„Hell­hörig werden, wenn Kinder zu sehr fixiert sind“

Pokémon Go, Minecraft & Co Test

Eltern sollten mit Smartphone-Apps spielen, bevor ihre Kinder dies tun, empfiehlt Dr. Marc Urlen vom Deutschen Jugend­institut München – und mit ihnen über das reden, was im Spiel passiert.

Gelegentliches Video­spielen schadet nicht

Sind Computer- und Video­spiele ungesund oder gar schädlich für Kinder?

Dies lässt sich so pauschal nicht sagen. Gelegentliches Video­spielen schadet nicht. Digitale Medien sollten allerdings nicht die Frei­zeit bestimmen – darunter leiden soziale Aktivitäten. Studien zeigen, dass die meisten Kinder durch­aus vernünftig mit den Spielen umgehen.

Beein­trächtigt das Tippen und Wischen auf glatten Oberflächen die Entwick­lung des Tast­sinns?

Das halte ich für einen Mythos. Wichtig ist allerdings, dass kleine Kinder vor allem mit traditionellem Spielzeug und Büchern aufwachsen.

Konfrontieren Spiele mit alten Rollenbildern?

Einige bedienen Klischees, zeigen modebewusste Frauen und heldenhafte Männer. Eltern sollten mit ihren Kindern darüber sprechen.

Spiele selber ausprobieren

Wie finde ich Spiele-Apps, die für meine Kinder aus pädagogischer Sicht geeignet sind?

Differenzierte Bewertungen bietet zum Beispiel das Deutsche Jugend­institut unter www.datenbank-apps-für-kinder.de für mehr als 500 Apps. Die Urteile beziehen sich vor allem auf die pädagogische Eignung. Das Daten­sende­verhalten prüfen wir allerdings nicht. Achten Sie auch auf die Alters­einstufungen und probieren Sie die Spiele selbst aus.

Was ist besser: zusammen mit Freunden oder Familien­mitgliedern
spielen oder allein?

Zusammen spielen, denn dann reflektieren Kinder das Erlebnis gemein­sam. Dabei sollten sie aber tatsäch­lich zusammen sein und nicht nur per Internet verbunden. Aufgrund ihrer großen Displays eignen sich Tablets besser als Smartphones für gemein­sames Spielen.

Wie vermeide ich, dass Kinder bei jedem Anflug von Langeweile gleich zum Smartphone greifen?

Leben Sie den Kindern vor, dass lesen, sich bewegen und miteinander spielen zum Alltag gehört. Vermitteln Sie gute Medienge­wohn­heiten: Nutzen Sie zum Beispiel keine Medien, wenn Sie mit Ihren Kindern beschäftigt sind, unterhalten Sie sich lieber, statt fern­zusehen. So lernen Kinder, sich auch ohne Handy zu beschäftigen.

Eltern sollten den Medien­konsum begleiten

Gibt es eine Faust­regel, wie viele Stunden Kindern und Jugend­lichen spielen erlaubt sein sollte?

Ich halte starre Regeln nicht für sinn­voll. Sie sind umstritten und schwer umzu­setzen, da ja digitale Medien auch oft genutzt werden, um sich zu informieren und zu kommunizieren. Wichtiger ist, dass Eltern den Medien­konsum begleiten und einen bewussten und kritischen Umgang vermitteln – durch eigenes Vorbild. Klar ist, dass der Medien­konsum nicht ausufern sollte.

Gibt es Spiele mit Sucht­potenzial?

Viele Apps verleiten dazu, immer weiterzuspielen: Noch ein Level zu schaffen, den Helden auf eine neue Stufe zu bringen. Eltern sollten Medien­erleb­nisse thematisieren und hell­hörig werden, wenn Kinder zu sehr auf ein Spiel fixiert sind. Notfalls helfen auch fest vereinbarte Regeln für die Nutzung.

Medien kreativ nutzen

Wie kann ich meinen Kindern Medien­kompetenz vermitteln?

Kinder sollten lernen, Medien kreativ zu nutzen, sich die Angebote gemein­sam mit anderen zu erschließen und sich eigene Urteile zu bilden. Schlüssel ist die familiäre Kommunikation: mit Kindern über Medien­erleb­nisse zu sprechen, über die Risiken und Möglich­keiten der bunten Medien­welten.

Gibt es Software, die Kindern den Umgang mit digitalen Medien vermittelt?

Wir empfehlen Kreativ-Apps, mit denen Kinder zum Beispiel Filme erstellen oder Musik komponieren können. Das macht gemein­sam mit anderen Menschen besonders viel Spaß. Die Ergeb­nisse präsentieren sie Freundinnen, Freunden und Familie. So lernen Kinder, dass digitale Medien nicht in erster Linie der passiven Unterhaltung dienen müssen, sondern das Miteinander fördern können.

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