In Zeiten knapper Kassen soll auch der Urlaub nicht die Welt kosten. Vor allem Familien, die auf Skirummel verzichten können, finden in Osteuropa Skispaß zu günstigen Preisen.

Osteuropa ist im Kommen. In immer mehr Reisekatalogen finden sich Angebote osteuropäischer Skiregionen. Zwar können die Wintersportzentren im tschechischen Riesengebirge, in der slowakischen Niederen Tatra, dem bulgarischen Rilagebirge oder Piringebirge in Sachen Pistenkilometer, Luxushotels oder Après-Ski-Zirkus nicht mit Davos, St. Moritz, Kitzbühel oder Chamonix mithalten. Doch sie haben einen anderen Vorteil: Der Skiurlaub ist dort wesentlich günstiger.

Die Preise in den osteuropäischen Wintersportorten haben nach umfangreichen Investitionen in den vergangenen Jahren zwar auch etwas angezogen, sie liegen aber immer noch deutlich unter dem Niveau in den Alpen.

Auch wenn die Außenansicht mancher Hotels noch einen gewissen sozialistischen Charme verströmt, bieten viele Unterkünfte einen ordentlichen Standard. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die meisten Hotels und Ferienanlagen modernisiert worden. Und Neubauten orientieren sich sowieso an westeuropäischen Komfortansprüchen.

Doch nicht nur Sparsame zieht es zum Wedeln gen Osten. Auch diejenigen, die Ruhe und Ursprünglichkeit suchen, halten Ausschau nach neuen Zielen. Vor allem Familien wollen dem Skizirkus in den Alpen auch mal entfliehen.

Eine Woche für 99 Euro

Besondere Schnäppchen gibt es außerhalb der Ferienzeiten: Bei Tui kann man zum Beispiel eine Woche mit Halbpension im Drei-Sterne-Hotel Arnika im tschechischen Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) schon ab 99 Euro buchen.

Spindlermühle oder Spindelmühl im Riesengebirge, 718 Meter hoch gelegen, ist Tschechiens populärstes Wintersportzentrum mit annähernd 25 Kilometer langen Abfahrtspisten – darunter drei schwarze, sechs rote und acht blaue. Und für Langläufer stehen 100 Kilometer präparierte Loipen zur Verfügung.

Harrachov (Harrachsdorf), im westlichsten Teil des Riesengebirges gelegen, ist durch internationale Skisprungwettbewerbe bekannt geworden. Sparsame können hier eine Woche mit Halbpension ab 175 Euro pro Person im etwas entfernt gelegenen Drei-Sterne-Hotel Sklar verbringen (Anbieter Neckermann).

Jasna am Fuße des mehr als 2 000 Meter hohen Chopok in der Niederen Tatra ist das größte Ski-Resort in der Slowakei. Die Stadt ist von drei Skigebieten mit insgesamt 21 Kilometer langen präparierten Pisten und 13 Lifts umgeben.

Sieben Übernachtungen mit Frühstück sind hier ebenfalls schon für weniger als 100 Euro zu haben. Jasna war Austragungsort von Junioren-Skiweltmeisterschaften und mehrerer Weltcups und gilt als eines der traditionsreichsten Wintersportgebiete Osteuropas. Ein Sechs-Tage-Skipass für einen Erwachsenen kostet hier rund 60 Euro. Bei Neckermann Reisen gibt es zum Beispiel eine Woche im Drei-Sterne-Juniorhotel Jasna ab 140 Euro pro Person im Doppelzimmer (Halbpension).

Nach Bulgarien per Flugzeug

Bulgarien gewinnt bei deutschen Urlaubern nicht nur wegen seiner Strände am Schwarzen Meer immer mehr Freunde, auch die Skiregionen erlangen langsam Aufmerksamkeit. Ein anspruchsvolles Ge­­­­­biet mit international anerkannten Strecken ist zum Beispiel Borowez im Rilagebirge. Es liegt 1 350 Meter hoch am Fuße des Mousala-Berges (2 925 Meter), der höchsten Erhebung auf dem Balkan.

Alpinen Skiläufern stehen drei Skigebiete zur Verfügung, die mit einer Gondelbahn sowie Sessel- und Schleppliften erreichbar sind. Speziell für Snowboarder wurde der „Rotata“ gebaut. Dieser neue Track ist 1 240 Meter lang und bietet unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Bulgarien hat als Winterziel einen Nachteil: Es ist nicht mit dem Auto oder der Bahn zu erreichen, sondern nur per Flugzeug. Eine Woche Halbpension im komfortablen Vier-Sterne-Hotel Royal in Borowez gibt es beim Berliner Spezialisten BG Tours (www.bgtours.de) für zwei Erwachsene und ein Kind ab rund 980 Euro (inklusive Flug).

Erst vor kurzem wurde Bansko im bulgarischen Piringebirge von ausländischen Touristen entdeckt. Bansko liegt rund 150 Kilometer südlich von Sofia. Abfahrern stehen ungefähr 45 Kilometer Pisten aller Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Den Skipass für eine Woche gibts für knapp 100 Euro.

Niedrige Nebenkosten

Während für einen Tagesskipass in den Alpen rund 30 Euro üblich sind, ist er in den osteuropäischen Skigebieten schon mit 10 bis 20 Euro bezahlt. Allerdings stehen den Skifahrern dann nicht mehrere Hundert Pistenkilometer wie in den weitläufigen Skigebieten in Österreich, der Schweiz oder Frankreich zur Verfügung, sondern oftmals nur 20 Kilometer oder sogar noch weniger. Dafür sind die Nebenkosten niedrig, zum Beispiel für den Skikurs oder die Kinderbetreuung.

Deftig und schmackhaft

Auch beim Essen und Trinken muss man bei weitem nicht so tief in die Tasche greifen wie im Westen. Die Mahlzeiten sind meist deftig und schmackhaft. Feinschmecker dürften aber noch nicht auf ihre Kosten kommen. Die Verständigung stellt meist kein Problem dar. Schließlich ist Deutsch in vielen Urlaubsorten Osteuropas keine unbekannte Sprache.

Was die Schneesicherheit angeht, sind die osteuropäischen Skiregionen gegenüber den deutschen Mittelgebirgen im Vorteil. Und bei Schneeflaute stehen vielerorts Beschneiungsanlagen bereit.

Der Anteil der Skiurlauber aus Deutschland, die ihre Winterferien in Osteuropa verbringen, ist trotz bemerkenswerter Zuwachsraten noch immer gering. Wintersportler sollten trotzdem nicht erwarten, dass die Pisten menschenleer sind. Mit Wartezeiten an den Schleppanlagen muss auch hier gerechnet werden.

Wer nicht pauschal buchen will, findet im Internet jede Menge Angebote. Auch die Fremdenverkehrsämter der Länder und Regionen bieten Individualtouristen bei der Suche nach dem passenden Angebot oftmals ihre Unterstützung an.

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