Portions­kaffee­maschinen Test

Eine simple „gute“ Maschine für Kaffee­pads ist schon für 49 Euro zu haben. Geräte für Kapseln kosten leicht das Dreifache – und mehr Müll machen sie auch.

Zwei bis drei Tassen Kaffee trinkt jeder Deutsche am Tag, sagen Statistiker. Die klassische Filter­maschine bleibt dabei immer öfter kalt. Statt­dessen rinnt der Muntermacher direkt in die Tasse – aus einer Portions­kaffee­maschine. Daraus dampft der edle Braune oft schneller und bequemer.

Kaffee im Pad ab 13 Cent

Weiterer Vorteil: Jeder aus der Runde kann sich sein Getränk nach eigenem Gusto zubereiten. Die meisten Anbieter offerieren nämlich diverse Kaffee­sorten, von mild bis kräftig, von Caffè Crema bis Caffè Lungo.

Am vielseitigsten sind die sieben system­unabhängigen Auto­maten für Kaffee­pads, die wie die bekannten Senseo-Maschinen funk­tionieren. Sie brühen aus allen handels­üblichen weichen Pads, die sieben Zenti­meter Außen­durch­messer haben und etwa sieben Gramm Kaffee­pulver enthalten.

Eine Tasse Senseo oder Jacobs Krönung schlägt hier mit 13 Cent oder 14 Cent zu Buche – abge­sehen von den rund 1 Cent Betriebs­kosten für Strom und Wasser. Kaffee­pads von Discountern gibt es schon einige Cent güns­tiger. Ob einem der Geschmack zusagt, lohnt sich auszupro­bieren.

Kaffee in der Kapsel ab 25 Cent

Portions­kaffee­maschinen Test

Die getesteten Portions­maschinen brühen üblicher­weise Kaffee, keinen Espresso. Nur wenige Auto­maten können richtig Druck aufbauen wie zum Beispiel die Krups Nescafé Dolce Gusto. Mit der entsprechenden Espressokapsel fließt hier dann auch der kleine Schwarze in die Tasse.

Fest­gelegt ist der Kunde mit einer Maschine für Kapseln, denn sie ist system­abhängig. In die Krups Nescafé Dolce Gusto, die Bosch Tassimo T40, T65 und in die Tchibo Cafissimo passen nur die dazu­gehörenden Kunst­stoff­döschen zum Stück­preis von 25  Cent aufwärts. Mal eben von der Tassimo-Disc zur Dolce-Gusto- oder Tchibo-Kapsel zu wechseln, klappt nicht. Wer Abwechs­lung in der Tasse möchte, kann nur inner­halb des Systems wählen.

Kapsel­systeme produzieren außerdem mehr Müll als Kaffee­pads, die in den Biobehälter dürfen. Von dieser „Zwangsehe“ profitieren in erster Linie die Geräte- und Kaffee­anbieter. Sie fördert die Kundenbindung und ist ausgesprochen lukrativ. Schließ­lich kostet ein Pfund Kaffee in Kapseln leicht das Vierfache einer Packung Filter­kaffee. Auch die Portions­geräte selbst sind häufig teurer als klassische Filter­maschinen. Das billigste Gerät im Test, Severin KA 5156, ist für 49 Euro zu haben. Damit lässt sich aber nur Kaffee brühen, keine Milch­spezialität zubereiten, was auch der kleine Hingu­cker WMF1 für stolze 99 Euro nicht kann.

Petra KM 45 und Tchibo mittel­mäßig

Wie gut der Kaffee wird, haben wir bei allen Portions­maschinen ausprobiert, stets mit den empfohlenen Pads, Kapseln oder Discs. Stand in der Gebrauchs­anleitung dazu nichts Konkretes, wurden Jacobs-Krönung-Pads gebrüht. Viel auszusetzen gab es nicht. Unsere Verkoster stellten keinerlei sensorische Fehler fest. Nur zwei Muntermacher lagen ihnen nicht so gut auf der Zunge.

Der Kaffee aus der Petra KM 45 schmeckte vergleichs­weise wässerig, der aus der Tchibo Cafissimo etwas bitter. Was hier binnen 80 Sekunden in die Tasse floss, sah auch etwas trübe aus und roch ein klein wenig abge­standen. Die Cafissimo ist außerdem langsa­m, und die Kapseln machen viel Müll. So landet die Maschine des traditions­reichen Kaffee­rösters am Ende auf dem letzten Platz. Übrigens: Die fehlende Crema haben wir nicht bewertet, weil Filter­kaffee die normaler­weise nicht hat. Bei den Tassimo-Maschinen gibt es sie mit den Jacobs-Krönung-Discs auch nicht. Wer Schaum will, muss zu anderen Kapselsorten greifen.

Wie stark der Kaffee wird, ist vorgegeben – durch die Pulver- und Wasser­menge. Bei manchen Auto­maten kann der Benutzer die Tassenfüllung manuell korrigieren oder stufenlos regulieren und den Kaffee so auf seinen Geschmack trimmen. Ist das nicht möglich, hilft Tricksen.

Tipp: Wenn Sie die Maschine vor Brühende stoppen, fließt weniger Wasser in die Tasse, der Kaffee wird stärker. Soll er schwächer werden, muss Wasser nach­laufen. Wählen Sie dazu „Große Tasse“ oder „Zwei Tassen“ oder drücken Sie den „Ein-Tassen-Knopf“ ein zweites Mal. Sie sollten dann aber nicht die komplette Wasser­menge durch­laufen lassen, auch nicht die vollen zwei Tassen. Das gibt sonst Blümchen­kaffee.

Latte macchiato oder so ähnlich

Portions­kaffee­maschinen Test

Milch­pulver oder Milch aus der Kapsel mag nicht jeder. Die Alternative:Milch­schaum aus loser Milch. Bei der Philips Senseo Latte Select ist der Milchbehälter integriert.

Viele Maschinen der neuen Generation können – ganz im Trend – irgendwie auch Milch­getränke zubereiten. Wobei die Betonung auf „irgendwie“ liegt. Denn die Wege zu Cappuccino, Latte macchiato oder Café Latte (Milch­kaffee) sind sehr unterschiedlich. Die Tassimos von Bosch benutzen dafür eine zweite Kapsel mit Flüssigmilch, Krups Nescafé Dolce Gusto hat eine mit Milch­pulver. Das steckt auch im Doppelpad (Kaffee- plus Milch­pulver) der Philips New Generation. Alle anderen schäumen lose Milch auf, entweder aus einem einge­bauten Milchbehälter (Philips Senseo Latte Select) oder direkt aus der Milchpa­ckung (Petra KM 42 und 45, Quelle/Privileg). Der Schaum wird auch schön feinporig.

Zwei Varianten für den Latte-Genuss bietet Tchibo Cafissimo: Eine klassische Aufschaumdüse wie bei Espresso­maschinen macht den besten Milch­schaum im Test, er ist feinporig, stabil und fest. Wem das zu umständlich ist, der rührt süßes Milch­pulver mit Stabilisatoren und Aromen aus dem Beutel mit Heiß­wasser aus der Dampf­düse auf und lässt Kaffee dazu­fließen.

„Wie aromatisiertes Wasser“

Doch ein großes Geschmack­serlebnis sollten Genießer nicht erwarten. Mit einem leckeren Latte macchiato aus der Espressobar können die Milch­getränke höchs­tens optisch mithalten – wenn über­haupt. „Schmeckt wie aromatisiertes Wasser“, „zu wenig Kaffee­geschmack“, „leicht wäss­rig“, „nicht konzentriert genug“ oder „traurige Optik“, kommentierte Baristameisterin Nana Holt­haus-Vehse einzelne Kost­proben, die alle nach Anbieter­angaben zubereitet waren. Kein Wunder, denn ein echter Latte macchiato wird aus Frisch­milch und richtigem Espresso zubereitet (siehe Interview).

Manche brühen auch Espresso

Aus den Portions­maschinen rinnt normaler­weise Kaffee, kein Espresso, weil die Geräte kaum Druck aufbauen. Manche Getränke bekommen zwar eine leichte Schaumhaube, ähnlich dem schweizerischen Schümli. Mit Espresso, der unter hohem Druck (9 bis 15 bar) in wenigen Sekunden in die Tasse läuft, hat das nichts zu tun. Nur die Kapselgeräte von Bosch, Krups und Tchibo können den Druck variieren. Mit den passenden Espressokapseln fließt dann auch italieni­scher Caffè in die Tassen.

Im Standby nicht mehr als 1 Watt

Die neuen Portions­kaffee­maschinen verbrauchen deutlich weniger Strom als früher. Das hat mehrere Gründe. Bosch Tassimo T40, T65, Severin und WMF1 heizen per Durchlauf­er­hitzer das Wasser nur bei Bedarf schnell auf. Im Standby wurde die Leistungs­aufnahme bei allen Geräten auf 1  Watt und darunter gedrückt. Zur Veranschaulichung: Eine einzelne 60-Watt-Glühbirne hat etwa die gleiche Leistungs­aufnahme wie 60 einge­schaltete Kaffee­maschinen zusammen.

Bequem für den Benutzer ist die sogenannte Betriebs­bereitschaft, aus der sofort Kaffee gebrüht werden kann. Das kostet aber Strom. Doch die Geräte schalten automa­tisch auf Standby – die mit Durchlauf­er­hitzer gleich nach dem Brühen, Petra KM 45 nach fünf Minuten und Tchibo Cafissimo nach zwei Stunden. So halten sich wenigs­tens die Strom­kosten in Grenzen.

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