Postbank: Dreiste Werbung fürs Dax-Sparbuch Meldung

Das ist ziemlich dreist: „Ab sofort: Sparen mit dem DAX-Sparbuch wird noch attraktiver – neuer Basiszins von bis zu 1,8% p.a.“, verkündet die Postbank auf ihrer Homepage. Für Inhaber eines Dax-Sparbuchs mit 5 000 bis 15 000 Euro Guthaben nämlich sinkt der Basiszins auf kümmerliche 1,2 Prozent. Bis 5 000 Euro Guthaben zahlt die Postbank sogar nur noch 0,5 Prozent. Nur bei einem Guthaben von mehr als 50 000 Euro gibts künftig noch 1,8 Prozent. Außer dem Basiszins bekommen Dax-Sparer einen Bonus, der aus der Entwicklung des Deutsche Aktien-Index Dax errechnet wird. Doch auch mit diesem Bonus bleibt die Rendite mager.

Erst ab 50 000 Euro Guthaben

„Rendite seit Jahresbeginn: 3,76 % Zinsen p. a.!“, jubelt die Postbank. Doch auch das klingt besser als es ist. Die Angabe gilt nur bei einem Guthaben ab 5 000 Euro und nur für den Zeitraum von Januar bis August. Für Anleger mit 5 000 bis 25 000 Euro wird die Rendite von jetzt bis zum Jahresende wahrscheinlich geringer ausfallen, so dass die Rendite fürs ganze Jahr auch noch mehr oder weniger deutlich bröckeln kann. Anleger mit 25 000 bis 50 000 Euro erhalten ab September einen Basiszins von 1,6 Prozent. Das ist in etwa so viel wie im Durchschnitt des Jahres bis Ende August. Attraktiver wird das Dax-Sparbuch für Sparer mit mehr als 50 000 Euro. Sie erhalten künftig 1,8 Prozent Basiszins. Wer vor dem Jahreswechsel mit so viel Geld eingestiegen ist, wird aufs ganze Jahr gesehen auf eine Rendite von mehr als 3,76 Prozent kommen. Voraussetzung: Der Basiszins wird nicht gesenkt.

Rechentricks mit Kursgewinnen

Gemessen an der Dax-Entwicklung ist selbst das Zwischenergebnis von insgesamt 3,76 Prozent Rendite bescheiden. Der Deutsche Aktien-Index hat von rund 3 050 Punkten Anfang Januar auf aktuell rund 3 650 Punkte und damit um fast 20 Prozent zugelegt. Gegenüber dem Tiefstand des Dax (2 200 Punkte im März) sind die Kurse sogar um fast 65 Prozent gestiegen. Von diesen Kursgewinnen kam beim Postbank-Dax-Sparbuch kaum etwas an. Grund ist die Konstruktion des Produkts: Der Dax-Bonus wird Monat für Monat neu errechnet und führt nur für den betreffenden Monat zu einer höheren Verzinsung des Sparkapitals. Beispiel: Im April als in diesem Jahr bislang bestem Monat ist der Dax um satte 15,4 Prozent gestiegen. Die Hälfte davon, also 7,7 Prozent, erhielten Dax-Sparbuchinhaber für April als zusätzlichen Jahreszins. Das klingt großartig, macht aber aufs ganze Jahr gerechnet eine Erhöhung des Basiszinses um gerade mal 0,65 Prozentpunkte aus.

Mehr Zinsen mit Tagesgeld

Mit Aktienanlagen kann sich das Dax-Sparbuch also nicht messen. Die Renditechancen an den Aktienmärkten bleiben praktisch ungenutzt. Was bleibt, ist die Sicherheit eines Sparbuches. Anders als beim Kauf von Dax-Aktien oder Fondsanteilen sind Verluste ausgeschlossen. Zumindest den Basiszins zahlt die Postbank immer. Doch auch im Vergleich zu anderen Sparanlagen mit variablem Zins schneidet das Postbank-Angebot nicht gut ab. Finanztest hat anhand der Entwicklung des Dax seit 1971 nachgerechnet. Ergebnis: Der Jahresbonus hätte zwischen 0,26 Prozent (1979) und 2,72 Prozent (1997) gelegen. Durchschnittswert: 1,21 Prozent. Mit anderen Worten: Bei einem Basiszins von 1,2 Prozent käme das Postbank-Dax-Sparbuch auf eine durchschnittliche Renditeerwartung von 2,41 Prozent. Bei einem Basiszins von nur 0,5 Prozent, wie ihn die Postbank derzeit für Guthaben bis 5 000 Euro zahlt, sinds sogar nur 1,71 Prozent. Die besten aktuellen Tagesgeldangebote dagegen warten mit Zinssätzen um die 3 Prozent schon vom ersten Euro an auf.

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