Private Computer absetzen Meldung

Computer-Besitzer können das Finanzamt jetzt vom Scanner bis zur Soundkarte an ihren Kosten beteiligen, wenn sie berufliche und private Nutzung eindeutig trennen und auf weitere Regeln achten.

Alles oder nichts, lautete lange die Devise des Amtes. Wurde der heimische Computer weniger als zu 90 Prozent beruflich genutzt, konnten PC-Besitzer keinen Pfennig ihrer Ausgaben beim Finanzamt absetzen. Gegen diese hohe Messlatte klagten EDV-Dozenten, Informatiker, Lehrer und andere Betroffene mit Erfolg. Die Auseinandersetzung der häuslichen Computerarbeiter mit der Verwaltung zeigte nun endlich Wirkung: Wird der PC zu Hause als Arbeitsmittel genutzt, kann das Finanzamt die Anschaffungskosten jetzt auch anerkennen, wenn der Anteil der privaten Mitbenutzung über 10 Prozent liegt.

Ärgerlicher Papierkram

Der Zugriff des Fiskus hat sich zwar gelockert, geblieben ist aber ein altes Ärgernis. Wie bei einem Dienstwagen müssen alle Ausgaben für die private und berufliche Nutzung nachgewiesen und in einen beruflichen und privaten Anteil aufgeteilt werden. Ob und wie PC-Besitzer die Aufteilung glaubhaft nachweisen müssen, darüber sind sich die Finanzbehörden der Länder uneins. Während die Finanzämter in Brandenburg oder Bremen den beruflichen Nutzungsanteil schon einmal großzügig schätzen, halten sich die Berliner Ämter zurück. Sie pochen auf Aufzeichnungen der beruflichen und privaten Arbeitsstunden am Rechner. Doch kaum ein Computerarbeiter will und kann einen so hohen Aufwand betreiben, deshalb müssen sich viele Steuerpflichtige in der Hauptstadt nach wie vor mit der Alles-oder-Nichts-Klausel abfinden.

Hintergrund für das derzeitige "Durcheinander" in Sachen Computer: Der Gesetzgeber will die Abzugsfähigkeit der häuslichen Computer neu und anders regeln. Die volle Erstattung der Aufwendungen, von der bisher relativ wenig Arbeitnehmer profitieren, soll wegfallen. Stattdessen ist ein Höchstbetrag geplant, der sich an den Anschaffungskosten des Computers orientiert. Der Abzugsbetrag soll alle "Heimarbeiter" gleichermaßen steuerlich entlasten. Solange noch keine Klarheit über die Einzelheiten besteht, müssen Steuerzahler aufpassen: Wurde der Computer steuerlich nicht anerkannt, muss der Steuerbescheid in diesem Punkt vorläufig ergangen sein oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung stehen. Ist das nicht der Fall: Unbedingt Einspruch einlegen.

Hilfreiche Argumente

Wer die Anschaffungskosten des Heimcomputers in diesem Jahr erstmals steuerlich absetzen will, muss noch immer auf kritische Fragen gefasst sein. Die Fragebogen sind von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich, aber inhaltlich relativ gleich. Sie betreffen die technische Ausstattung des Computers, die Software, den Internetanschluss, die Onlinedienste, die Art und Weise der beruflichen Nutzung. Auf folgende Details achten die Beamten besonders:

Beruf.

Wer auch beruflich regelmäßig mit einem Computer arbeitet, hat gute Chancen, dass die berufliche Mitbenutzung des Heimcomputers akzeptiert wird. Überzeugende Argumente braucht aber derjenige, der keinen "Schreibtischberuf" ausübt.

Computertyp.

Ein technisch aufwendiger und dementsprechend teurer Computer spricht für eine berufliche Nutzung. Hersteller, Gerätetyp, Betriebssystem, Leistungsdaten, installierte Standardsoftware spielen bei der Einschätzung eine wichtige Rolle. Peripheriegeräte, die bei einer herkömmlichen Heimnutzung des Computers unüblich sind (zum Beispiel ein eingebauter Streamer zur Sicherung großer Datenmengen) unterstreichen eine überwiegend berufliche Nutzung.

Software für den Beruf.

Wer neben so genannten Trivialprogrammen (zum Beispiel Office-Programme wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation) auch spezielle Software für seinen Beruf geltend macht, kann die berufliche Nutzung untermauern. Rechnungen für Unterhaltungssoftware gefährden dagegen die steuerliche Anerkennung.

Multimedia-Ausstattung.

Ist der heimische Computer mit Lautsprecherboxen und Soundkarte ausgestattet, spricht das nicht mehr unbedingt gegen eine berufliche Verwendung, sondern gehört inzwischen zum technischen Standard. Hinzu kommt: Aktuelle Weiterbildungsprogramme für Computer sind heute fast ausnahmslos multimedial angelegt. Vorsicht ist dagegen bei speziellen Grafikkarten geboten. Wenn der PC zusätzlich mit einer 3D- oder Video-Grafikbeschleunigerkarte ausgerüstet ist, spitzen die Beamten gern den Rotstift an, wegen "nicht unerheblicher privater Mitbenutzung".

Risikofaktor Internet

Zwar sind die meisten Branchen heute auf Internet und Onlinedienste angewiesen, sodass es auch zu Hause einen beruflichen Anlass für den Internetanschluss gibt, aber die Steuerbehörde unterstellt im Normalfall private Gründe. Nach einem Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz (Az. 5 K 2776/98) ist der Netzzugang jedoch kein hinreichendes Indiz mehr für eine solche Vermutung. Ohne den konkreten Einzelfall geprüft zu haben, dürfen daher Netzkosten nicht gestrichen werden.

Die berufliche Notwendigkeit kann auch ein Nachweis über Preisvorteile von E-Mails im Vergleich zu traditionellen Kommunikationsmitteln (Porto für Briefe) unterstreichen. Als Königsweg für die Anerkennung von anteiligen Internetkosten kann sich auch eine eigene Website erweisen.

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