Premiere ohne Bundesligalizenz Meldung

Derzeit ohne Zukunft: Bundesliga bei Premiere.

Nach dem Scheitern von Premiere bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Fußballbundesliga ab August gibts Streit um das Kündigungsrecht. Premiere will enttäuschte Abonnenten zumindest vorläufig nicht aus ihren Verträgen entlassen. Derzeitiger Stand: Zum Start der Saison 2006/2007 gibts im Premiere-Programm keine Bundesliga mehr. Der Sender hofft noch, Sublizenzen kaufen zu können und so doch noch Bundesligaberichte senden zu können. Fußballfans mit Premiere-Abo brauchen sich nicht mit dem Prinzip Hoffnung vertrösten zu lassen. Wer jetzt zum Start der neuen Bundesligasaison kündigt, hat gute Chancen, die Kündigung rechtzeitig durchzusetzen. Wenn es Premiere doch noch gelingt, ein attraktives Bundesligaprogramm auf den Schirm zu bekommen, können sie jederzeit wieder Premiere abonnieren. test.de erklärt, wie die Kündigung funktioniert, gibt Tipps und hält ein Musterschreiben zum Download bereit.

[Update: 06.02.2006] Inzwischen hat Premiere ein Stück weit eingelenkt. Details dazu ganz unten auf dieser Seite.

[Update: 19.05.2006] Premiere will Bundesligaberichte in Zukunft in Zusammenarbeit mit der Telekom per Internet übertragen. Details dazu ganz unten auf dieser Seite.

Prinzip Hoffnung

„Premiere bleibt erstklassig“, wirbt das Unternehmen und verweist auf die Live-Übertragungen bei der Fußballweltmeisterschaft und verschiedene Ligen in Europa. Bundesligafans mit Premiere-Abo bleibt zunächst nur das Prinzip Hoffnung. Bundesliga wirds bei Premiere nur geben, wenn es dem Sender gelingt, Sublizenzen zu erwerben. Besonders ärgerlich: Premiere will zumindest vorläufig keine Kündigungen akzeptieren. Doch das gesetzliche Recht zur Kündigung aus wichtigem Grund kann das Unternehmen nicht einschränken. Bundesligafans mit einer Restlaufzeit des Abos über Juli hinaus haben gute Chancen, sich rechtzeitig von Premiere zu verabschieden. Vorher bleibt allerdings zunächst noch alles beim Alten. Bis einschließlich Juli ändert sich nichts am Premiere-Programm. Erst zum August wirkt sich der Verlust der Bundesliga-Senderechte aus.

Entscheidung im Einzelfall

Ein Recht zur Kündigung haben Fußballfans, die Premiere extra wegen der umfangreichen Bundesligaberichterstattung abonniert haben. Am klarsten ist die Rechtslage bei dem Premiere-Paket „Sport & Fußball live“. Es kostet 34,80 Euro im Monat und ist die billigste Chance, sämtliche Berichte und Live-Übertragungen aus der Bundesliga auf den Schirm zu bekommen. Auch bei „Sport“ (19,90 Euro im Monat) ist der Anteil an Bundesliga sehr hoch. Bei den Paketen „Themen & Fußball live“ (34,80 Euro im Monat) und „Film & Fußball live“ (39,80 Euro pro Monat) und „Premiere komplett“ (44,80 Euro) kann der Wegfall der Bundesliga ein wichtiger Grund sein, der zur außerplanmäßigen Kündigung berechtigt. Grund: Der Aufpreis gegenüber billigeren Paketen ist im Vergleich zum Einkauf der Einzelpakete recht gering. Allerdings: Je geringer der Anteil der Fußball-Bundesliga am Gesamtangebot ist, desto geringer werden die Chancen, eine Kündigung durchzusetzen. Ob der Wegfall ein wichtiger Grund ist, der zur Sonderkündigung berechtigt, hängt von den Umständen im Einzelfall ab.

Durchsetzung auch ohne Anwalt

Wer ein Premiere-Paket mit ausreichend hohem Bundesligaanteil hat und sicher sein will, nicht ab August Premiere ohne Fußballbundesliga bezahlen zu müssen, sollte sofort eine Kündigung losschicken und sie mit den fehlenden Rechten für die neue Bundesligasaison begründen. Um die Kündigung durchzusetzen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Zahlungsverweigerung. Am einfachsten ist, für Zeiträume nach der Kündigung die Zahlung zu verweigern. Bei Abbuchung der Gebühren vom Konto müssen Sie dazu die Einzugsermächtigung widerrufen. Wenn Premiere dennoch weitere Abbuchungen vornimmt, können Sie diese bei ihrer Bank stornieren lassen. Wenn Premiere auf Zahlung besteht, muss das Unternehmen vor Gericht ziehen. Der Ausgang eines solchen Verfahrens hängt davon ab, ob das Gericht die Kündigung für wirksam hält. Kosten entstehen Ihnen in einem solchen Verfahren nur, wenn Premiere sich durchsetzt und sie verurteilt werden. Sie müssen dann die Gerichtskosten in Höhe von bis zu 105 Euro tragen, gegebenenfalls die Kosten für Premiere-Rechtsanwälte übernehmen und Abogebühren samt Zinsen nachzahlen.
  • Klage. Wenn Sie schnell Klarheit wollen, können Sie selbst Klage erheben. Sie können beim Amtsgericht die Feststellung beantragen, dass Ihre Kündigung wirksam ist. Der Richter prüft dann, ob Ihnen ein Recht zur außerordentlichen Kündigung zusteht. Mit Privatrechtsschutzversicherung können Sie einen Anwalt einschalten. Eine Klage ist jedoch auch ohne Rechtsanwalt möglich. Allerdings müssen Kläger einen so genannten Gerichtskostenvorschuss einzahlen. Er hängt davon ab, wie lange der Premiere-Vertrag noch über August hinaus laufen würde. In den meisten Fällen sind 75 Euro fällig. Wenn ab August ohne die Kündigung noch mehr als 300 Euro Gebühren an Premiere zu zahlen wären, steigt der Gerichtskostenvorschuss auf 105 Euro. Wenn das Gericht Premiere wie gewünscht verurteilt, hat das Unternehmen die Kosten zu tragen. Zu Unrecht gezahlte Abo-Gebühren sind ebenfalls zu erstatten, und auch Gebühren für einen Rechtsanwalt, den Sie eingeschaltet haben, hätte Premiere zu übernehmen.

Im Detail: Tipps zum Streit um Premiere-Kündigungen mit Musterschreiben

[Update: 06.02.2006] Premiere hat seinen Kunden gegenüber inzwischen eine so genannte „Fairplay-Garantie“ abgegeben. Für den Fall, dass die Bundesligaberichterstattung wegfällt, verspricht das Unternehmen einen Preisnachlass und die Chance zum Abo-Wechsel. Ein Sonderkündigungsrecht will Premiere jedoch nur für das Modul „Fußball live“ einräumen, das stets nur im Paket mit weiteren Modulen zu haben war. Eine Kündigung des Premiere-Abos insgesamt will der Bezahlsender offenbar nach wie vor nicht akzeptieren.

[Update: 19.05.2006] Soeben hat Premiere bekannt gegeben: Der Sender wird Bundesligaberichte in Zukunft in Zusammenarbeit mit der Telekom per Internet übertragen. Einzelheiten sind noch unklar. Auf jeden Fall brauchen Premiere-Kunden dafür eine spezielle Set-Top-Box. test.de liefert weitere Einzelheiten zum Stand der Dinge.

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