Präsentationstechniken Test

Gut zu präsentieren gilt im Beruf als Schlüsselqualifikation. Seminare, CD-Roms und Internetkurse führen in die Praxis ein. Wir haben getestet, was sie leisten.

Es geht gleich zur Sache im Präsentationsseminar des Instituts für Management-Entwicklung (IME): Die zehn Teilnehmer haben gerade Platz genommen. Da teilt ihnen der Dozent nach einer kurzen Begrüßung auch schon mit, dass sie ein Viertelstündchen Vorbereitungszeit haben, bevor sie ihre erste Präsentation vor laufender Kamera halten werden.

Person, private Ziele, berufliche Vorstellungen, Erwartungen an den Kurs: Das sind die Punkte, die die Teilnehmer den übrigen Anwesenden eben nicht – wie ansonsten in Weiterbildungen üblich – in einer lockeren Vorstellungsrunde mitteilen, sondern per Präsentation nahebringen sollen. Diese wird auf Video aufgezeichnet und später angeschaut und besprochen. So erfahren die Kursbesucher gleich, woran sie noch arbeiten müssen, um gut und erfolgreich zu präsentieren.

Die Fähigkeit, präsentieren zu können, gilt heute als wichtige Schlüsselqualifikation in vielen Jobs. Inhalte vor Publikum mit den geeigneten Medien verständlich und unterhaltsam zu vermitteln, wird in allen Branchen erwartet – insbesondere von Fach- und Führungskräften. Und so sitzen im IME-Seminar Mitarbeiter aus der Lebensmittelindustrie und IT-Experten ebenso wie Versicherungsangestellte und Automobil-Fachleute.

Kurse zwischen 48 und 2 140 Euro

Nach dem Besuch der Seminare sollen die Teilnehmer besser präsentieren können. Die Stiftung Warentest wollte wissen, ob die Kurse halten, was sie versprechen, und hat zwölf Seminare zwischen 48 und 2 140 Euro getestet. Außerdem wurden zwei CD-Roms und drei Internetkurse zu Präsentationstechniken geprüft.

Bei dem Test der Kurse standen die fachliche und didaktische Qualität im Mittelpunkt. Wir haben geprüft, ob die wichtigsten Themen zur Sprache kamen und die Berufspraxis der Teilnehmer berücksichtigt wurde. Außerdem testeten wir den Methoden- und Medieneinsatz in den Seminaren (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet - Kurse“).

Am besten schnitten zwei vergleichsweise teure Seminare ab, die mit einer Dauer von jeweils drei Tagen aber auch länger als die meisten anderen Kurse waren: „Rhetorik und Präsentation – Überzeugen auf allen Ebenen“ der Deutschen Gesellschaft für Personalführung zum Preis von 1 740 Euro und „Wirkungsvolle Präsentationen – Vorbereitung und Durchführung“, das Integrata für  1 610 Euro anbietet (siehe Tabelle Kurse Präsentationstechniken). Diese beiden Seminare boten als einzige im Test eine „sehr hohe“ inhaltliche Qualität. Weitere vier Seminare im Test bekamen für ihre Inhalte immerhin noch ein „hoch“. Darunter war zum Beispiel auch der zum Preis von 110 Euro wesentlich günstigere Kurs „Präsentation und Moderation“ der Volkshochschule (VHS) Frankfurt am Main.

Zwei Kurse mit „sehr gutem“ Inhalt

Die Kurse der Deutschen Gesellschaft für Personalführung und von Integrata waren vorbildlich aufgebaut. Hier lag der Schwerpunkt auf der Vermittlung grundlegender Präsentationskenntnisse. Die Trainer erläuterten jeweils, wie man Präsentationen vorbereitet und strukturiert und welche Medien eingesetzt werden. Erst danach kamen Themen wie die persönliche Wirkung des Präsentierenden, der Umgang mit Pannen, kritischen Nachfragern oder Lampenfieber zur Sprache (siehe Checkliste).

Die Kurse der Privatanbieter werden vor allem von Fach- und Führungskräften gebucht und von ihren Arbeitgebern bezahlt. Bei den Preisen, die die Anbieter verlangen, sind die häufigen Mängel in der Kursorganisation bemerkenswert: Vier Kurse fanden in Räumen statt, die das Lernen erschwerten – ob sie nun überheizt, zu dunkel, zu eng oder mit schlechter Akustik ausgestattet waren.

Angebote im mittleren Preissegment, wie sie Industrie- und Handelskammern in der Regel für Schlüsselqualifikationen anbieten, waren dagegen im Testzeitraum nicht auf dem Markt. Deshalb sind zum Beispiel die Angebote der Volkshochschulen für Selbstzahler besonders interessant.

Tipp: In der VHS-Xpert-Reihe „Personal Business Skills“ kann man sich an den Volkshochschulen in Schlüsselqualifikationen für den Job weiterbilden. Es gibt zum Beispiel Kurse und Prüfungen zu den Themen Präsentation, Konfliktmanagement und Rhetorik. Nähere Infos stehen auf der Internetseite www.xpert-zertifikate.de.

Auf grobe Fehler aufmerksam werden

So gut der Aufbau – erst die Grundlagen, dann die Praxis – der Seminare der Deutschen Gesellschaft für Personalführung und von Integrata ist: Sie haben auch ihre Grenzen. Die Praxis ersetzen können sie nicht. Typische Fehler, die in Präsentationen vorkommen, kann kein Kurs innerhalb von zwei oder drei Tagen ausschließen. Das gilt zum Beispiel für einige Kardinalfehler, die selbst erfahrenen Präsentatoren immer wieder passieren. So orientieren sich viele zu sehr an Zahlen und Fakten, anstatt eine Geschichte zu erzählen. Oder sie würdigen ihr Publikum keines Blickes und beziehen es nicht mit ein.

„Wenn jemand jahrelang schlecht geredet hat, kann man das in drei Tagen nicht einfach korrigieren“, bringt Henner Barthel, Professor für Sprechwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, das Problem auf den Punkt. Bei Barthel bereiten sich Studenten mit einem zweijährigen Zusatzstudium auf Lehr- und Beratungstätigkeiten vor, bei denen auf hohem Niveau kommuniziert werden muss. Trotz der Kürze haben Zwei- oder Drei-Tageskurse aber auch für Barthel ihre Berechtigung: „In solch kurzen Seminaren können ausgewiesene Seminarleiter zum Beispiel auffallende rhetorische Mängel ansprechen, sensibilisieren und auf vorhandene Stärken aufmerksam machen, um diese zu fördern.“

Gut auf die Praxis vorbereitet hat zum Beispiel die Trainerin der VHS Frankfurt am Main. So vermittelte sie in ihrem Seminar Strategien, wie man sich gegen kritische Nachfrager und Störer wehren kann. Dafür wurden solche Situationen praktisch und in unterschiedlichen Rollenverteilungen geübt, was den Teilnehmern einen realistischen Vorgeschmack auf mögliche Zwischenfälle gab.

Auf das Feedback kommt es an

Neben praktischen Übungen ist ein fundiertes Feedback sehr wichtig. So sollten sich Trainer und Teilnehmer mit jeder gehaltenen Präsentation auseinandersetzen und dem Präsentator eine ehrliche Rückmeldung geben. Das war nicht immer der Fall. Beim eingangs erwähnten IME-Seminar zum Beispiel brachte sich der Trainer selbst um den Lohn seines gelungenen Kurs­­- einstiegs, weil bei dieser Übung aus Zeitmangel nur sehr kurze Feedbacks gegeben wurden.

In allen Seminaren im Test hielt jeder Teilnehmer mindestens eine eigene Präsentation. In elf von zwölf Kursen wurden diese per Video aufgezeichnet. Einzig die Haufe Akademie verzichtete darauf. Das muss aber kein Nachteil sein, da Teilnehmer mit geringer Medienerfahrung häufig verkrampft agieren, wenn sie vor der Kamera stehen. In solchen Fällen können Kurse ohne Videoanalysen die bessere Wahl sein.

Eine wichtige Rolle in Präsentationsseminaren spielt der Medieneinsatz. So informiert ein guter Kurs nicht nur darüber, welche dieser technischen Hilfsmittel eingesetzt werden. Der Trainer sollte auch selbst mit ihnen souverän umgehen. Das wird von jedem Präsentator erwartet: Eine Präsentation ohne Medien ist schließlich keine Präsentation, sondern ein Vortrag.

In den Kursen nutzten die Trainer neben Videoanalysen häufig Flipcharts, Moderationswände und Beamer. In einigen Kursen wurde aber fast ausschließlich mit nur einem Medium gearbeitet, etwa im beamerlastigen Seminar der Europäischen Wirtschaftsakademie Demos. Unter anderem deshalb konnten wir deren didaktische Qualität nur mit „niedrig“ bewerten.

Vorbildlich in Bezug auf den Medieneinsatz war dagegen die Deutsche Gesellschaft für Personalführung. Hier arbeitete der Trainer mit Beamer, Flipchart, Moderationswand, Video, Tageslichtprojektor und Magnettafel. Außerdem konnten die Teilnehmer sich mit diesen und weiteren Medien jederzeit selbst vertraut machen.

Das Fazit: Präsentationskurse können die Praxis nicht ersetzen, vermitteln aber in kurzer Zeit, was eine gute Präsentation ausmacht. Deshalb sind sie besonders für Anfänger geeignet.

Nur eine Lernsoftware überzeugte

E-Learning kann eine Alternative oder Ergänzung zu Präsenzkursen sein. So ist das elektronische Lernen zum Beispiel für die Lerner interessant, die beruflich oder familiär stark eingespannt sind und keine Zeit haben, ein Seminar zu besuchen. Andererseits ist diese Lernform nicht für jeden geschaffen, da sie zum Beispiel viel Disziplin erfordert (siehe Tipps). Wir haben zwei CD-Roms zu Präsentationstechniken getestet und außerdem drei Internetkurse. Bei solchen Kursen werden die Lerneinheiten über das Internet abgerufen. Anders als CD-Roms bieten viele die Chance, mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten und Onlinetutoren Fragen zu stellen. Wichtigster Prüfpunkt bei beiden Produktgruppen war die fachlich-didaktische Gestaltung.

Das Ergebnis: Nur die CD-Rom von Gabal genügte unseren Ansprüchen und bekam das test-Qualitätsurteil „Gut“ (siehe Tabelle E-Learning Präsentationstechniken). Bei diesem Produkt werden die Inhalte multimedial über einen Sprecher sowie Bilder, Grafiken und Texte vermittelt. Das motiviert den Nutzer und lässt keine Langeweile aufkommen. Viele interaktive Elemente wie Übungen, Lernkontrollen und -empfehlungen, Planungshilfen oder Ansichten zum Bearbeitungsstand helfen dem Lernenden zu erkennen, wo er Defizite hat.

So gut Gabals CD-Rom auch ist: Generell gilt, dass Präsentationsfähigkeiten per E-Learning schwer zu vermitteln sind. Es fehlt die Möglichkeit, eine Präsentation vor Publikum zu halten und das anschließende Feedback darauf. Deshalb sind die CD-Roms und Internetkurse auch eher Ergänzung als Alternative zu den Kursen.

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