Zwei neue Potenzpillen kommen jetzt auf den Markt. Ihr Wirkprinzip ähnelt dem von Viagra. Der kleine Unterschied: Eine ist näher dran am natürlichen Sex.

Die eckige blaue Potenzpille Viagra bekommt Konkurrenz. Im März soll der neue Wirkstoff Vardenafil (im Präparat Levitra von Bayer) auf den deutschen Markt kommen, Tadalafil (im Präparat Cialis von Lilly) gibt es schon seit Anfang Februar. Nach Angaben der Hersteller wirken die Substanzen noch zielgenauer am Penis und bieten zum Teil Vorteile bei Einnahme und Verträglichkeit. Wie sich die Neuen nach mehreren Jahren und Nutzung durch zahlreiche Männer bewähren, wird sich zeigen.

Im Unterschied zum bereits millionenfach eingenommenen Viagra wurden bei Tadalafil in der Testphase keine Sehstörungen beobachtet. Nach Herstellerangaben soll Vardenafil seltener Kopfschmerzen hervorrufen als die berühmte blaue Vorgängerpille. Ob allerdings auch das Herz-Kreislauf-Risiko geringer ist, das immer wieder zu Schlagzeilen und Beunruhigung führte, lässt sich heute noch nicht sagen. Im Zusammenhang mit Viagra war in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Zwischenfällen bekannt geworden, in der Regel allerdings bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch und durch Überanstrengung.

Zwischen den beiden Newcomern selbst gibt es Unterschiede vor allem bei der Zeit bis zum Wirkeintritt und bei der Wirkdauer. So wirkt Vardenafil nach den vorliegenden Daten ein wenig schneller als Viagra (nach etwa 20 Minuten, Viagra nach 20 bis 30 Minuten) und ungefähr genauso lange (bis zu 4 Stunden). Tadalafil erreicht seine volle Wirkstärke dagegen erst nach 45 bis 90 Minuten. Doch das Besondere an Tadalafil ist seine lange Wirkdauer von bis zu 24 Stunden. Das soll ein normales Sexualleben ohne den Gedanken an die Einnahme einer Potenzpille ermöglichen. Männer, die auf solche Medikamente nicht verzichten können, sind somit näher dran am natürlichen Sex.

Die lange Wirksamkeit birgt freilich auch eine Ungewissheit: Das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen könnte bei der längeren Zeitspanne erhöht sein. Bei Viagra liegen mittlerweile die Ergebnisse und Erkenntnisse des millionenfachen „Menschenversuchs“ vor. Bis heute haben mindestens 20 Millionen Männer in 110 Ländern das Mittel ausprobiert. Die neuen Mittel wurden bisher lediglich an mehreren Tausend Männern in verschiedenen Studien getestet.

Potenz zum Schlucken

Nach dem Erfolg von Viagra (Wirkstoff Sildenafil), dem ersten wirksamen Potenzmittel zum Schlucken, unternahmen Pharmafirmen erhebliche Anstrengungen, weitere zu entwickeln. Und so ist seit Sommer 2001 Apomorphin HCL sublingual in der EU als Ixense von Takeda Pharma oder als Uprima von Abbot in einer 2- und 3-Milligramm-Dosierung erhältlich. Der Wirkstoff Apomorphin ist schon seit dem vorletzten Jahrhundert bekannt – als Brechmittel bei Vergiftungen. Die erigierenden Effekte wurden erstmals 1966 im Tierversuch beschrieben. Doch erst die Entwicklung einer Tablette, die sich unter der Zunge auflöst, ermöglichte eine Erektion ohne Übelkeitsreaktionen.

Zufallstreffer Viagra

Viagra war für Hersteller Pfizer ein Zufallstreffer. Eigentlich suchte er nach einem neuen Blutdrucksenker. Als die ersten Tests an gesunden Probanden beendet waren, wunderten sich die Prüfärzte, warum die restlichen Tabletten nicht zurückgegeben wurden: Die Testpersonen erlebten ein neues Wirkprinzip – statt den Blutdruck zu senken, wirkte das getestete Medikament auf die glatte Muskulatur im Schwellkörper des Penis. Der verstärkte Bluteinstrom bei gedrosseltem Blutabfluss ist die Grundvoraussetzung für eine Erektion. Der Siegeszug der eckigen Pille begann.

In zahlreichen Studien konnte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Viagra an großen Anwendergruppen bewiesen werden. Es hilft auch Männern mit chroni­schen Erkrankungen, selbst Querschnittsgelähmten. Nebenwirkungen wie verstopfte Nase, Gesichtsrötung oder Kopfschmerzen sind meist nur leichterer Art. Bei der ersten Anwendung sollte die 25-Milligramm-Dosierung getestet werden (der Hersteller empfiehlt das nur für ältere Männer). Die übliche Dosierung liegt dann bei 50 und kann bei Bedarf auf 100 Milligramm erhöht werden.

Dennoch ist Viagra nicht für jeden Mann geeignet, zum Beispiel nicht für denjenigen, der Arzneimittel einnimmt, die ebenfalls die Stickstoffmonoxidkonzentration erhöhen (Nitrate bei Herzerkrankungen). Dadurch kann der Blutdruck gefährlich fallen und es droht sogar plötzlicher Herztod. Bisher wurden in den USA etwa 700 solcher Zwischenfälle gemeldet, eine hohe Dunkelziffer wird vermutet. Es gibt aber auch Studien, die kein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko feststellen konnten, wenn die genannten Gegenanzeigen (siehe Tabelle auf Seite 93) beachtet werden. Weiterer Forschungsbedarf besteht aber noch.

Sehstörungen durch Viagra

Doch trotz aller Einschränkungen, Risiken und Zwischenfälle zählt Viagra inzwischen zu den am häufigsten über das Internet bestellten Medikamenten. Bei potenten Potenzmitteln ist das Internet aber der falsche Weg. Tipp: Sichern Sie sich immer über einen Arzt ab, um Risiken zu vermeiden. Das gilt insbesondere bei Herz-Kreislauf-Problemen oder wenn Sie Herzmittel einnehmen.

Eine mögliche Nebenwirkung der Potenzpille ist eindeutig belegt: Weil der Wirkstoff Sildenafil bestimmte Enzyme angreift, so auch in der Netzhaut des Auges, kommt es nach der Einnahme von Viagra bei etwa jedem zehnten Anwender zu Sehstörungen. Der deutsche Beipackzettel beschreibt diese Nebenwirkungen, wie Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen und Farbsehstörungen, als leicht und vorübergehend. In den USA wird der Viagra-Konsument dagegen auf die Gefahr schwerer, bleibender Schädigungen des Sehnervs hingewiesen. Hierzulande warnte das „arznei-telegramm“ vor bleibenden Gesichtsfeldausfällen. Treten nach der Einnahme von Viagra Sehstörungen für länger als eine Stunde auf, muss zur Kontrolle ein Augenarzt aufgesucht werden.

Pfizer hat Warnhinweise in Deutschland noch nicht in die Patienteninformation aufgenommen. Doch mit Prominenten, wie zum Beispiel dem ehemaligen brasilianischen Fußballstar Pelé, machte er in Anzeigen deutlich auf das Thema Potenzstörung aufmerksam. Schließlich droht Viagra nun mit den neuen Wirkstoffen ernsthafte Konkurrenz.

Dieser Artikel ist hilfreich. 5466 Nutzer finden das hilfreich.