Besonderheit: Priligy: Gegen vorzeitigen Samenerguss

Keine Kontrolle. Vorzeitiger Samenerguss ereignet sich häufig auch im Zusammenhang mit Erektionsstörungen. Der Höhe- und Schlusspunkt kann nicht kontrolliert werden. Ejaculatio praecox kann den Mann in verschiedenen Formen ein Leben begleiten oder sich später entwickeln, häufig zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Vorzeitiger Samenerguss ist angeblich die häufigste Sexualstörung beim Mann – allerdings wird auch vermutet, solche Angaben sollten helfen, ein neues Therapiefeld zu propagieren.

Bisherige Angebote. Bisher wird bei vorzeitigem Samenerguss eine verhaltenstherapeutische Behandlung empfohlen oder eine Psychotherapie angeregt. Es gibt auch lokal betäubende Zubereitungen. Diese Methode kann aber das Empfinden beider Partner reduzieren und ist nicht gut untersucht.

Erstes Medikament. Nun wurde gegen vorzeitigen Samenerguss erstmals ein Medikament (rezeptpflichtig) zugelassen: Priligy mit dem Wirkstoff Da­poxetin, ein rasch wirkender selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), ein Antidepressivum. Zu Nebenwirkungen solcher Mittel zählen auch Orgasmusschwierigkeiten. Zugelassen ist der Wirkstoff Dapoxetin für Männer zwischen 18 und 64 Jahren, in Dosierungen von 30 und 60 Milli­gramm, Initialdosis 30 Milligramm, einzunehmen ein bis drei Stunden vor dem Sex, einmal in 24 Stunden. 60 Milligramm sind möglich bei noch akzeptablen Nebenwirkungen (Übelkeit, Kopfschmerzen, Depressionen).

Gewonnene Zeit. Alle vorliegenden Untersuchungen zeigen eine Verlängerung der Zeit zwischen Penetration und Ejakulation im Schnitt um eine Minute, eventuell bis zu zwei Minuten. Die Zeitnahme durch die Partnerin per Stoppuhr ist allerdings kaum objektiv. Eine im Schnitt 60 bis maximal 120 Sekunden hinausgezögerte Ejakulation kann im Individualfall aber von Bedeutung sein – Stoppuhr-Studien zeigen ohnehin, dass Männer die Länge eines Akts oft grandios überschätzen.

Unerwünschte Nebenwirkungen. Neben der Verzögerung der Ejakulation treten aber auch Erektionsstörungen auf, Libidoverlust (bei bis zu 10 von 100 Personen), oder die Ejakulation bleibt aus. Priligy kann nicht angewendet werden bei Einnahme von Antipilzmitteln, bei Therapie von Migräneanfällen mit Triptanen, Herzerkrankungen, Epilepsie, Depression. Man sollte nicht am Straßenverkehr teilnehmen, nicht an Maschinen arbeiten (Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Benommenheit möglich). Das Mittel sollte nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden.

test-Kommentar: Mit Einschränkung geeignet bei hohem Leidensdruck. Therapeutische Wirksamkeit, Verträglichkeit nicht ausreichend untersucht.

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