Viele private Krankenversicherer haben zum Jahresbeginn kräftig an der Beitragsschraube gedreht.

Finanztest bekommt zurzeit viel Post von privat krankenversicherten Lesern. Sie ärgern sich, weil sich ihr Versicherungsschutz gegenüber dem Vorjahr teilweise um 30 bis 50 Prozent verteuert hat. Neben den Beiträgen sind oft auch die Selbstbehalte gestiegen.

Ein 34-jähriger Kunde der Central Krankenversicherung schreibt uns zum Beispiel, dass er seit Anfang des Jahres rund 250 Euro im Monat für seine Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt. Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 50 Prozent mehr als beim Abschluss vor vier Jahren.

Warum die Beiträge steigen

Für die massiven Beitragserhöhungen gibt es mehrere Gründe:

  • Versicherte nehmen mehr und teurere Behandlungen und Medikamente in Anspruch. Die Gesundheitsausgaben der Privatversicherer steigen noch stärker als die der gesetzlichen Kassen.
  • Die Lebenserwartung der privat Krankenversicherten steigt. Die Versicherer müssen das einkalkulieren. Das allein hat im Schnitt schon eine Beitragser­höhung von 2 bis 4 Prozent zur Folge.
  • Verlässt ein Kunde seine Versicherungsgesellschaft, fallen die für ihn gebildeten Alterungsrückstellungen dem Unternehmen als Stornogewinne zu. Diese Gewinne gehen zurück, weil immer weniger Kunden den Versicherer wechseln und weil der Rückweg in die gesetzliche Kasse seit 2001 versperrt ist.
  • Einige Unternehmen haben viel Geld am Kapitalmarkt verloren. Deshalb haben sie weniger Geld, um anstehende Beitragserhöhungen zu dämpfen.

Was Kunden jetzt tun können?

Die Versicherten haben kaum Chancen, gegen den Beitragsanstieg rechtlich vorzugehen. Wenn ihre Rechtsschutzversicherung nicht dafür zahlt, versuchen sie es besser nicht. Der Versicherer muss eine Erhöhung nur zurücknehmen, wenn er nachweislich falsch kalkuliert oder gegen Vorschriften verstoßen hat.

Kündigen und zu einer anderen Gesellschaft wechseln ist auch keine Lösung. Die meisten Kunden machen ­dabei Verlust, denn sie verlieren die für sie angesammelten Alterungsrückstellungen. Außerdem müssen sie sich erneut einer Gesundheitsprüfung stellen.

Der beste Weg, Beiträge zu reduzieren, ist der Wechsel in einen gleichartigen, günstigeren Tarif derselben Versicherungsgesellschaft. Auf dieses Recht des Kunden müssen die Unternehmen bei jeder Beitragsanpassung hinweisen.

Gibt es keinen ähnlichen, günstigeren Tarif, kann der Kunde im laufenden Vertrag Leistungen abspecken und so sparen. Er kann zum Beispiel für Krankenhausaufenthalte ein Zweibett- statt ein Einbettzimmer vereinbaren.

Auch ein höherer Selbstbehalt kann den Beitrag senken, selbst dann, wenn der Versicherte krank wird und Behandlungskosten bis zum vereinbarten Betrag zahlen muss. Für Arbeitnehmer lohnt sich das aber nicht immer, weil der Arbeitgeber sich zwar an den Beiträgen, nicht aber am Selbstbehalt beteiligt.

Ist der Beitrag immer noch zu hoch, bleibt für einige als Ausweg der Standardtarif, den alle Krankenversicherer anbieten. Er bietet nur etwa die Leistungen der gesetzlichen Kassen und darf nicht mehr kosten als deren Höchstbeitrag, derzeit 498,70 Euro im Monat.

Zugang zum Standardtarif haben nur Kunden, die mindestens zehn Jahre privat krankenversichert sind. Zusätzlich muss der Versicherte mindestens 65 Jahre alt sein, oder er ist mindestens 55 Jahre alt und verdient im Jahr weniger als 41 850 Euro brutto. Auch Frührentner können den Tarif nutzen.

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