Private Haftpflicht Meldung

Jeder Haushalt sollte eine private Haftpflichtversicherung haben. Doch bei den Preisen und Leistungen unterscheiden sich die Anbieter gewaltig.

Hilfe, mein Mann hat mit dem Rad eine Fußgängerin angefahren, die plötzlich einen Schritt auf den Radweg machte. Nun schreibt ihr Anwalt wegen Schmerzensgeld. Sie hat drei Zeugen, wir keinen – und keine Rechtsschutzversicherung. Was tun?“

Die Antwort auf diese Frage in einem On­lineforum ist klar: Eine Rechtsschutzversicherung ist gar nicht nötig. Viel besser wäre eine Haftpflichtversicherung. An die würde der Ehemann das Anwaltschreiben einfach weiterleiten – die Versicherung wirkt dann als Rechtsschutz. Sie prüft, ob die Ansprüche berechtigt sind. Falls ja, zahlt sie. Falls nicht, lässt sie es auf einen Prozess ankommen, auf eigenes Risiko.

Die Privathaftpflichtpolice steht immer dann ein, wenn Fremde Haftpflichtansprüche stellen, zum Beispiel Schadenersatz oder Schmerzensgeld fordern. Der Vertrag ist für jeden Haushalt unverzichtbar. Denn wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür geradestehen – da ist das Gesetz unerbittlich. Schon aus vermeintlichen Kleinigkeiten können existenzvernichtende Ka­ta­strophen werden: Wenn im Fall oben die Fußgängerin einen gesundheitlichen Dauerschaden davonträgt und vor Gericht Recht bekommt, muss der Ehemann am Ende Hunderttausende Euro zahlen.

Sogar Kinder sind voll in der Haftung, soweit sie nach ihrer persönlichen Entwicklung die Folgen absehen konnten. So musste ein 14-Jähriger eine fünfstellige Summe zahlen: Er hatte heimlich geraucht – ausge­rechnet in einer Scheune. Dass das brandgefährlich ist, muss jemand in dem Alter wissen (OVG Koblenz, Az. 7 A 10183/08. OVG). Kann der Junge nicht zahlen, darf der Scheunenbesitzer warten, bis er Geld hat.

Anders ist das bei Kindern unter sieben Jahren. Sie haften gar nicht. Schießt ein Fünfjähriger mit dem Ball die Fensterscheibe des Nachbarn ein, bleibt der auf seinem Schaden sitzen. Es sei denn, er hat selbst eine Haftpflichtversicherung und darin als Zusatz eine Forderungsausfalldeckung abgeschlossen. Dann trägt seine eigene Versicherung den Schaden.

Im Straßenverkehr gilt der Haftungsausschluss sogar bis zum zehnten Lebensjahr. Eltern müssen in solchen Fällen nur zahlen, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Vor allem wenn Kinder mit Feuer gespielt haben, stellt die Rechtsprechung sehr hohe Anforderungen. Feuer­zeuge so aufzubewahren, dass sie in Reichweite von Kindern sind, gilt meist als grob fahrlässig (OLG Hamm, Az. 9 U 219/96). Falls die Eltern haften müssen, hilft die Haftpflichtversicherung. Sie zahlt sogar bei grober Fahrlässigkeit, Vorsatz ist aber ausgeschlossen.

Beim Leistungsumfang unterscheiden sich die Tarife sehr – und beim Preis. Günstige Verträge gibt es schon ab rund 60 Euro im Jahr, teure kosten dreimal so viel. Unser Computer sucht günstige Policen heraus. Wichtig sind besonders diese Leistungen:

Mietsachschäden: Gemietete Wohnungen, Häuser, Schrebergärten, Ferienhäuser sollten mitversichert sein. Glasschäden und Schäden an Heizungsanlagen sind aber meist ausgeschlossen.

Allmählichkeit: Schäden, die nicht sofort passieren, sondern erst nach und nach, sind im Grundschutz meist nicht enthalten: zum Beispiel wenn der Versicherte mit dem Bohrer, ohne es zu merken, eine Wasserleitung trifft und nach Monaten die Wand neu gemauert werden muss. Sichern Sie dies mit mindestens 3 Millionen Euro ab.

Gewässer: Wenn Verdünnungsmittel oder Heizöl ins Grundwasser gelangen, kann das teuer werden. Heizöltanks sind oft – aber nicht immer – mit­ver­si­chert, solange sie oberirdisch liegen und maximal 5 000 Liter fassen. Ansonsten ist eine Gewässerschaden-Haftpflichtpolice notwendig.

Häusliche Abwässer: Damit sind Schäden gemeint, die am Haus entstehen, zum Beispiel durch ein gebrochenes Rohr.

Hundehüten: Wer auf fremde Tiere aufpasst, muss oft für Schäden haften.

EDV: Schäden, die durch die Benutzung eines PCs entstehen, etwa die unbeabsichtigte Übertragung von Computerviren.

Ferienwohnung: Auch wer ein Ferienhaus im Ausland mietet, braucht den Schutz.

Ausland: Der Haftpflichtschutz sollte auch für längere Auslandsaufenthalte gelten. Die meisten Versicherer bieten maximal ein Jahr an, andere auch bis drei Jahre.

Vorsorge: Manche Risiken kommen später hinzu, ohne dass man gleich an die Versi­cherung denkt (Anschaffung eines Hundes etwa). Das Risiko ist dann sofort gedeckt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 148 Nutzer finden das hilfreich.