Private Abwasserleitungen Meldung

Rund eine Million Kilometer Abwasserrohre liegen unter deutschen Grundstücken – die meisten davon sind undicht. Sanieren müssen die Eigen­tümer.

Das Abwasser eines Gebäudes in Bayern versickerte anderthalb Jahre lang im Erdreich. Der Grund: Das Verbindungsstück zur öffentlichen Kanalisation war beim Bau einfach nicht verlegt worden. Zuletzt verstopften sogar die Poren im Boden – und das Schmutzwasser kam im Keller wieder hoch.

Robert Thoma, Bausachverständiger und Gerichtsgutachter aus Würzburg, kann von vielen ähnlichen Schäden an privaten Abwasserleitungen berichten. Zum Beispiel davon, dass eine Wurzel vom Nachbargrundstück ein Rohr zerstörte oder die Leitung durch Putz und Farbreste verstopft wurde. Die Folge auch dort: Das Wasser drückte zurück ins Haus, überschwemmte die Keller und Wohnräume. „Das wäre nicht geschehen, wenn man die Rohre vorher kontrolliert und saniert hätte. Aber viele Hausbesitzer wissen gar nicht, dass die meisten Rohre marode sind“, klagt Robert Thoma.

Der Zustand der rund 500 000 Kilome­ter langen öffentlichen Kanalisation ist weitgehend bekannt. Die kommunalen Entwässerungsbetriebe kontrollieren und sanieren sie. Die Experten wissen: Insgesamt müssten kurz- bis langfristig rund 40 Prozent dieser Rohre überholt werden.

Bis zu 90 Prozent sind marode

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Müssen undichte Abwasserrohre ausgegraben und erneuert werden, wird es oft teuer.

Die Leitungen unter privaten Grundstücken sind schätzungsweise doppelt so lang. Die genaue Schadensquote kennt man hier zwar nicht, doch Untersuchungen in einigen Orten zeigen: Bei 90 Prozent aller Grundstücke besteht Handlungsbedarf. In Köln beispielsweise waren von 545 untersuchten Grundstücksentwässerungen 536 zu bemängeln. Und eine Studie aus Göttingen zeigt: Abwasserrohre aus der Nachkriegszeit haben die meisten Schäden – Leitungen, die etwa 1950 bis 1965 verlegt wurden.

Es gibt Fristen für die Kontrolle

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Optisch werden Schäden aufgespürt, zum Beispiel eingewachsene Wurzeln geortet.

Was viele nicht wissen: Die Grundstückseigentümer müssen die Rohre kontrollieren und bei Schäden sanieren. Die Satzungen der Kommunen nennen Fristen oder schreiben vor, dass die Leitungen den anerkannten Regeln der Technik entsprechen müssen. Eine solche Regel ist die DIN 1986 über Entwässerungsan­lagen. Sie legt fest, dass private Abwasserrohre bis zum 31. Dezember 2015 auf Dichtheit geprüft und im Schadensfall saniert werden müssen.

In Nordrhein-Westfalen steht dieser Termin auch in der Landesbauordnung. Sie schrieb die Dichtheitsprüfung hier sogar schon bis zum 31. Dezember 2005 vor, wenn das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt und vor 1965 gebaut wurde. Im Neubau oder wenn größere Umbauten vorge­nommen wurden, ist eine Dichtheitsprüfung ohnehin Pflicht. Doch so mancher Bauleiter und Eigentümer scheint das zu versäumen.

Kommune kann Prüfung fordern

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Der Prüfer sieht dann auf dem Monitor, wo Gefahr droht und wo saniert werden muss.

Die Kommune kann eine Dichtheitsprüfung und Sanierung fordern. Und nach Paragraph 324 Strafgesetzbuch gilt auch: „Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt, ... wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Allerdings gilt die Strafdrohung eher für Industrie und Gewerbe mit stark verschmutztem Abwasser. Den privaten Eigentümern überlassen es die Kommunen in der Regel selbst, ob sie prüfen und sanieren wollen.

Nicht nur die Sanktionen sprechen dafür, die Gesetze einzuhalten: Kleine Schäden, die leicht und preiswert zu beheben wären, können sich zu großen auswachsen und dann richtig teuer werden. Ein Rückstau ins Haus beispielsweise verschmutzt Inventar, Böden und Wände und hat eine aufwendige Sanierung zur Folge. Außerdem kann das Abwasser die Umwelt schädigen. Zwar werden Fäkalien in der Regel abgebaut, das Wasser enthält aber zum Beispiel auch Reinigungsmittel, manchmal chlorhaltige. Und leider entsorgen manche Privathaushalte auch unzulässigerweise Problemstoffe über das Abwasser, zum Beispiel alte Medikamente. Die sollen natürlich nicht im Boden versickern.

Was das Sanieren kostet

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Die Kamera, hier an einer ferngesteuerten Schere, liefert Bilder aus dem Untergrund.

Fachfirmen prüfen die Dichtheit der Rohre. Um Schadstellen ausfindig zu machen, fahren sie eine Kamera ferngesteuert durch die Rohre. Das Ausmaß des Wasserverlustes prüfen sie mit Wasserdruck. Das Rohrsystem wird mit einer Dichtblase verschlossen und mit Wasser befüllt. Die Wassermenge, die zugeführt werden muss, um den Wasserstand zu halten, entspricht der Menge, die im Erdreich versickert. Die Prüfung mit Kamera und Wasserdruck kostet im Normalfall einige Hundert Euro. Wenn allerdings kein Kontrollschacht auf dem Grundstück vorhanden ist, muss er angelegt werden – das allein kostet schon etwa 1 500 bis 2 500 Euro.

Wie teuer eine Rohrsanierung wird, richtet sich nach dem Ausmaß der Schäden. Sind nur vereinzelte Risse oder Löcher auszubessern, kommt der Eigentümer mit einigen Hundert Euro aus. Muss aber eine komplette Leitung von innen renoviert, gar ganz oder teilweise erneuert werden, kommen schnell mehrere Tausend Euro zusammen.

In vielen Fällen müssen Rohre nicht aufgegraben werden. Mit Robotern oder durch Einstülpen bringen Fachfirmen kunstharzgetränkte Gewebe- oder Kunststoffschläuche in die Rohre ein. Die Schläuche werden zum Beispiel über Druckluft an die Rohrwände gepresst.

Sind die Schäden sehr groß, müssen die Rohre ausgetauscht werden. Unter der Grundplatte des Hauses sind sie jedoch schwer zugänglich. Sie werden deshalb unterhalb der Kellerdecke oder an der Kelleraußenwand durch neue Rohre ersetzt. Steht in dem Fall zum Beispiel eine Waschmaschine im Keller, muss eine Hebeanlage installiert werden, die das Abwasser hoch pumpt. Solche aufwendigen Erneuerungen können schon einmal 10 000 Euro kosten. Das ist viel Geld. Der Eigentümer muss es aus eigener Tasche bezahlen – bei selbst genutzten Immobilien ebenso wie bei vermieteten. Die Sanierung der Rohre ist eine Instandhaltungsmaßnahme, deren Kosten Vermieter – anders als bei einer Modernisierung – nicht auf die Miete umlegen dürfen.

Viele Eigentümer sehen nicht ein, war­um sie sanieren sollten. Vielleicht auch, weil die Rohre im Verborgenen liegen, mögliche Gefahren nicht offensichtlich sind. Eine Dachsanierung wird eher vorgenommen, schließlich könnte es ja durchregnen. Doch ein Rückstau kann letztendlich viel mehr kosten als eine vorsorgliche Sanierung.

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