Portabler LCD-TV von Norma Schnelltest

Normal ist das nicht, was Norma momentan für 179 Euro anbietet: Ein portables TV-Gerät von Bluemedia, das komfortabel in Aktentaschen oder Rucksäcke passt. Der Bildschirm hat eine Diagonale von zirka 20 Zentimeter und das Gerät wiegt etwa ein Kilo. Analoger und digitaler Fernsehempfang per Antenne ist bereits eingebaut. Was allerdings fehlt: ein Akku. Stromversorgung gibts nur per Netzteil oder Kfz-Adapter. Stiftung Warentest hatte sich Ende November 2005 das Norma-Angebot im Schnelltest angeschaut. Da kostete es noch 199 Euro. Damals wie heute stellt sich die Frage: Wo ist das Gerät überhaupt sinnvoll einzusetzen?

Wo ist die Antenne?

Am Anfang geht alles ganz schnell: 179 Euro bei Norma bezahlen, die blaue Kiste von Bluemedia mitnehmen, den Mini-TV auspacken, das Netzteil anschließen, die Antenne ausziehen und das Gerät anschalten. Nun mal langsam! Vielleicht doch erst mal in die Gebrauchanleitung schauen. Dort steht: „Ziehen Sie den Stecker der Teleskopantenne heraus. Dann stecken Sie das Antennenkabel der externen Antenne in die Antennenbuchse am Fernsehgerät“. Doch von einer externen Antenne ist in der Kiste nichts zu sehen. Auch nicht in der Zubehörliste auf der Verpackung. Sie ist also im Lieferumfang gar nicht enthalten. Die Bedienungsanleitung führt da ein wenig in die Irre.

Wo kann ich schauen?

Nun geht es schon schleppender voran. Wem der Klappbügel an der Hinterseite des Geräts zum Hinstellen nicht genügt, kann den mitgelieferten Standfuß nutzen. Doch die Montage desselben erfordert höchste Fingerfertigkeit und einen langen Schraubenzieher. Hat der Norma-Kunde es geschafft, wird er durch einen in alle Richtungen drehbaren Schwenkfuß belohnt. Doch jetzt erst folgt die größte Enttäuschung: Der Bluemedia-TV lässt sich nur per Netzteil oder Kfz-Adapter betreiben. Das Fernsehvergnügen auf der grünen Wiese, das das Foto auf der Verpackung verspricht, bleibt Illusion. Ohne Steckdose in der Wohnung oder Zigarettenanzünder im Auto läuft nichts.

Wie sortiere ich die Sender?

Steht das Gerät, geht die Menübedienung recht leicht und unkompliziert. Jedenfalls im DVB-T-Betrieb. Das Menü ist gut strukturiert, die Funktionen und Tasten auf der Fernbedienung sind genau darauf abgestimmt. Die Menüeinträge sind weitgehend selbst erklärend, sodass die Anleitung kaum helfen muss. So prima das Menü im DVB-T-Betrieb ist, so mies ist es beim Analog-Empfang. Das Menü sieht völlig anders aus und ist auch anders zu bedienen. Verständlich wird es nur mit Hilfe der Anleitung. Und auch dann nicht immer. Beispiel: Den Testern gelang es nicht, die Reihenfolge der nach einem automatischen Suchlauf gefundenen Sender zu sortieren - trotz Lektüre der Anleitung.

Wie finde ich das optimale Bild?

Nach all den negativen Eindrücken, jetzt etwas Positives: Für ein kleines tragbares Gerät zeigt der Norma-Fernseher ein ordentliches Bild. Es ist in der Qualität zwar nicht zu vergleichen mit einem „normalen“ Fernseher. Aber das Bluemedia-Bild kann auf jeden Fall mit der Bildqualität eines tragbaren Videorekorder wie zum Beispiel des Archos AV700 mithalten. Einschränkungen: Bei heller Umgebung stören Reflexionen das Bild. Auch der Betrachtungswinkel ist nicht sonderlich weit - zwei Personen können aber auf jeden Fall zugleich fernsehen. Ein solides Bild bekommt der Zuschauer aber erst dann hin, wenn er Helligkeit, Kontrast und Farbe penibel genau einstellt. Und hier folgt schon wieder ein Nachteil: Hat er erst einmal eine Einstellung gefunden, gilt diese unpraktischerweise für alle Betriebsmodi: DVB-T, analoges TV und AV wie etwa DVD-Player. In der Regel haben nämlich die verschiedenen Betriebsmodi unterschiedliche Einstellungen für Kontrast und Helligkeit.

Was kann ich noch anschließen?

Über den Ton muss der Schnelltest nicht viele Worte verlieren: Der ist einfach schlecht. Und bleibt schlecht: Der Hersteller hat keine Veränderungsmöglichkeiten vorgesehen. Da haben sogar die mitgelieferten Ohrhörer einen besseren Sound als die blechern und quäkig klingenden eingebauten Lautsprecher. Die sind allerdings wegen ihres kurzen Kabels - eigentlich die richtige Länge für einen MP3-Player - nur eingeschränkt zu nutzen. Am besten einen guten Kopfhörer anschließen. Neben Kopfhörer oder Boxen mit 3,5-Millimeter-Klinke-Eingang lassen sich auch DVD-Spieler, Video-Rekorder, Computer oder Fernseher anschließen. Beim Einsatz am großen Fernseher könnten Norma-Kunden das Bluemedia-Gerät einfach zum portablen DVB-T-Empfänger umfunktionieren.

Wie verhält sich das Gerät beim Fahren?

Eine Testfahrt im Auto in der Berliner Innenstadt brachte zu Tage: Das Gerät zeigt die meisten Sender nur störungsfrei, wenn das Auto steht. Sobald sich die Tester in Bewegung setzten, störten digitale Artefakte oder es kam die Meldung „Kein Signal“. Auch wenn die Tester die Antenne aus dem Fenster hielten. Da die Tester in der Nähe eines DVB-T-Sendemasts fuhren, ist es wahrscheinlich, dass die Störungen am Stadtrand oder außerhalb der Stadt noch zunehmen. Das bedeutet: Beifahrer dürften wohl kaum während der Fahrt störungsfrei Fernsehen schauen.

Testkommentar: Wo guckst du?
Technische Daten: Ausstattung im Überblick

Dieser Artikel ist hilfreich. 409 Nutzer finden das hilfreich.