Prepaid-Kreditkarten im Test Test

Schulden sind nicht möglich. Das macht Kreditkarten auf Guthabenbasis interes­sant für Jugend­liche, nicht nur auf Reisen.

Die Kreditkarte für jedermann, volle Ausgaben­kontrolle, ohne Schufa, immer im Plus, perfekt für Jugend­liche – so oder so ähnlich preisen Banken Prepaid-Kreditkarten an. Um sie einsetzen zu können, muss der Nutzer erst Geld auf die Karte laden. Ist das Guthaben verbraucht, geht nichts mehr. Genau das ist der Vorteil der Karte: Es kann nur das ausgegeben werden, was vorher aufgeladen wurde.

Bei klassischen Kreditkarten dagegen rechnet der Karten­heraus­geber die Umsätze meist gesammelt einmal im Monat ab und zieht sie dann per Last­schrift vom Giro­konto des Karten­inhabers ein. Zinsen werden während des Zahlungs­aufschubs nicht fällig.

Wir wollten wissen, ob Prepaid-Kreditkarten tatsäch­lich mit den echten Kreditkarten mithalten können und was sie kosten. Dazu haben wir die Preise und Leistungen von 24 Angeboten untersucht.

Das Ergebnis: Kunden können Prepaid-Kreditkarten genauso nutzen wie klassische Kreditkarten: Sie können im In- und Ausland an der Laden­kasse bezahlen, im Internet einkaufen sowie Geld am Auto­maten abheben. Die Karten sind nicht teurer und auch die Nutzungs­gebühren unterscheiden sich kaum.

9 der 24 getesteten Prepaid-Kreditkarten bekommen Kunden nur, wenn sie voll­jährig sind. 15 Angebote sind auch für Jugend­liche gedacht. Sie sind güns­tiger als die Karten für Erwachsene. Einige Karten sind an ein Giro­konto beim Karten­heraus­geber gebunden.

Für Kinder und Jugend­liche

Die Kosten­kontrolle war für die Berliner Abiturienten Henriette Link und Djamil Mroué das ausschlag­gebende Argument, sich eine Prepaid-Kreditkarte zuzu­legen.

Djamil hat seine Visa Prepaid Card der Berliner Sparkasse während seines sechs­monatigen Aufenthalts in Südafrika einge­setzt. „Ich habe sie fast jeden Tag benutzt: im Supermarkt bezahlt, Geld abge­hoben und Flüge bezahlt.“

Henriette nahm die Mastercard Prepaid der Commerz­bank mit auf ihre fünf­wöchige Interrail-Tour durch Europa. „Meine Eltern haben mir dazu geraten, damit ich trotzdem an Geld komme, wenn etwas mit meiner Bank­kundenkarte ist.“

Für beide war beruhigend, dass ihnen die Eltern von zuhause Geld auf ihre Karten laden konnten, wenn ihr Guthaben nicht gereicht hätte. Großer Vorteil ist auch die Ausgaben­kontrolle. Mit Prepaid-Kreditkarten können Jugend­liche eine Kreditkarte nutzen, ohne in die Schuldenfalle zu tappen. Sie können nur das ausgeben, was die Eltern auf die Karte geladen oder sie selbst von ihrem Giro­konto über­wiesen haben.

Für Freiberufler und Selbst­ständige

Prepaid-Kreditkarten sind auch eine Alternative für Menschen mit geringem Einkommen sowie für Freiberufler und Selbst­ständige. Sie bekommen häufig keine echte Kreditkarte, weil die Anbieter eine gewisse Bonität wie zum Beispiel einen regel­mäßigen Geld­eingang in bestimmter Höhe verlangen. Diese Hürde gibt es bei Prepaid-Kreditkarten nicht. Auch die sonst übliche Schufa-Anfrage entfällt.

Es gibt auch kostenlose Karten

Prepaid-Kreditkarten im Test Test

Henriette Link war während ihrer fünf­wöchigen Europa-Reise auf die Prepaid-Kreditkarte angewiesen: Nur so konnte sie Hostels im Voraus buchen. Und im Notfall hätten die Eltern von zuhause Geld auf die Karte über­weisen können.

Karten für Jugend­liche kosten im Jahr höchs­tens 22 Euro (Post­bank).

Die Karten unserer Abiturienten sind sogar kostenlos. Die von Henriette noch bis zum 18. Geburts­tag, die von Djamil, bis er 21  Jahre alt ist.

Doch der Jahres­preis ist nicht alles. Im Blick haben müssen die Nutzer auch, was sie für den Karten­einsatz zahlen. Für das Geld­abheben am Auto­maten berechnen die Banken meist einen Mindest­betrag zwischen 5  und 7,50 Euro, sonst um 2 Prozent vom abge­hobenen Betrag. Dazu kommt meist die Auslands­einsatz­gebühr außer­halb der Euroländer zwischen 1 und 1,9 Prozent.

Prepaid-Kreditkarten im Test Test

Djamil Mroué konnte mit der Prepaid-Kreditkarte während seines Aufenthalts in Südafrika kostenlos Geld am Auto­maten abheben. Auch die Karte ist bis zu seinem 22. Geburts­tag gratis.

Djamil nutzt seine Karte kaum in Deutsch­land. „Das wäre zum Geld­abhaben mit mindestens 7,50 Euro viel zu teuer. Höchs­tens Internet­einkäufe bezahle ich damit.“ Für das Ausland ist die Karte aber günstig: Die Geld­automaten­gebühr entfällt und außer­halb der Euroländer werden nur bei Einkäufen 1,9 Prozent berechnet.

Erwachsene bezahlen für Prepaidkarten bis zu 39 Euro (LBB Visa Card Prepaid). Ausnahme: Die Explorercard Family von Payango kostet 89,90 Euro im Jahr. Im Preis sind unter anderem Reise­versicherungen enthalten.

Für Giro­konto­kunden der Wüstenrot Bank gibt es die Visa-Prepaid-Karte zum Null­tarif. Nur wenn der Nutzer außer­halb der Euroländer im Laden mit der Karte bezahlt, fällt die Auslands­einsatz­gebühr von 1,5 Prozent an. Kosten für Bargeld­abhebungen berechnet die Bank nur, wenn mehr als 24 Abhebungen im Jahr vorgenommen werden.

Ein gutes Angebot macht die Fidor Bank ihren Kunden noch bis zum 15. Januar: Für die Smart Prepaid Mastercard müssen sie zwei Jahre lang weder Jahres­gebühr noch Geld­automaten­gebühr bezahlen. Außer­halb der Euroländer berechnet die Direkt­bank pauschal nur 49 Cent pro Karten­einsatz.

Alle, die wegen der Prepaidkarte nicht extra ein Konto eröffnen wollen, sind mit der Payback Visa Prepaidkarte gut ausgestattet. Sie ist besonders interes­sant für Reisende in der Schweiz oder Schweden: Denn hier entfällt die Auslands­einsatz­gebühr von 1,5 Prozent. Die Karte kann jedoch nur online beantragt werden.

Eine besondere Karte

Von den untersuchten Prepaid-Kreditkarten fällt die Kalixa-Karte etwas aus dem Rahmen. Kalixa ist ein in Groß­britannien ansässiger sogenannter E-Payment-Dienst­leister. Da der Heraus­geber keine Bank ist, ist das Guthaben auf der Karte durch keine Einlagensicherung geschützt. Im Fall der Pleite wäre das Geld komplett weg. Das Guthaben aller anderen Karten in unserem Test ist gesichert.

Die Prepaidkarte ist ein güns­tiges Angebot: Kalixa verlangt eine einmalige Ausstellungs­gebühr von 9,95 Euro, pauschal 1,75 Euro Abhe­begebühr im Inland und 2,25 Euro im Ausland. Die Auslands­einsatz­gebühr entfällt.

Aufladen per Über­weisung

Die Kartennutzer können das Guthaben per Über­weisung auffüllen. Das ist von jedem Konto aus möglich und kostet nichts. Manchmal ist das Laden mit anderen Zahlungs­verfahren wie Giropay, Sofort­über­weisung oder von einer anderen Kreditkarte möglich. Das ist dann aber mit rund 2 Prozent pro Aufladung recht teuer.

Über­weisungen sind in der Regel von einem Tag zum anderen auf der Prepaidkarte. Wenn das Konto nicht beim Karten­heraus­geber geführt wird, kann eine Gutschrift drei Tage dauern, informiert zum Beispiel die Hypo­ver­eins­bank. Payango schreibt, dass es zwei bis vier Werk­tage dauern kann, Valovis kündigt zirka drei Arbeits­tage an.

Umso ärgerlicher, wenn auch das nicht klappt, wie bei Henriette Link: „Weil auf meiner Karte noch ein Rest­guthaben war, buchte die Bank die 500 Euro, die sie mir über­weisen wollte, komplett zurück.“

Bei der Reise­bank sind Aufladungen nur in deren Filialen als Bareinzahlung möglich. Zwar gibt es rund 100 Filialen meist auf Bahnhöfen und Flughäfen, aber eine stets einsatz­bereite Prepaidkarte erfordert dann genaue Planung.

Die Wirecard Bank und die Hypo­ver­eins­bank verlangen generell pro Aufladung 1 Euro, nur für Minderjäh­rige ist das Aufladen bei der Hypo­ver­eins­bank kostenlos.

Auch wenn es sich um Guthabenkarten handelt, kann es in sehr seltenen Fällen vorkommen, dass sie ins Minus rutschen. Etwa, weil nach­träglich Gebühren gebucht werden. Sollte dennoch ein größeres Minus auflaufen, sind Kunden auf der sicheren Seite: „Die Bank kann den Betrag nicht zurück­fordern, weil die entsprechenden Vertrags­klauseln nicht wirk­sam sind“, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen.

Sicheres Zahlungs­mittel

Geht die Karte verloren, wird sie gestohlen oder erfolgen betrügerische Abbuchungen , begrenzt das Guthaben den möglichen Schaden. Trotzdem sollte die Karte umge­hend gesperrt werden. Das geht mit der Sperr­notrufnummer 116 116 auch aus dem Ausland mit der deutschen Vorwahl (meist +49). Manchmal ist auch eine Sperrung im Online­bereich des Heraus­gebers möglich.

Bis zur Sperre haften Karten­inhaber mit maximal 150 Euro, es sei denn, sie haben grob fahr­lässig gehandelt. Dann müssen sie den vollen Schaden maximal bis zum Guthaben tragen. Nach der Sperre müssen Karten­inhaber nicht mehr haften.

Prepaid-Kreditkarten sind genauso sicher wie übliche Kreditkarten. Bei Zahlungen im Internet greifen dieselben Sicher­heits­verfahren: Der Nutzer muss die Prüfziffer angeben und nur 5 der von Finanztest untersuchten 24 Karten verzichten auf den zusätzlichen Schutz durch das 3D-Secure-Verfahren. Hierbei wird für die Zahlung ein zusätzliches Pass­wort abge­fragt.

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