Potenzmittel und Schlankheitsmittel Meldung

Pillen aus dem Internet zum Abnehmen, Fitwerden oder zur Potenz­steigerung können illegale und gesundheits­schädliche Substanzen enthalten. Davor warnt der Bundes­verband der Verbraucher­zentralen (vzbv) zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin. Um seriös zu wirken, bedienen sich einige Online­shops für Nahrungs­ergänzungs­mittel auch falscher Gütesiegel – etwa dem test-Siegel der Stiftung Warentest.

Riskante und verbotene Arzneistoffe

Ein kürzlich veröffentlichter Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergab: Jedes dritte der 70 im Internet gekauften Nahrungsergänzungsmittel ausländischer Herkunft enthielt illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Stoffe. Untersucht wurden Schlankheitsmittel, Anti-Aging- und Potenz-Mittel sowie Sportlernahrung. Die häufigsten Funde gab es bei Schlankheits- und Potenzmitteln: Jeweils rund 62 Prozent der untersuchten Präparate enthielten verbotene pharmakologische Substanzen. Und das, obwohl die Pillen, Kapseln, Tees und Kaugummis als „natürlich“ oder „pflanzlich“ beworben werden. Mehrere Schlankheitsmittel enthielten etwa den Stoff Phenolphthalein, der als potenziell krebserregend gilt. In Diät-Pillen wurde auch der Appetitzügler Sibutramin gefunden: Er ist seit zwei Jahren EU-weit verboten, da er das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. In angeblich rein pflanzlichen Mitteln zur Potenzsteigerung wies das Labor den verschreibungspflichtigen und synthetischen Potenzwirkstoff Tadalafil nach: Er kann schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen. In 19 Prozent der untersuchten Sportlerprodukte wurden dopingrelevante Stimulanzien wie Amphetamin analysiert.

Dubiose Firmen rutschen durch das Kontrollsystem

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen fordert angesichts der Untersuchungsergebnisse eine konsequentere Überwachung des Internethandels. Da Nahrungsergänzungsmittel im rechtlichen Sinne als Lebensmittel gelten, ist dafür in Deutschland die Lebensmittelüberwachung zuständig. Sie kann diese Aufgabe aber nicht schultern, so der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure: Das liege an der fehlenden Ausstattung und zu wenig sowie nicht ausreichend ausgebildetem Personal. Zudem seien die Ämter hoffnungslos überfordert angesichts der Vielzahl an dubiosen Firmen im Internet. Daher rutsche ein Großteil dieser Firmen durch das Kontrollsystem. Lebensmittelkontrolleure und Verbraucherschützer fordern eine Reform der Überwachung: Damit sie effizient und schlagkräftig sein kann, sei unter anderem eine Neuordnung der Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Gemeinden erforderlich. Ein für den globalen Markt produzierendes Unternehmen könne nicht von einer kommunalen Behörde geprüft werden. Ähnliche Forderungen hatte bereits der Bundesrechnungshof Ende vergangenen Jahres in einem Gutachten gestellt.

Auch die Stiftung Warentest warnt

Dass in Nahrungsergänzungsmittel mitunter riskante Substanzen stecken, ist nicht neu. Auch die Stiftung Warentest untersucht immer wieder solche Mittel: In 13 von 16 Schlankheitsmitteln aus dem Internet wiesen die Tester gesundheitlich riskante Inhaltsstoffe nach. Nahrungsergänzungsmittel für Kinder waren oft überdosiert und können sogar schaden. Und drei getestete Algenpräparate enthielten Spuren giftiger Microcystine.

Missbrauch des test-Siegels der Stiftung Warentest

Potenzmittel und Schlankheitsmittel Meldung

Irreführendes test-Logo

Das test-Logo auf der Webseite www.pillendienst.eu ist irreführend. Der angegebene Test hat nie stattgefunden.

Doch nicht nur bezüglich der Produkte sind die Angaben der Onlineshops oft nicht korrekt. Sie stellen sich oft auch falsche Qualitätssiegel aus. Besonders krasses Beispiel: Der Onlineshop www.pillendienst.eu wirbt mit einem Test der Stiftung Warentest, der nie stattgefunden hat: Auf der Homepage findet sich prominent ein test-Siegel, obwohl weder der Anbieter noch seine Produkte in einem Test der Stiftung Warentest vertreten waren. Gegen falsche Werbung mit Testurteilen geht der vzbv vor. Er verfolgt in Abstimmung mit der Stiftung Warentest Verbrauchertäuschungen mit Abmahnungen und, soweit das nicht ausreicht, mit gerichtlichen Schritten. In diesem speziellen Fall konnte der vzbv allerdings nicht abmahnen, da auf der Seite www.pillendienst.eu keine ladungsfähige Anschrift angegeben ist. Auch eine Domain-Abfrage blieb erfolglos.

Tipp: Ob die Stiftung Warentest ein Produkt wirklich getestet hat, finden Sie über die Suche auf www.test.de heraus. Auch ob die Urteile stimmen, mit denen geworben wird, können Sie so feststellen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 155 Nutzer finden das hilfreich.