Viele Diabetiker müssen konti­nu­­ierlich den Blutzucker kontrollieren. Doch für Blutzuckerteststreifen bezahlen sie oft mehr als nötig. Die Krankenkassen ebenso.

Wenn ein Diabetiker im Schnitt dreimal am Tag den Blutzuckerspiegel misst, braucht er pro Jahr 1 095 Blutzuckerteststreifen. Eine Packung mit 50 Streifen kostet je nach Blutzuckermessgerät zwischen 26 und 39 Euro. Das macht pro Jahr etwa 590 bis 854 Euro.

Wenn die Hälfte aller Patienten – in der Regel Insulinpflichtige – täglich drei Teststreifen benutzen, werden 1,5 Millionen Stück pro Tag verbraucht, im Jahr demnach etwa 550 Millionen Stück. Und das dauerhaft.

Finanziell gesehen sind Blutzuckerteststreifen also ein fetter Happen auf dem Gesundheitsmarkt. Gleichzeitig eröffnen sie den Krankenkassen Sparmöglichkeiten, denn die bezahlen den größten Teil der Ware: Etwa 90 Prozent der Nutzer erhalten Blutzuckermessstreifen auf Rezept.

Günstig einkaufen – das lässt der Markt prinzipiell zu: Es herrscht Wettbewerb. Die Anbieter können beim Produkt Teststreifen frei kalkulieren – auch die Apotheker. Preiswerte Blutzuckerteststreifen können im Diabetikershop gekauft werden, sie sind über Versender zu erhalten oder über das Internet zu ordern. Unser Eindruck: In allen Preisen steckt noch reichlich Luft. Dennoch nutzen Diabetiker und auch die Krankenkassen mögliche Sparpotenziale nicht – wie unsere Untersuchung zeigt (siehe Tabellen „Preisunterschiede“ und Preisbeispiele“).

Vergleich nach vier Jahren

Vor vier Jahren führte die Stiftung Warentest den ersten Preisvergleich von Blutzuckerteststreifen durch. Dabei zeigte sich: Diabetiker, die den Apothekenpreis des Originalprodukts akzeptierten, mussten für den Gebrauch von täglich drei Streifen im Jahr bis zu 900 Euro auf den Tisch legen. Wer dagegen Rabatte nutzte und vor allem Versandware von Versendern bezog, konnte bis zu 500 Euro sparen. Die Kassen zahlten mittlere Preise, aber nicht einen möglichst niedrigen Marktpreis. Grund genug, die Situation erneut zu prüfen. Wir wollten auch wissen, ob preiswerte, nach Deutschland rückimportierte Teststreifen durch Transport, Lagerung oder Wärmeeinflüsse Qualitätsschäden davontragen.

Keine Qualitätsverluste

Die gute Nachricht: Auch (Re-)Importe sind Qualitätsprodukte. Diabetiker können sie ohne Bedenken nutzen. Die schlechten Nachrichten betreffen das Finanzielle: Die von uns aufgesuchten Apotheken orientieren sich offenbar bei den Originalprodukten am Preisverzeichnis für Apotheken, der Lauer-Taxe. Als unverbindliche Preisempfehlung für den Markt sind diese Preise viel zu hoch. Andere zeigen: Es geht auch billiger.

Einige Anbieter konnten keine Angaben zu den Abgabepreisen für Patienten machen („Die haben wir nicht“). Die Firmen Azupharma, Diaprax/Servoprax, Imaco und Pharma Westen (alles Importeure) äußerten sich zu den Preisen der jeweiligen Anbieter überhaupt nicht.

In einer Apotheke wurde für 50 Teststreifen Accu Chek comfort Roche erst ein „Phantasiepreis“ von 43,77 Euro genannt, der nach Protest („Das ist mir zu teuer“) als „Sonderpreis“ auf 35,59 Euro reduziert wurde – kein gutes Angebot: Denn 35,59 Euro ist exakt der Preis der Lauer-Taxe, also ein Apotheken-„Spitzenpreis“.

Auch Kassen bezahlen zu viel

Überraschend: Auch bei den Kassen werden die Chancen zum Sparen nicht hinreichend genutzt. Dort werden mit den Anbietern ausgehandelte Erstattungspreise akzeptiert, die am freien Markt von verschiedenen Vertreibern meist unterboten werden. Die Kassenpreise haben sich im Vergleich zu unserer ersten Preisuntersuchung im Jahr 1999 zudem kaum verändert. Sie liegen jetzt zum Teil sogar höher. Und die Kassen verhalten sich unflexibel. Sie zahlen auch bei günstiger Importware ihre höheren, einmal festgelegten Erstattungspreise, die in der Regel mit den Preisen für das
Originalpräparat übereinstimmen. Der Versandhandel ist meist günstiger. Auch unser bei verschiedenen Anbietern gezahlter Einkaufspreis lag meist unterhalb des Kassenpreises.

Immerhin: Es herrscht etwas mehr Preisbe­wusstsein als vor vier Jahren. Apotheker klagen darüber, dass sich die Nachfrage für die Teststreifen zunehmend in Richtung preisgünstiger Anbieter verlagert, weg von der Apotheke. Unter www.otop.de gibt es einen Handelsplatz, auf dem – gegen Gebühr und Provision – Anbieter ihre Angebote an die Krankenkassen abgeben können.

Neun Euro Differenz

Im Vergleich zu unserer Erhebung vor vier Jahren sind die Preise für Blutzuckerteststreifen bei verbesserter Technologie nicht angestiegen, in wenigen Fällen geringfügig gesunken. Der Durchschnittspreis für 50 Blutzuckerteststreifen betrug damals etwa 38,80 Euro, beim Test von Blutzuckermessgeräten rund 37 Euro für Originalware. Betrachtet man einzelne Produkte, werden aber Preisunterschiede deutlich: So gibt es zum Beispiel 50 Ascensia-Elite-Teststreifen von Bayer Vital für 26,49 Euro beim Versender, die AOK bezahlt dafür mehr als 34 Euro, der Lauer-Taxe-Preis für die Apotheke liegt bei 35,70 Euro.

Über einen längeren Zeitraum berechnet, ergeben sich so bemerkenswerte Einsparmöglichkeiten: So könnte die Krankenkasse bei 50 Teststreifen Accu-Chek Sensor Comfort 6,13 Euro sparen, wenn sie bei preiswerten Versendern einkaufen ließe. Im Jahr bedeutet das bei täglich drei Streifen eine Ersparnis von etwa 130 Euro. Das ist vielleicht im Einzelfall nicht viel, auf die Gesamtzahl der betroffenen Diabetiker gerechnet aber schon. Mancher Diabetiker braucht pro Tag mehr Streifen. Bei Diabetes ist in Jahrzehnten zu rechnen.

Reimport oder Original – egal

Bei der Überprüfung der Präparate wurde kein wesentlicher Unterschied zwischen Originalware und (Re-)Importen gefunden. Die Zuverlässigkeit stimmte, die Gebrauchsinformationen waren auch in Ordnung. Hinweis: Prinzipiell können bei den Beipackzetteln von Reimportware Mängel auftreten: Fremdsprachen, überklebte Etiketten, manchmal wenig professionell verfasste Texte oder andere Beipackzettel. Das kann Patienten, die an ihr Produkt gewöhnt sind, verunsichern.

Wichtig ist für den Patienten, dass er jederzeit über Teststreifen verfügen kann, dass sie zuverlässig geliefert werden, dass er beraten und ein Diabetiker-Pass mit Informationen für den Arzt angelegt wird. Fragen Sie nach diesem Service.

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