Private Kranken­versicherung Stan­dard­tarif wählen und Beitrag senken

Private Kranken­versicherung - Stan­dard­tarif wählen und Beitrag senken
Beitrag senken. Wird die private Kranken­versicherung im Alter zu teuer, ist der Stan­dard­tarif ein möglicher Ausweg. © Getty Images

Alle privaten Kranken­versicherer müssen für ihre lang­jährigen Kunden den Stan­dard­tarif anbieten. Ein Wechsel kann den Beitrag erheblich senken.

Inhalt

Leistungen entsprechen denen der gesetzlichen Kassen

Der Stan­dard­tarif ist eine gute Alternative für lang­jährig Versicherte, da sie über viele Jahre in ihrem bisherigen Tarif Alterungs­rück­stel­lungen gebildet haben. Die Leistungen des Stan­dard­tarifs entsprechen etwa denen der gesetzlichen Kassen. Unsere Tabelle zeigt die Unterschiede von Stan­dard­tarif, den normalen Tarifen in der privaten Kranken­versicherung sowie den Regel­leistungen der gesetzlichen Kranken­versicherung.

Stan­dard­tarif kostet oft weniger als bisherige Kranken­versicherung

War der bisherige Versicherungs­vertrag eines Kunden deutlich leistungs­stärker, kann die Versicherungs­gesell­schaft bei einem Wechsel in den Stan­dard­tarif einen Teil der Alterungs­rück­stellung auflösen und zur Beitrags­senkung verwenden. Dadurch kostet die Versicherung im Stan­dard­tarif meistens erheblich weniger als ein normaler Kranken­versicherungs­tarif.

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Der Beitrag ist gesetzlich begrenzt

Der gesetzliche Höchst­beitrag für den Stan­dard­tarif beträgt zur Zeit 706,28 Euro im Monat (Wert für 2022). Das ergibt sich aus dem allgemeinen Beitrags­satz der gesetzlichen Krankenkassen vom 1. Januar des Vorjahres und der aktuellen Beitrags­bemessungs­grenze. Mehr dürfen die privaten Versicherer im Stan­dard­tarif nicht verlangen. Meistens liegt der Beitrag jedoch deutlich nied­riger – nicht einmal ein Prozent der Stan­dard­tarif-Kunden zahlt so viel. Im Durch­schnitt zahlen Stan­dard­tarif-Versicherte etwa 390 Euro im Monat.

Ehepaare bezahlen zusammen maximal 150 Prozent des gesetzlichen Höchst­beitrags, wenn ihr jähr­liches Gesamt­einkommen die Beitrags­bemessungs­grenze der gesetzlichen Kranken­versicherung nicht über­steigt (2022: 58 050 Euro).

Wer in den Stan­dard­tarif kann

Der Stan­dard­tarif steht allen Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die Private Kranken­versicherung gewechselt sind und seit mindestens zehn Jahren privat kranken­versichert sind. Für Beamte gibt es Varianten des Stan­dard­tarifs, die dem Umfang ihres benötigten Versicherungs­schutzes entsprechen – je nachdem, wie hoch ihr Beihilfe­anspruch ist. Notwendig für die Aufnahme in den Stan­dard­tarif ist außerdem, dass die Kunden:

  • mindestens 65 Jahre alt sind oder
  • mindestens 55 Jahre alt sind, wenn ihr gesamtes jähr­liches Einkommen die Beitrags­bemessungs­grenze der gesetzlichen Kranken­versicherung (2022: 58 050 Euro brutto im Jahr) nicht über­steigt, oder
  • jünger als 55 Jahre alt sind und eine Rente oder eine Pension beziehen oder beantragt haben, wenn ihr gesamtes jähr­liches Einkommen die Beitrags­bemessungs­grenze der gesetzlichen Kranken­versicherung (2022: 58 050 Euro brutto im Jahr) nicht über­steigt.

Ihre Familien­angehörigen, die bei einer Versicherung in der gesetzlichen Kranken­versicherung beitrags­frei familien­versichert wären, können ebenfalls in den Stan­dard­tarif wechseln.

Vorsicht bei Wechsel in Unisex-Tarif

Versicherte, die in einen der im Dezember 2012 einge­führten Unisex-Tarife mit geschlechts­unabhängigen Beiträgen gewechselt sind, haben keinen Zutritt zum Stan­dard­tarif. Das gilt selbst dann, wenn sie vom Alter oder Einkommen her die Kriterien für die Aufnahme in den Stan­dard­tarif erfüllen würden.

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21 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.11.2021 um 12:28 Uhr
Stationäre Reha - Keine Leistung im Standardtarif

@stipec: Ja, wer im Standardtarif versichert ist, bezahlt die Kosten einer stationären Kur, wozu auch die Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Klinik nach einem Schlaganfall gehört, privat selbst.

stiptec am 13.11.2021 um 10:06 Uhr
Stationäre Reha - Keine Leistung im Standardtarif?

Ihrer Tabelle zum Vergleich des Standardtarifs mit den Normaltarifen in GKV und PKV entnehme ich, dass der Standardtarif nicht leistet bei stationären Vorsorge- und Rehakuren. Heißt das, dass eine Anschlussheilbehandlung z. B. nach einem Schlaganfall zur Wiederherstellung der motorischen Fähigkeiten selbst bezahlt werden muss?
Besten Dank!

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.05.2021 um 11:25 Uhr
150% Deckelung im Standardtarif bei 2 Versicherung

@aldemar: in § 8a der Musterbedingungen für den Standardtarif heißt es: „Sind die Ehegatten oder Lebenspartner nicht bei demselben Versicherer versichert, wird von jedem Ehegatten oder Lebenspartner die Hälfte des maßgeblichen Gesamtbeitrags erhoben. Liegt der individuelle Beitrag eines Versicherten jedoch niedriger als die Hälfte des maßgeblichen Gesamtbeitrags, so wird der gesamte Kappungsbeitrag dem anderen Ehegatten oder Lebenspartner zugerechnet.“
Wir gehen davon aus, dass die Versicherten den beiden Versicherungsgesellschaften mitteilen müssen, dass es einen ebenfalls im Standardtarif versicherten Ehepartner gibt. Ob Sie rückwirkend noch überzahlte Beträge zurück fordern können, wissen wir nicht, da es ja nicht in den Verantwortungsbereich der Versicherungsgesellschaften fällt, sich diese Informationen zu besorgen. Wenn Sie durch einen Versicherungsmakler oder -berater betreut werden, müsste möglicherweise dieser haften, wenn es zu seinen Beratungspflichten gehört, seine Klienten auf so etwas aufmerksam zu machen. Rechtsprechung ist uns zu diesem Thema nicht bekannt. (PH)

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.05.2021 um 09:38 Uhr
Tarif der PKV im Standardtarif

@habicht125: Wir kennen weder Ihren Versicherer noch die Besonderheiten Ihres Tarifs. Am besten wenden Sie sich mit Ihren Vertragsunterlagen an die Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes und lassen sich dort beraten. www.verbraucherzentrale.de
Richtig ist, dass bei der PKV anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung die Höhe des Einkommens bei der Beitragshöhe keine Rolle spielt. Man hat aber das Recht, in einen anderen Tarif beim selben Anbieter zu wechseln, wo die Kosten geringer sind. Auch hier ist aber die Auswahl gering und es bereitet viel Mühe, einen billigeren Tarif zu finden. Bitte lesen Sie unsere Tipps unter dem nachstehenden Link. (PH)
https://www.test.de/Private-Krankenversicherung-Mit-einem-Tarifwechsel-viel-Geld-sparen-4880801-0/

aldemar am 24.05.2021 um 20:48 Uhr
150% Deckelung im Standardtarif bei 2 Versicherung

Meine Eltern sind beide seit über zehn Jahren im Standardtarif versichert, allerdings bei zwei verschiedenen Gesellschaften (DKV bzw. Allianz). Das Einkommen liegt unterhalb der Grenze. Eine Deckelung wurde bisher nicht berücksichtigt.
Greift die 150% Deckelung für Ehegatten auch wenn beide bei unterschiedlichen Gesellschaften versichert sind?
Wenn ja, besteht Anspruch auf evtl. Erstattung zuviel bezahlter Beiträge und für welchen Zeitraum?