Powerpoint lernen Test

Programme auf CD-Rom und im Internet führen häufig „gut“ in die Bedienung von Powerpoint ein. Was eine Präsentation ausmacht, vermitteln sie deshalb aber noch nicht.

Sarah Wyndham erlangte vor einigen Jahren kurzzeitig Kultstatus. Das angesehene US-Magazin „New Yorker“ hob die Hausfrau und Mutter aus Virginia ins Blatt, um die enorme Verbreitung der Präsentationssoftware Powerpoint zu verdeutlichen.

Wyndham war es leid, dass ihre beiden Töchter ihr zusehends auf dem Kopf her­um­tanzten, hieß es in dem Artikel. So habe sie sich kurzerhand vor den Computer gesetzt und eine 18-seitige Powerpoint-Präsentation erstellt, in der sie die Mädchen Punkt für Punkt an ihre häuslichen Pflichten erinnerte. Laut Artikel wirkte die Präsentation tatsächlich – jedenfalls besser als alle Bitten und Ermahnungen zuvor.

Die Botschaft des Artikels war eindeutig: Powerpoint ist im Mainstream angekommen und dominiert den Markt für Präsentationswerkzeuge. Das ist immer noch der Fall. Gleichzeitig steht die Software aber in der Kritik: Sie verleite Präsentatoren dazu, die Form über den Inhalt zu stellen und führe so zu endlosen Folien- und Spiegelstrichschlachten – mit dem Ergebnis, dass das Publikum eher im Banne des Beamers und der an die Wand geworfenen Folien stehe, als dem eigentlichen Vortrag zu lauschen. Jochen Mai, Autor und Betreiber des Weblogs karrierebibel.de, bringt es auf den Punkt: „Powerpoint ist das weltweit meistverbreitete Präsentationswerkzeug – und zugleich auch das meistgehasste.“

Wer noch nicht sattelfest in Sachen Powerpoint ist, dem bieten elektronische Kurse eine schnelle und effektive Hilfe. Wir wollten wissen, ob diese Lernprogramme halten, was sie versprechen, und haben jeweils 5 CD-Roms und webbasierte Trainings (WBTs) – das sind Kurse, die über das Internet abgerufen werden – untersucht.

Für erfahrene Präsentatoren

Das Ergebnis: Powerpoint-Lernprogramme führen häufig „gut“ in die Bedienung der Software ein. Doch um ein guter Präsentator zu werden, reicht es nicht, grafisch anspruchsvolle Folien zu kreieren. Deshalb können wir die Produkte im Test auch nur erfahrenen Präsentatoren empfehlen. Anfänger sollten eher ein Seminar (siehe Tipps) besuchen, das Präsentationsgrundlagen vermittelt, und in dem die Teilnehmer für die Praxis üben können.

Testsieger kommt gleich zur Sache

Was eine gute Präsentation ausmacht, ist also eher nicht das Thema eines Powerpoint-Trainings. So kommt auch unser Testsieger, die CD-Rom „PowerPoint 2007“ von Franzis, ohne Umschweife zur Sache. Nach einer Einführung per Bild und Ton, was man mit Powerpoint alles anstellen kann, findet sich der Nutzer in einer interaktiven Simulation wieder, auf der nach und nach die Benutzung der Software erklärt wird: von der Benutzeroberfläche über die Folienerstellung bis zum Einbau von Animationen.

Das kann der Lernende dann mit Übungen festigen. Außerdem informiert ihn eine Statistik über Lerndauer und Bearbeitungsstand und zeigt die Themen an, die er wiederholen sollte. Zusammen mit einem schicken Layout hat Franzis damit eine CD auf dem Markt, die für 70 Euro alle wichtigen Inhalte zu Powerpoint anspricht und außerdem Lust zum Ausprobieren macht.

Es geht auch billiger

Dieselben Inhalte und Übungen sind auch für fast die Hälfte des Preises zu haben: Die CD der Firma KnowHow ist inhaltlich gleich mit der von Franzis, kostet aber nur rund 36 Euro und schneidet im Test allein wegen ihrer lückenhaften Produktinfos schlechter ab. Für Schnäppchenjäger ist auch der kostenlose Internetkurs von Teia eine Alternative. Er ist sogar ausführlicher als die CD-Roms von Franzis und KnowHow. Spaß am Lernen vermittelt er aber nicht: So werden die Inhalte überwiegend mit Texten und Schaubildern dargestellt. Auch Benutzerangaben oder Lernfortschritte zeigt er nicht an. Das gilt auch für die CD-Rom von Teia, die für 20 Euro erhältlich ist.

Ausschließlich auf die Neuerungen der Powerpoint-Version 2007 beschränkt sich die CD-Rom von Sybex. Sie ist somit nur Anwendern zu empfehlen, die von der älteren 2003er- auf die 2007er-Powerpoint-Variante umstellen möchten.

Woran es bei Internetkursen hapert

Theoretisch haben Internetkurse Vorteile gegenüber CD-Roms. So sollte es mit ihnen leichter sein, mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten und Onlinetutoren Fragen zu stellen. Der Test zeigt aber, dass Kursanbieter und Nutzer von der Möglichkeit, sich im Internet zum Beispiel über Chats oder Foren auszutauschen, nur wenig Gebrauch machen: So bietet das IHK Bildungszentrum Dresden zwar ein Forum an, Kommunikation findet dort offensichtlich aber nicht statt. Beispiel: Eine E-Mail-Anfrage, die einer unserer Tester im Forum gestellt hatte, war auch eine Woche danach weder gelesen noch beantwortet worden.

Theorie und Technik sind nicht alles

Fazit: Insgesamt halten die Powerpoint-Trainings das, was der virtuelle Sprecher der Franzis-CD verspricht: „das Erstellen professioneller Präsentationen ohne umfangreiche Grafikkenntnisse“. An mangelnden Technikkenntnissen sollte der Umgang mit Powerpoint also nicht scheitern.

Das bestätigt auch Jochen Mai, der ein Resümee zu den Fragen zieht, die ihm auf karrierebibel.de zu Powerpoint gestellt werden: „Obwohl den meisten Anwendern klar ist, wie Powerpoint technisch funktioniert, herrscht auf der anderen Seite große Unsicherheit über den richtigen Einsatz, also: Wie viele Folien? Wie aufgebaut? Was sage ich dazu? Wie wird die Präsentation interessanter?“ Um dem Banne des Beamers zu entkommen, hilft neben aller Theorie und Technik also nur der Sprung ins kalte Wasser: in die Praxis.

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