Wer bei der Urlaubs­planung flexibel ist, kann selbst Luxushotels für kleines Geld buchen. Wo es die besten Angebote gibt.

Instanbul: Eine Nacht im Fünf-Sterne-Hotel Dedeman für zwei Personen mit Frühstück. Inklusive Sauna und Pool. Ein HRS-Deal für Termine im August und Oktober.

Reisen sind verderb­liche Waren. Flugsitze und Hotel­zimmer, die nicht recht­zeitig verkauft werden, bringen dem Veranstalter nichts – außer Verlusten. Um Leerstände zu vermeiden, legen viele Unternehmen attraktive Sonder­angebote auf, die auch den letzten Platz noch an den Mann bringen sollen.

Wer im Internet recherchiert, kann sensationelle Reise­schnäpp­chen finden. So gibt es – jeweils inklusive Frühstück – zum Beispiel vier Nächte im Vier-Sterne-Hotel auf Sardinien für 156 Euro pro Person. Ebenfalls erhältlich: zwei Über­nachtungen im Doppel­zimmer im Designhotel am Pots­damer Platz in Berlin für 159 Euro. Oder sieben Nächte in einem einfachen, aber gut bewerteten Hotel auf der grie­chischen Kykladen­insel Paros für 109 Euro, ebenfalls für zwei Personen.

Ungetrübt ist die Freude aber nicht immer. Zum einen, weil die Vielfalt der Angebote verwirrend ist. Zum anderen, weil viele Portale vor allem Gutscheine verkaufen, die sich nur einlösen lassen, wenn im Hotel gerade Platz ist. Ein Problem für alle, die fixe Urlaubs­termine haben. Anderer­seits gilt: Wer flexibel ist, spart eine Menge.

Als Orientierungs­hilfe für Reiselustige haben wir zusammen­gestellt, wo sich im Internet güns­tige Angebote finden lassen – und was von ihnen zu halten ist. Die Tabelle erhebt allerdings keinen Anspruch auf Voll­ständig­keit.

Travelzoo – der Riese aus den USA

Das amerikanische Medien­unternehmen Travelzoo ist der größte Vermittler von Reise­schnäpp­chen via Internet. Nach eigener Aussage beziehen sechs Millionen Abonnenten in Europa den haus­eigenen Newsletter mit der wöchentlichen Auswahl von20 Top-Angeboten. Vom Städte-Kurz­trip über Well­nessurlaub bis zur Kreuz­fahrt ist alles dabei. Vorteilhaft: Die Reisen können meist direkt beim Anbieter gebucht werden. Travelzoo verspricht zudem, dass alle empfohlenen Trips von einer Redak­tion geprüft wurden.

Die meisten Offerten erwiesen sich bei unserer Stich­probe als wirk­lich günstig. Ein Schwach­punkt sind jedoch die Flug­empfehlungen. Von den Top 20 der Travelzoo-Angebote stammten Mitte Juli allein acht von fluege.de. Das Flugportal glänzte bei unserem Vergleich („Flugbuchung im Internet“ aus test 02/2012) aber nicht gerade mit güns­tigen Preisen. Und so sind auch einige der angeblichen Flug-Schnäpp­chen, die Travelzoo anpreist, in Wirk­lich­keit nicht besonders preis­wert.

Beispiel: Der Hin- und Rück­flug von Düssel­dorf nach Shanghai sollte bei fluege.de 620 Euro kosten. Im ersten Buchungs­schritt stimmte der Preis auch fast: 624,85 Euro. Doch kurz vor dem finalen Buchungs­klick schlug fluege.de plötzlich knapp 30 Euro Service­gebühr drauf, macht 654,58 Euro. Auf anderen Portalen war der Flug für 625 Euro zu haben.

Reiseauktionen ab einem Euro

Lohnend für Schnäpp­chenjäger kann ein Blick in den Reise­shop von Ebay sein. Hotel­auf­enthalte, selbst in Häusern der Luxuskategorie, findet man unter „Sofort- Kaufen“ oft zum halben Preis. Freilich mit der Einschränkung, die bei fast allen Reise­schnäpp­chen im Klein­gedruckten steht: Reser­vierung nach Verfügbarkeit. Kunden müssen sich nach den Terminen richten, die der Hotelier anbietet. Alle, die nicht auf feste Termine angewiesen sind, kommen aber auf ihre Kosten. Und es geht noch güns­tiger: Wer gern zockt, kann bei einer Ebay-Auktion sein Glück versuchen. Viele Versteigerungen von Hotel­auf­enthalten und Kurz­reisen starten mit einem Euro.

Wer sich für eine Schnäpp­chenreise interes­siert, sollte allerdings bedenken: Die Rabatte sind keineswegs ein Ausdruck der Nächs­tenliebe seitens der Touristiker. Sie gehören zum knall­hart kalkulierten Marketingmix, der in buchungs­schwachen Zeiten Gästebetten und Flugsitze füllen oder neue Hotels bekannt­machen soll.

Das sollten Interes­senten im Hinterkopf behalten, wenn sie Reiseblogs aufrufen, auf denen (vermeintliche) Reise­schnäpp­chen zusammen­gestellt sind. Zwar können Urlauber hier interes­sante Spartipps finden, doch die Portale sind nicht immer unabhängig. Etliche bekommen von Reise­vermitt­lern und Veranstaltern Provisionen. Entsprechend sehen die Empfehlungen aus. So beschreibt Traveliero beispiels­weise ganz normale Reisen, die meist von Berge&Meer, Ab-in-den-Urlaub oder Opodo stammen. Besonders häufig erscheinen die Marken des Leipziger Unter­nehmens Unister (Ab-in-den-urlaub, travel24, fluege.de) in den Empfehlungs­listen der Reiseblogs.

So taucht immer wieder der 90-Euro-Gutschein von Ab-in-den-urlaub auf, besonders penetrant bei Traveldealz. Das Angebot klingt zunächst prima: Der Kunde kauft für 10 Euro einen Gutschein, der ihm bei der nächsten Buchung einen Preis­nach­lass von 100 Euro sichern soll. Den Gutschein erhalten diejenigen, die sich für den Deal-Newsletter anmelden. Der Sonderrabatt ist aber auf die besonders güns­tigen Deals gar nicht anwend­bar, sondern gilt nur für Pauschalr­eisen zum normalen Preis. Und die Abwick­lung scheint auch nicht reibungs­los zu funk­tionieren. Jedenfalls gibt es bei Verbraucherzentralen und in Internetforen jede Menge Beschwerden.

Hotels zum halben Preis

Bleiben die großen Rabatt­portale Groupon und Dailydeal. Ihr Sortiment ist gemischt. Neben echten Spar­angeboten fanden wir mitunter auch Reisen zu weniger attraktiven Preisen. Vor dem Gutscheinkauf sollte deshalb immer ein Preis­vergleich stehen.

Ein wahres Schnäpp­chen­paradies sind dagegen die „Angebote“ von HRS. Dort listet das Hotel­buchungs­portal güns­tige Unterkünfte, oft zum halben Preis. Auch bei booking.com gibt es interes­sante Schnäpp­chen. Die attraktiven „Secret Deals“ sind allerdings nicht ganz leicht zu finden. Sie tauchen erst bei einer Such­anfrage am Ende der Seite auf. Um sie ansehen zu können, muss man sich per E-Mail anmelden.

Fazit: Das Internet ist eine Fund­grube für Reise­schnäpp­chen. Auch wenn nicht alles passt und der Wunsch­termin oft nicht dabei ist, lohnt sich die Suche. Wenn alles gut läuft, profitieren am Ende alle Beteiligten: Der Anbieter erhöht seine Auslastung, der Reisende spart viel Geld.

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