

=   Kapitalanlageergebnis : mittlerer Kapitalanlagebestand

Aussage: Die Nettoverzinsung gibt an, welche Verzinsung das Unternehmen im Geschäftsjahr mit seinen Kapitalanlagen erzielt hat.

Die Nettoverzinsung wirkt sich direkt auf die gesetzlich vorgeschriebene Direktgutschrift in Höhe von 90 Prozent des Überzinses (= Nettoverzinsung minus Rechnungszins von 3,5 Prozent) aus.

Je höher die erreichte Nettoverzinsung, desto höher ist – absolut gesehen – die Direktgutschrift an die Versicherten zur Begrenzung von Beitragserhöhungen im Alter.

Deshalb ist eine hohe Nettoverzinsung eher positiv, eine niedrige eher negativ zu bewerten.

Ausnahme: Ein eigentlich schlechtes Kapitalanlageergebnis kann durch die kurzfristige Auflösung stiller Reserven vorübergehend künstlich aufgebessert werden. Dies kann z. B. durch den Verkauf von Aktien geschehen, deren Kurs über dem Buchwert der Papiere liegt. In diesem Fall erhalten die Versicherten zwar – noch – eine hohe Direktgutschrift, die Kennzahl hat aber keinen positiven Aussagewert mehr für die Zukunft.

Achtung: Bei jungen Krankenversicherungsunternehmen mit noch relativ geringen Kapitalanlagen hängt die vom Unternehmen erreichte Nettoverzinsung unmittelbar mit dem gesamtwirtschaftlichen Zinsniveau zusammen. Bei älteren Unternehmen wirkt sich das aktuelle Zinsniveau wegen des hohen Anteils festverzinslicher Wertpapiere im Kapitalanlagebestand erst mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu zehn Jahren auf die Nettoverzinsung aus.

In Zeiten niedrigen Zinsniveaus erreichen die jungen Unternehmen daher eher eine niedrigere, in Zeiten hohen Zinsniveaus eher eine höhere Nettoverzinsung als ältere Unternehmen.

Laufende Durchschnitts­verzinsung

= laufendes Kapitalanlageergebnis : mittlerer Kapitalanlagebestand

Aussage: Die laufende Durchschnittsverzinsung setzt das Kapitalanlageergebnis aus laufenden Erträgen (Zinsen, Dividenden, Mieten, Pachten usw.) und laufenden Aufwendungen (z. B. Verwaltungskosten der Kapitalanlagen) eines Geschäftsjahres ins Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagebestand.

Diese Kennzahl beschreibt wie die Nettoverzinsung den Kapitalanlageerfolg eines Unternehmens. Sie kann allerdings nicht durch die Auflösung von stillen Reserven aufgebessert werden, weil sie nur regelmäßig anfallende Erträge und Aufwendungen berücksichtigt. Daher ist sie besser geeignet als die Nettoverzinsung, den tatsächlichen Erfolg des Unternehmens bei der Kapitalanlage zu beschreiben.

Eine hohe laufende Durchschnittsverzinsung ist positiv zu bewerten.

Achtung:

  • Die laufende Durchschnittsverzinsung berücksichtigt nur einen Teil des tatsächlichen Kapitalanlageergebnisses, das in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung aufgeführt und für die Überschussbeteiligung der Versicherten relevant ist. Aus der Höhe der laufenden Durchschnittsverzinsung kann daher im Unterschied zur Nettoverzinsung nicht unmittelbar auf die Höhe der Überschussbeteiligung der Versicherten geschlossen werden.
  • In Zeiten niedrigen Zinsniveaus erreichen junge Unternehmen eher eine niedrigere, in Zeiten hohen Zinsniveaus eher eine höhere laufende Durchschnittsverzinsung als ältere Unternehmen (siehe Nettoverzinsung).

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