Premiere ohne Bundesliga Meldung

Auch zwei Monate nach dem Start der neuen Bundesligasaison streiten zahlreiche Fußballfans mit dem Bezahlfernsehsender Premiere um die Abo-Gebühren. Nachdem Premiere die Lizenz zur Bundesligaberichterstattung an Arena verloren hatte, kündigten viele Bundesliga-Fans. Die meisten Kündigungen hat Premiere zwar akzeptiert, aber nur mit erheblicher Verzögerung. Doch immer noch gibts Streitigkeiten. Inzwischen wurde bekannt: Bereits bei der Programmreform ein Jahr zuvor übervorteilte Premiere zahlreiche Abonnenten. In einem Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht München gelang es dem Sender jedenfalls nicht, die Berechtigung der zum Teil drastischen Preiserhöhung damals zu belegen. Am Ende nahm Premiere die Preiserhöhung dem Kläger gegenüber zurück. Nach Ansicht von Kläger-Rechtsanwalt Holger Thieß können betroffene Abonnenten auch jetzt noch Rückforderungen geltend machen. Er hält einen Mustertext zum kostenlosen Download bereit.

Spiel auf Zeit

Viele Premierekunden waren stinksauer. Auf Kündigungen wegen des Verlusts der Bundesligaberichterstattung reagierte Premiere mit zwar freundlichen, aber stereotypen Briefen. Das Unternehmen bestätigte regelmäßig nur die ordentliche Kündigung. Die Berechtigung einer außerordentlichen Kündigung pünktlich zum Ende der Bundesligaberichterstattung werde geprüft, hieß es in den Serienbriefen sonst nur. Unterdessen versuchte der Sender, nach der Pleite bei der Rechtevergabe noch Sublizenzen zu ergattern. Ergebnis: Im Internet kooperiert Premiere mit der Telekom, die gerade beginnt, Bundesligaberichte über ihr neues VDSL-Netz zu verbreiten. Wichtiger noch: Fernsehzuschauer, die ihr Programm über Kabel Deutschland bekommen, erhalten die Arena-Bundesligaberichte via Premiere. Im übrigen blieben die Kunden im Unklaren. In zahllosen Blogs, Foren und Leserbriefen machten sie ihrem Ärger Luft. Die Berichte zum Thema gehörten über Monate hinweg zu den meist aufgerufenen Seiten bei www.test.de.

Suche nach Gründen

Am Ende lenkte Premiere in den meisten Fällen ein. Leser mit den preiswertesten Abos mit Bundesliga-Live-Berichterstattung ließ der Bezahlsender ziehen. So jedenfalls berichteten es eine ganze Reihe von www.test.de-Lesern. Premiere bestand allerdings auf Bezahlung bis zum letzten Tag. Erst am Donnerstag, 10. August endeten die Abo-Verträge. Am darauffolgenden Freitag begann die neue Bundesligasaison. Bei teureren Abos wie vor allem dem Premiere-Komplett-Paket allerdings herrscht immer noch Streit um das Kündigungsrecht. Premiere besteht auf Zahlung. Argument des Senders: Der Anteil der Fußballbundesliga-Berichterstattung macht nur einen geringen Teil des Programms aus. Der Wegfall sei daher kein Grund, der zur Sonderkündigung berechtigt. Verbraucherschützer und Juristen der Stiftung Warentest halten Kündigungen je nach den Umständen des Einzelfalls dennoch für wirksam. Gerichtsurteile sind allerdings bislang noch nicht bekannt.

Preise unter Verdacht

Unterdessen hat Rechtsanwalt Holger Thieß auf einen bislang wenig bekannten Rechtsstreit aus dem Jahr 2005 hingewiesen. Vor dem Amtsgericht München gelang es Premiere nicht, die Berechtigung von zum Teil drastischen Preiserhöhungen zu belegen. Am Ende strich der Sender die Segel und akzeptierte die Fortsetzung des Abos zum alten Preis. Nach Ansicht des Juristen haben die damals von der Preiserhöhung betroffenen Kunden auch jetzt noch die Möglichkeit, die Unwirksamkeit der Preiserhöhung geltend zu machen und einen Teil der seitdem gezahlten Abogebühren zurückzufordern. Er hält kostenlos detaillierte Informationen und einen Mustertext bereit, mit dessen Hilfe Betroffene ihre Forderungen bei Premiere anmelden können.

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