Private-Equity-Dachfonds Meldung

Ein Dachfonds streut das Anlegergeld, indem er selbst in Fonds investiert. So ist er indirekt an vielen Firmen beteiligt. Ein Dachfonds ist nicht billig, weil auf zwei Ebenen Kaufkosten und Managementgebühren anfallen.

Ein Dachfonds streut das Anlegergeld, indem er selbst in Fonds investiert. So ist er indirekt an vielen Firmen beteiligt. Ein Dachfonds ist nicht billig, weil auf zwei Ebenen Kaufkosten und Managementgebühren anfallen.

Firmen wie die RWB AG bieten Kleinanlegern Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen an. Sie stellen hohe Renditen in Aussicht. Ob der Anleger wirklich ­gewinnt, ist ungewiss. Sicher ist hingegen, dass es teuer wird.

Schon mal vom US-amerikanischen Unternehmen Shoebuy.com gehört? Nein? Shoebuy.com könnte vielleicht einmal für Schuhe das Internetkaufhaus schlechthin werden. Es wäre doch schön für Privat­anleger, wenn sie am Aufstieg der Firma teilhaben könnten.

Früher mussten Anleger oft große Summen auf einmal hinlegen, um als Kapitalgeber bei solchen Hoffnungsträgern einzusteigen. Inzwischen machen es Private-Equity-Dachfonds möglich, sich bereits mit wenig Geld an Firmen zu beteiligen, die noch nicht an der Börse notiert sind.

Der englische Begriff „Equity“ bedeutet Anteilskapital. „Private“ hingegen steht für den privaten, nichtöffentlichen Charakter des vom Anleger hingegebenen Kapitals.

Nichtöffentlich deswegen, weil dieses Geld nicht an reglementierten und überwachten öffentlichen Börsen angelegt wird. Denn die Unternehmen, an die das Kapital geht, stecken meistens noch in den Kinderschuhen.

Marktführer unter den Anbietern dieser Dachfonds ist das Unternehmen RenditeWertBeteiligungen AG (kurz RWB AG) mit Firmensitz in Oberhaching bei München. Allein im Jahr 2004 sammelte RWB von den Anlegern rund 215 Millionen Euro Beteiligungskapital ein und damit mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2003.

So ein Dachfonds investiert das Geld in Fonds, die ihrerseits in Einzelunternehmen wie Shoebuy.com investieren (siehe Grafik). Der RWB-Dachfonds „Private Capital Fonds International II“ hatte das Geld der Anleger am 31. Dezember 2004 auf zwölf Fonds verteilt, die an insgesamt 64 Einzelunternehmen beteiligt waren.

Die RWB AG wendet sich an Anleger, die in Zeiten schwächelnder Börsen und niedriger Zinsen andere Ertragsmöglichkeiten suchen. Dieser Zielgruppe bietet die RWB AG derzeit zwei verschiedene Arten der Beteiligung an, die sich rechtlich und steuerlich unterscheiden.

Bei Typ A beteiligt sich der Anleger am Dachfonds als Kommanditist und muss eine Einmalanlage von mindestens 2 000 Euro plus 5 Prozent Aufgeld (Agio) einzahlen. Spätere Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei, andererseits gibt es keine steuerlich abzugsfähigen Anlaufkosten.

Die meisten RWB-Anleger bevorzugen jedoch den steuerwirksamen Typ B. Sie beteiligen sich als „atypisch stille Gesellschafter“ an dem RWB-Dachfonds. Anfangs können sie Anlaufverluste in Höhe von rund 35 Prozent ihrer Einlage steuerlich geltend machen. Veräußerungsgewinne müssen sie grundsätzlich versteuern.

Die Beteiligung über Typ B läuft mindestens zehn Jahre. Der Anleger zahlt entweder eine Einmalanlage von mindestens 1 000 Euro plus 5 Prozent Aufgeld oder monatliche Raten ab 50 Euro plus 6 Prozent Aufgeld.

Mit dem Dachfonds Typ B versucht RWB offenbar auch Ratensparer zu erreichen, die bisher bei Banken und Discountbrokern über einen Sparplan in Aktienfonds eingezahlt oder monatliche Raten für eine Kapital bildende Lebensversicherung entrichtet haben.

In beiden Fällen (Typ A und Typ B) ist der Anleger an Gewinn und Verlust des Dachfonds beteiligt. Laut Emissionspros-pekt der RWB ist ein Totalverlust möglich. Der Anleger kann im Extremfall sein ganzes Geld verlieren, muss aber kein Geld nachschießen, falls der Fonds floppt.

Trotz der Möglichkeit des Totalverlustes geht die RWB in ihren Broschüren davon aus, dass Private Equity auch für Altersvorsorgesparer, so genannte „55-Plus-Investoren“, geeignet ist.

Chancen und Risiken

Natürlich kann der Private-Equity-Dachfonds auch Gewinn machen, wenn die Beteiligungsfonds einige Senkrechtstarter und wenig Pleitekandidaten erwischen. Alle Anbieter von Private-Equity-Fonds stellen den Anlegern zweistellige Renditen in Aussicht.

RWB erwartet „eine Anlegerrendite zwischen 12 und 16 Prozent“. Die Jahresrendite soll im langfristigen Durchschnitt 2,5 bis 5 Prozentpunkte über der Rendite von Aktienfonds liegen.

Private Equity basiert auf der einfachen Logik: Billig einkaufen, teuer verkaufen. Hat ein Unternehmen, das von einem Private-Equity-Fonds mit Kapital unterstützt wird, später Erfolg, dann wird es zum Beispiel Gewinn bringend verkauft oder an die Börse gebracht. Dadurch steigt erst das Vermögen des Beteiligungsfonds und am Ende auch der Wert der Beteiligung des Privatanlegers am Dachfonds.

In einer Ende Januar 2005 veröffentlichten Studie der Deutsche Bank Research über die Chancen von Private Equity heißt es: „Investitionen in Private Equity versprechen in der langen Frist hohe Renditen.“ Die Banker gehen davon aus, dass die Renditen langfristig über den Erträgen eines Aktienfonds liegen, warnen aber auch: „Die Höhe der Rendite ist jedoch stark abhängig von der Expertise und Erfahrung der Private-Equity-Gesellschaften.“

Damit der Anlageerfolg nicht von einer einzelnen Geschäftsidee abhängt, investiert ein Beteiligungsfonds in mehrere Unternehmen. Zahlt der Anleger in einen Dachfonds ein und nicht direkt in einen Beteiligungsfonds, wird sein Geld noch breiter gestreut. Denn der Dachfondsmanager verteilt die Anlegersummen auf mehrere Beteiligungsfonds mit jeweils anderen Anlageschwerpunkten, zum Beispiel in Ländern oder Branchen.

Auf Gedeih und Verderb

Für eine Anlage in Private-Equity-Fonds müssen Anleger viel Vertrauen mitbringen. Denn ihr Geld ist im Fonds lange gebunden: bis Ende 2011 bei Typ A von RWB und zehn Jahre bei Typ B. Ein Private-Equity-Dachfonds ist kein offener Aktienfonds, in den Anleger jederzeit ein- und aussteigen können. Ein Ausstieg ist nicht vor Ende der Laufzeit vorgesehen.

Ob Anleger ihre Beteiligung vor dem Ende der Laufzeit in Zukunft vielleicht auf einem Zweitmarkt verkaufen können, ist ungewiss. Derzeit existiert jedenfalls noch kein effektiver Zweitmarkt für Anteile an Private-Equity-Dachfonds. Und eine vorzeitige Teilrückzahlung, eine Entnahme, ist nur bei Typ B mit Einmalanlagen ab 7 500 Euro möglich.

Private-Equity-Dachfonds sind zudem für den Anleger wenig transparent. Wenn der Anleger mit der Einzahlung beginnt, stehen die Beteiligungsfonds und die Unternehmen, in die das Geld am Ende der Beteiligungskette fließen soll, zum Teil noch nicht fest.

Und auch wenn sich RWB-Anleger auf der Internetseite www.rwb-ag.de die Namen der unterstützten Unternehmen ansehen können – nicht jede dieser häufig im Ausland ansässigen Firmen hat selbst überhaupt eine Internetpräsentation.

Private Equity ist mit sehr viel mehr Risiko verbunden als ein Aktienfonds, der in bereits etablierte große Unternehmen setzt: Dass Microsoft künftig noch Computerprogramme verkauft, ist wahrscheinlich – ob der Neuling Shoebuy.com den Weltmarkt erobert, ist ungewiss.

RWB-Ratensparplan ist teuer

Wie sich die Rendite eines RWB-Fonds in Zukunft entwickelt, kann niemand sicher vorhersagen. Die Kosten sind dagegen heute schon klar und sie sind enorm hoch.

Bei einem Ratensparplan (RWB-Dachfonds nach Typ B) nimmt sich die RWB gleich zu Anfang erst einmal insgesamt 23,9 Prozent vom Geld des Anlegers weg. Den größten Batzen bekommt der Vertrieb (19,5 Prozent der Einlage). Diese sehr „hohe Provision ist sicher der Grund für den Verkaufserfolg des RWB-Fonds, nicht die Produktqualität“, urteilt Fondsexperte Stefan Loipfinger in seinem „Fondstelegramm“.

Der RWB-Dachfonds steht mit diesem beherzten Griff ins Anlegerportmonee nicht allein. Auch andere Anbieter von Private-Equity-Dachfonds kassieren vom Geld der Anleger gleich zu Anfang 10 Prozent und mehr ein.

Neben den einmaligen Kosten von 23,9 Prozent muss der RWB-Ratensparer zusätzlich pro Anlagejahr noch Geld für Verwaltung und Management des Fonds zahlen, und zwar mindestens 1,75 Prozent des Kapitals, das er im Laufe der Anlagedauer einzahlen wird. Diese jährlichen Kosten fallen an, sobald alle Anteile an dem Fonds verkauft sind, was voraussichtlich Ende Juni 2005 der Fall sein wird.

Ein Anleger, der einen Sparplan abgeschlossen hat, in den er im Laufe von zehn Jahren mit Monatsraten von 50 Euro insgesamt 6 000 Euro einzahlen wird, zahlt also pro Jahr laufende Kosten in Höhe von 105 Euro (1,75 Prozent von 6 000 Euro).

Finanztest hat nachgerechnet: Nach zehn Jahren sind beispielweise von insgesamt eingezahlten 6 360 Euro (6 000 Euro plus 6 Prozent Aufgeld) knapp 2 500 Euro allein für Kosten verbraucht. Knapp 47 von insgesamt 120 Monatsraten gehen somit nur für Kosten drauf.

Damit ein Ratenzahler am Ende der Laufzeit wenigstens seine 6 360 Euro wiederbekommt, muss seine Beteiligung an dem Dachfonds schon mehr als 9 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften. Jeder Ratensparer ist gut beraten, solche kostenträchtigen Fondssparpläne zu meiden.

Der Sparer kann die RWB AG sogar bevollmächtigen, Beteiligungen an mehreren hintereinander geschalteten Fondsgesellschaften zu zeichnen. Dieses „PLUSsystem für Rateneinlagen“ ist völlig unübersichtlich und erinnert an die „SecuRente“ oder den „Pensions-Sparplan“ der Göttinger Gruppe. Anleger haben mit diesen dubiosen Angeboten viel Geld verloren.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1100 Nutzer finden das hilfreich.