Politik und Wirtschaft zum Handeln aufgerufen Meldung

Die Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben Politik und Wirtschaft aufgerufen, sich der alarmierenden Zunahme von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu stellen. Jedes fünfte Kind sei betroffen, noch einmal so viele gelten als gefährdet. Darauf wiesen die beiden Verbraucherorganisationen auf einer Pressekonferenz zu Beginn der Internationalen Grünen Woche in Berlin hin. Als Gegenmaßnahmen forderten sie ein Verbot von Werbung in TV-Kinderprogrammen und eine klare Kennzeichnung des Nährwertgehalts für Lebensmittel.

Lebensmittel für Kinder zu unausgewogen

Ein wesentlicher Grund für die Epidemie fehlernährter Kinder spielen nach den Untersuchungen der Stiftung Warentest Lebensmittel, die speziell oder überwiegend für Kinder hergestellt werden – wie Milchprodukte, Tiefkühlpizza und Hähnchennuggets. Sie enthalten zu viel Fett, zu wenig Ballaststoffe, zu viel Zucker, zu viele Kalorien und zu wenig Vitamine.

Lebenslange Folgen und Kosten in Milliardenhöhe

Die Folgen der Fehlernährung sind erschreckend: Haltungsschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, selbst die sogenannte Altersdiabetes sind bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch. „Die Betroffenen leiden oft ein Leben lang an den psychischen und physischen Folgen der Fehlernährung. Als Folge muss das Gesundheitswesen Kosten in Milliardenhöhe tragen“, sagte vzbv-Vorstand Edda Müller.

Politik und Wirtschaft müssen handeln

Der hohe Anteil übergewichtiger Kinder sei das dringendste Problem der Ernährungspolitik, so die beiden Verbraucherzentralen. Zur Lösung fordert der vzbv stärkere Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten im Gesundheitswesen und eine gezielte Arbeit in Kindergärten und Grundschulen.

Auch die Ernährungswirtschaft müsse sich ihrer Mitverantwortung für die Problematik stellen, so Müller. Der Zusammenhang zwischen dem steigenden Anteil übergewichtiger Kinder und dem ebenfalls steigenden Umsatz bei Fast Food, Süßwaren und stark gezuckerten Erfrischungsgetränken sei offenkundig. Werner Brinkmann, Vorstand der Stiftung Warentest, bezeichnete es zum Beispiel als fragwürdig, wenn Süßigkeiten zusammen mit Spielzeug angeboten und so zusätzliche Kaufanreize geschaffen werden.

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