Bahnfahren kann so günstig sein. Doch die Mitarbeiter der Deutschen Bahn haben oft Schwierigkeiten, preiswerte Zugverbindungen zu finden. Und die Bahn schafft Schnäppchentickets ab.

Spontane Reisen mit der Deutschen Bahn kosten fast so viel wie mit dem Taxi: 228 Euro kassierte ein Bremer Bahnmitarbeiter für die IC-Fahrt ins 200 Kilometer entfernte Warburg und zurück. Die gleiche Reise hätte im Regionalzug 41 Euro gekostet. Das sind 187 Euro Preisunterschied bei nicht einmal 30 Minuten längerer Fahrzeit pro Strecke.

Der Test zeigt: Das Bremer Beispiel ist kein Einzelfall. Fünf Tester tourten quer durch Deutschland. Sie ließen sich in den DB-Reisezentren 19 großer Städte beraten, riefen die Bahnauskunft an, suchten im Internet und an Automaten nach günstigen Fahrscheinen – immer anhand der fünf Testfälle. Sogar per Handy fahndeten sie im mobilen Bahnportal nach Schnäppchentickets. Ihr Fazit: Weder die geschulten Bahnberater noch ihre elektronischen Kollegen fanden stets die günstigste Zugverbindung. Ein Grund dafür ist das komplizierte Preissystem.

Einfachere Preise braucht die Bahn

Wer billig bahnfahren will, muss sich durch einen dichten Tarifdschungel kämpfen. Denn neben teuren Normalpreisen bietet die Bahn verschiedene Spar- und Aktionspreise, diverse Bahncards, Jugend- und Partner-Bahncards, Schönes-Wochenende-Tickets und 13 separate Ländertickets. Bei so vielen Varianten verlieren selbst Profis den Überblick. Einfacher wären preisgünstige Tickets für möglichst viele Züge.

Solch einen Fahrschein gab es bis Ende Januar 2010: das Quer-durchs-Land-Ticket. Ähnlich wie das Schönes-Wochenende-Ticket gestattete es unbegrenzte Fahrten in Regionalzügen ab 34 Euro – aber wochentags. Für je 5 Euro mehr durften bis zu vier Personen mitfahren. Testfall 1 belegt: Für spontane Reisen mittlerer Entfernung war das Quer-durchs-Land-Ticket die beste Wahl. Immerhin empfahlen es 19 von 24 Beratern am Schalter oder Telefon. Den Verkäufern erleichterte das Ticket die Arbeit. Und Fahrgäste mussten ihre preiswerten Bahnreisen nicht aufs Wochenende verschieben. Doch die Bahn hat das Billigticket nach wenigen Monaten abgeschafft. Nun bleiben für spontane Ausflüge mit Regionalzügen nur Ländertickets: Der Ticketkauf für Fahrten über Ländergrenzen hinweg ist jetzt teurer und komplizierter.

Wer nachfragt, fährt billiger

Auch die übrigen Testmodelle offenbarten deutliche Defizite. Oft sollten Fahrgäste mehr zahlen als nötig. Für den Weg von Berlin nach Bad Pyrmont (Testfall 2) empfahlen viele Berater zunächst nur teure ICE-Züge, selbst wenn diese ihr Ziel nur unwesentlich schneller erreichen. Die IC-Verbindung, die mit 13 Minuten längerer Fahrzeit 11 Euro spart, erwähnten sie nicht.

Tipp: Geben Sie sich nicht gleich mit dem ersten Angebot zufrieden. Fragen Sie nach: „Gibt es noch billigere Reisemöglichkeiten?“ Der Test zeigt: Oft erwähnen die Berater erst dann günstigere Angebote.

Bahncard nur im Abo

Sparen können Reisende auch mit einer Bahncard  25. Sie senkt sowohl Normalpreise als auch Sparpreise um 25 Prozent. Deshalb rentiert sich die Bahncard 25 schon bei wenigen Fahrten im Jahr. Dieser Tipp war wichtig in Testfall 4: In den DB-Reisezentren kombinierten die Mitarbeiter die Bahncard 25 jedoch nur selten optimal mit den Zusatzkarten. Die günstigen Karten für Partner und Jugendliche ließen sie außen vor. Am Telefon boten die Berater die Bahncard überhaupt nicht an.

Achtung: Die Bahncard 25, Bahncard 50 und Probe-Bahncard gibt es nur im Abo. Wer sie nicht spätestens sechs Wochen vor Ablauf kündigt, zahlt für ein weiteres Jahr.

Auslandstickets unbekannt

An die Grenzen ihres Bahnlateins gerieten viele Berater, wenn die Tester nach Tickets ins Ausland fragten. Dabei verkauft die Deutsche Bahn auch einige Fahrkarten ihrer europäischen Partner, zum Beispiel Swiss-Pässe wie in Testfall 5. Doch nur wenige Verkäufer packte sportlicher Ehrgeiz und sie suchten die Informationen. In Kiel erklärte eine Beraterin offenherzig: „Damit komme ich zum ersten Mal in Berührung.“ Trotzdem: Nach 21 Minuten Suche fand sie des Rätsels Lösung. Ein Grund dafür, dass das Reisezentrum in Kiel im Test besser abschnitt als in manch anderer Stadt.

Leicht hatten es die Mitarbeiter des Reisezentrums am Berliner Hauptbahnhof: Zufällig war dort ein Kollege der Schweizerischen Bundesbahnen zu Besuch. Der kannte natürlich die eigenen Tarife und empfahl die optimale Lösung. Doch andernorts wimmelten Verkäufer die Tester gern mit der Anregung ab, ihre Fahrkarten in der Schweiz zu kaufen.

Automaten statt Berater

Automaten ersetzen persönliche Berater. Vor allem an kleinen Bahnhöfen stehen oft nur noch Automaten.

Die Zahl persönlicher DB-Berater sinkt beständig. Vielerorts übernehmen sogenannte DB-Agenturen die Beratung – in Reisebüros, Tabakkiosken oder wie in Altenbeken in der Bahnhofskneipe. Da gibt es zum Bahnticket gleich noch Bier und Boulette dazu. Doch im Unterschied zu den Reisezentren können die Agenturen für die bloße Beratung eine Servicegebühr kassieren. Wer die vermeiden will, muss sein Glück an Automaten versuchen. Gerade an kleinen Bahnhöfen ersetzen immer mehr stählerne Helfer die persönlichen Berater. Über 60 Prozent ihrer Fahrkarten verkauft die Bahn inzwischen an Automaten.

Einfache Zugverbindungen wie in den Testfällen 2 und 3 finden die DB-Automaten meist problemlos. Im Test schnitten sie in diesen Modellen sogar besser ab als persönliche Berater. Ihr Vorteil: Sie bevorzugen nicht standardmäßig die teuren ICE-Züge. Stattdessen fragen sie Fahrgäste nach ihren Wunschzügen. Folglich können Automaten auch im ersten Anlauf preisgünstige Züge anzeigen. Schwierigkeiten bereiten ihnen dagegen Fahrräder. Die stählernen Helfer filtern weder nach Zügen, die Fahrräder transportieren, noch können sie Radstellplätze reservieren. Das ist schade, denn Radfahrer dürfen in immer weniger Zügen mitfahren. Die Deutsche Bahn baut beständig ihre fahrradfreie ICE-Flotte aus. Wer sein Rad mit auf Reisen nehmen will, muss oft weite Umwege fahren. Und an günstige Sparpreise kommt er mitunter nicht heran.

Als gänzlich ungeeignet erweisen sich Automaten jedoch bei Reisen im Ausland. Sie geben keinerlei Auskünfte über Preise und Verbindungen ausländi­scher Bahnunternehmen. Das gilt auch für Angebote wie die Swiss-Pässe. In solchen Fällen schicken die Automaten ihre Kunden ins nächste Reisezentrum. Dass das häufig keine gute Empfehlung ist, zeigt Testfall 5.

Viele Infos liefert www.bahn.de

Am besten kommen Fahrgäste mit der Internetseite der Deutschen Bahn ans Ziel. Wer auf der Startseite www.bahn.de mit einem Klick das lästige Kästchen „schnelle Verbindung bevorzugen“ deaktiviert, bekommt rasch günstige Fahrkarten angezeigt. In der erweiterten Suche können Radler nach Zügen filtern, die ihre Fahrräder mitnehmen. Und die dazugehörigen Fahrradstellplätze reservieren sie bei der Onlinebuchung praktischerweise gleich mit.

Unter www.bahn.de berät zwar kein persönlicher Bahnmitarbeiter. Das muss aber kein Nachteil sein. Denn dafür stehen im Menüpunkt „Angebotsberatung“ alle wichtigen Informationen übersichtlich beisammen: von Ländertickets über Sparpreise bis hin zu Bahncards für Partner und Kinder. Für Bahnreisen ins Ausland führen Links direkt zu den Sonderpreisen und Pass-Angeboten. Mit ein bisschen Suchen finden Schweiz-Reisende so auch die Swiss-Pässe.

Tickets per Handy

Für unterwegs gibt es das mobile Reiseportal: Damit laden Handynutzer ihre Fahrkarte direkt aufs Handy.

Eine abgespeckte Version der DB-Internetseite finden Besitzer eines internetfähigen Handys unter http://mobile.bahn.de. Mit ihrem Blackberry, iPhone oder sonstigem Mobiltelefon können sie Fahrpläne herunterladen, sich verspätete Züge anzeigen lassen und Fahrkarten kaufen. Die papierlosen Tickets gibt es allerdings nur für sehr einfache Verbindungen und zum vollen Normalpreis. Sparpreise, Ländertickets und Sonderangebote findet das mobile Reiseportal nicht.

Weiterer Nachteil: Handy­nutzer können nur Einzeltickets buchen. Rabatte für Mitfahrer bleiben außen vor. Attraktiv ist das höchstens für Reisende in Eile: wenn sie unterwegs schnell eine Fahrkarte kaufen müssen und der Preis keine Rolle spielt. Für kompliziertere Fälle ist das Portal zur Preisberatung unbrauchbar. Note: „mangelhaft“.

Leicht verbessert

In großen Reisezentren ziehen Wartende eine Nummer.

Trotz aller Mängel: Die Preisberatung der Deutschen Bahn hat sich in den vergangenen drei Jahren leicht verbessert, von der Note 3,7 auf 3,3, test-Qualitätsurteil: noch „befriedigend“. Positiv ausgewirkt haben sich die vereinfachten Sparpreise und das Quer-durchs-Land-Ticket. Das Ticket für alle Regionalzüge war sowohl bei Beratern als auch bei Reisenden äußerst beliebt. Doch mit der Abschaffung des Quer-durchs-Land-Tickets hat die Bahn einmal mehr gezeigt: Einfache und günstige Fahrkarten interessieren sie offenbar nicht. Lieber verkauft sie teure Tickets für Fernzüge.

Ähnlich hielt es ein Kölner Bahnberater: Er nannte nur eine relativ teure Zugverbindung. Selbst auf Nachfrage ließ er sich nicht zu günstigeren Angeboten hinreißen. Stattdessen vollführte er während der sehr wortkargen Beratung Fingerübungen. Mit geschlossenen Augen bewegte er beide Zeigefinger aufeinander zu.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2971 Nutzer finden das hilfreich.