Polypille zur Vorsorge Meldung

Heftig diskutiert wird der Vorschlag zweier britischer Wissenschaftler, eine Super-Vorsorgepille gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu kreieren, die von allen Menschen über 55 täglich einzunehmen wäre. „Polypill“ soll sechs verschiedene Wirkstoffe in nur einem Medikament vereinen: Azetylsalizylsäure zur Infarktvorsorge, einen Cholesterinsenker, drei Arzneien gegen hohen Blutdruck und das Vitamin Folsäure, das den Homocysteinspiegel im Blut senken soll. Homocystein steht im Verdacht, die arterielle Durchblutung zu mindern.

Die Epidemiologen gehen davon aus, dass bei täglicher Einnahme der Mixtur die Rate der Herzerkrankungen in den Industrieländern um 80 Prozent gesenkt werden könnte. Während einige Fachärzte inzwischen die Idee auch zustimmend kommentiert haben, steckt bei dem so frappierend simplen, aber hochspekulativen Konzept der Teufel wohl im Detail. Experten weisen unter an-derem auf die fehlende ärztliche Kontrolle, die mangelnde Möglichkeit einer individuell angepassten Medikation hin. So bestünde zum Beispiel das Risiko einer Überversorgung von Gesunden, einer Unterversorgung von Herz-Kreislauf-Kranken oder unkontrollierter Dosissteigerung und bislang ungeklärter Neben- und Wechselwirkungen. Im Zulassungsverfahren müsste der vermutete Effekt wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Ein Haupteinwand betrifft auch die Auswirkung auf das Patientenverhalten. Professor Dr. Gerd Glaeske, Bremen: „Der erste Cholesterin-Senker wurde schon mit dem Slogan „Die Pille, die alles verzeiht“ eingeführt. Das neue Mittel könnte entsprechend als Freibrief zum ungesunden Leben missverstanden werden.“ Kurz und drastisch fiel ein Kommentar in der Ärzte-Zeitung aus: „Schnapsidee“.

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