Private Kranken­versicherung Special

Wollen privat Kranken­versicherte Geld sparen, ist der Tarifwechsel beim eigenen Versicherer eine Option. Lang­jährige Kunden haben jetzt die Wahl zwischen alten Tarifen und neuen Unisex-Tarifen. Doch Vorsicht: Wer sich einmal für einen Unisex-Tarif entscheidet, kann nicht mehr in einen alten Tarif zurück. Finanztest zeigt, wie privat Versicherte ihren Beitrag reduzieren können.

Neuverträge bis 8 Prozent teurer

Die privaten Kranken­versicherer haben ihr Neugeschäft seit Ende 2012 auf Unisex umge­stellt, mit gleichen Beiträgen für Frauen und Männer. Eigentlich sollten Frauen die Gewinner der Umstellung sein, denn in bisherigen Bisex-Tarifen zahlen sie in der Regel mehr als Männer. Doch die neuen Tarif sind häufig nicht güns­tiger, sondern teurer. Das liegt daran, dass die Versicherer die Beiträge nun anders kalkulieren. Viele Privatversicherer haben bei den neuen Unisex-Tarifen zudem ihren Rechnungs­zins erst­mals nach mehr als 50 Jahren von 3,5 auf 2,75 Prozent gesenkt. Mit diesem Zins­satz wird der Spar­anteil des Beitrags verzinst, der als Alterungs­rück­stellung ange­sammelt wird.

Bisex-Tarife vergreisen

Die Zins­senkung hat zur Folge, dass Kunden in Neuverträgen mehr Beitrag zahlen. Die Branche spricht von mindestens 6 bis 8 Prozent Steigerung und begründet das mit der lang anhaltenden Nied­rigzins­phase. Auf lange Sicht kann das für privat Versicherte mit alten Verträgen zu Beitrags­steigerungen führen. Der Grund: Die bisherigen Bisex-Tarife sind jetzt für junge, gesunde Neueinsteiger geschlos­sen, da sie nur noch Unisex abschließen dürfen. Damit veralten die Bisex-Tarife lang­fristig.

Altkunden können wechseln

Privat Versicherte haben die Möglich­keit, jeder­zeit ihr Tarifwechselrecht zu nutzen. Sie können in einen Tarif mit gleich­artigem Versicherungs­schutz bei ihrem bisherigen Versicherer wechseln. Dabei bleiben die Rück­stel­lungen fürs Alter, die der Versicherer mit einem Teil der Beiträge des Kunden gebildet hat, sowie alle anderen bisher erworbenen Rechte erhalten. Neukunden bekommen solche Tarife nicht mehr, doch Altkunden ­haben weiterhin die Wahl. Sie dürfen jeder­zeit wieder wechseln – in Bisex- und Unisex-Tarife. Doch einmal Unisex, immer Unisex. Der Wechsel von Unisex zurück zu Bisex geht dann nicht mehr.

Pflicht der Versicherer

Jeder Versicherer muss seine Kunden zumindest dann auf das Wechselrecht hinweisen, wenn er den Beitrag erhöht. Bei Kunden über 60 Jahre ist das Gesetz noch strenger: Ihnen muss das Unternehmen Tarife nennen, in denen der Versicherte Beitrag sparen kann. Dabei muss der Versicherer insbesondere solche Tarife vorschlagen, die im letzten Jahr den höchsten Neuzugang hatten.

Spar­möglich­keiten für Versicherte

Privatversicherte können neben dem Tarifwechsel auch ihren bisherigen Tarif abspe­cken. Dazu müssen sie bei ihrer Versicherung nach­fragen, ob sie zum Beispiel im Kranken­haus das Einbett- durch ein Zweibett­zimmer ersetzen können. Bei der Reduzierung von Leistungen darf der Versicherer keine Risiko­zuschläge verlangen. Das kann er nur, wenn der neue Tarif mehr Leistungen enthält als der alte. Ebenfalls kann er hier auch einen Leistungs­ausschluss verlangen, wenn ihm das Krank­heits­risiko des Versicherten zu hoch ist.

Wo Sie konkret sparen können

Die Versicherungs­experten von Finanztest zeigen im Test-Artikel, wie Versicherungs­kunden erfolg­reich gewechselt haben und erklären im Detail, wo konkret gespart werden kann. Dazu erklären sie, in welchen Fällen die Einschaltung von Beratern lohnen kann und wie Versicherte sinn­voll vorgehen, wenn sich der Versicherer beim Wechsel­wunsch quer­stellt.

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